Jülicher Land - Minusheart: Düsteres Omen schwebt über dem Duo

Minusheart: Düsteres Omen schwebt über dem Duo

Von: nk
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Unheilvoll dreckigen Gesang statt pflegeleichter Popmusik: Den produziert das Duo „Minusheart”.

Jülicher Land. Pflegeleichte Popmusik zu produzieren liegt nicht in der Absicht des Duos „Minusheart”. Stattdessen knallen stakkatomäßig Bassdrum und unheilvoll dreckiger Gesang durch die vibrierende Lautsprechermembran.

Keyboards schließen sich dem Treiben peitschend an oder schweben darüber wie ein düsteres Omen. Kein Zweifel, Elektro-Industrial mit einem Hauch Gothic und Rock ist angesagt.

„Disease”, also „Krankheit”, heißt das Debüt von Diver, so der Szene-Name des Jülichers Jörg Sauer, und Benden. Das Leiden ist das Leben genau so wie der Tod. „Leben beginnt mit Tod, Tod beginnt mit Leben” („Life starts with death, death starts with life”) thematisieren „Minusheart” im Stück „Lifespan”. So handeln die Themen von Schmerz, Sex, Unschuld, Lüge, Liebe, Hass, Einsamkeit. Oder sie singen von der Spur, die das Monster im Spiegel hinterlässt („Trace of a Monster”).

Erscheint dort nicht das eigene Spiegelbild? Bei aller Direktheit („I wanna shine but hate shines through/I wanna love but I´m not your lover”) lassen die Lyrics vieles im Ungewissen, benutzen Metaphern („Time slips through a trap”), Wortspiele („You talk Greek to me - Shout it out!”), Mehrdeutigkeiten („I like to feed your pussycat”) und Paradoxa („Have a cake and eat it, too”). Diver singt dabei immer über sich selbst, überlässt aber gleichzeitig das eigene „Ich” der Interpretation des Hörers.

Da blinzeln offensichtlich Robert Smith und Martin Gore um die Ecke, und auch Anklänge an ihre Bands „The Cure” und „Depeche Mode” blitzen hier und da in den Songs von „Minusheart” auf. „Nitzer Ebb” und „Skinny Puppy” nennt hingegen das Duo selbst als wesentliche Einflüsse.

Von diesen beiden bedeutenden Vertretern des Electro-Waves, die ihre große Zeit zwischen Mitte der 80er bis Mitte der 90er hatten, übernahm „Minusheart” das Ungeschliffene, Unbequeme und die Haltung, weder so richtig gegen oder mit dem Strom zu schwimmen, als auch die zeitgenössischen Sounds zwischen naiver Unbefangenheit, bombastischer Gigantomanie und treibender Rastlosigkeit.

Selbstverständlich handelt die Minusheartsche Musik gerade auch von Spaß. Nicht umsonst schielen sie immer wieder in Richtung Dancefloor. Dort kennen sich Diver und Benden als DJs bestens aus, haben feste Dance-Events in Aachen rund um 80ies, 90ies, EBM, Industrial, Gothic, Wave, Rock und Indie, eben all dem, was auch in ihrer eigenen Musik erschallt.

Dass diese ausreichend Potenzial besitzt, beweist das Vertrauen des Majors Sony, der „Disease” auf seinem Label Neo veröffentlicht hat. Wie ausbaufähig „Minusheart” sind, zeigen wiederum die vier Remixe als Boni am Ende der CD. Bekannte Produzenten wie „Accessory” oder „Monolith” reduzieren die Songs auf ihre essenzielle unbändige (Aussage-)Kraft.
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