Jülich/Vossenack - Missbrauchs-Vorwürfe erreichen Region

Missbrauchs-Vorwürfe erreichen Region

Von: -vpu-/cl
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Jülich/Vossenack. Sie haben Jahrzehnte aus Angst und Scham geschwiegen: Menschen, die an einer kirchlichen Einrichtung in der Region Aachen Opfer von Missbrauch geworden sind.

Drei Betroffene, „die in den späten 50er Jahren offensichtlich von Ordensleuten, die Lehrer waren, sexuell missbraucht worden sind”, haben sich „aus dem Internat und dem Gymnasium Haus Overbach in Jülich” gemeldet. Das teilte der Schulträger, die Deutschsprachige Provinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales, in Wien mit.

„In der Gegenwart sind uns keine aktuellen Fälle bekannt”, erklärte das Provinzialat, nachdem es von der Vergangenheit eingeholt worden war. Der Träger hat sich Offenheit auf die Fahnen geschrieben und bietet den Opfern Hilfe an, „falls sie diese wünschen”. Ein Vertrauensmann wurde eingesetzt, dem ein Fach-Gremium zur Seite steht.

Die Fälle liegen über 40 Jahre zurück, und die Beschuldigten seien bereits verstorben, hieß es aus Wien. Der Orden hat auch die Staatsanwaltschaft Aachen eingeschaltet, das allerdings bislang erst telefonisch, wie ein Sprecher der Behörde am Dienstag einräumte.

An einer offensiven und transparenten Aufklärung hat der Jülicher Schulleiter Heinz Lingen keinen Zweifel: „Ich habe Vertrauen in die Maßnahmen der Ordensgemeinschaft.” Das Gymnasium Haus Overbach besuchen derzeit etwa 900 Schüler. Das Internat beherbergt 60 junge Menschen.

Wie der Provinzial der Kölnischen Franziskanerprovinz am Dienstag auf Nachfrage der AZ bestätigte, hat es in den 70er Jahren auch am Franziskus-Gymnasium in Vossenack einen Missbrauchsfall gegeben. Ein Pater, der an der Schule mit Internat unterrichtete, sei damals beschuldigt worden, sich an einem Schüler vergangen zu haben, sagte Bruder Franz-Leo Barden.

Die Eltern hätten dem Pater vorgeworfen, er habe ihren Jungen „begrapscht”. Der Ordensbruder sei daraufhin sofort aus dem Schuldienst ausgeschieden und versetzt worden. Seither arbeite er nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen. Juristisch sei der Fall nicht aufgearbeitet worden, weil die Eltern darauf verzichteten.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion habe sich bisher kein Ex-Schüler aus Vossenack gemeldet, betonte der Provinzial.
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