Ministerin geht im Atomkugel-Streit in die Offensive

Von: dapd-nrw
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In der Informations-Affäre um angeblich 2285 vermisste Brennelementkugeln hat das Forschungszentrum (FZ) Jülich energisch Vorwürfe zurückgewiesen, gegenüber der Landesregierung widersprüchliche Darstellungen abgegeben zu haben. Foto: dpa

Düsseldorf/Jülich. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) hat im Streit um Brennelemente-Kugeln aus dem Ex-Forschungsreaktor Jülich die Offensive gesucht.

Sogar das CDU-geführte Bundesministerium für Forschung habe die widersprüchlichen Angaben des Forschungszentrums in einer internen E-Mail als „Zahlensalat” bezeichnet, sagte Schulze am Freitag im nordrhein-westfälischen Landtag.

CDU und FDP bekräftigten indes ihre Kritik an Schulze und legten ihr den Rücktritt nahe. Die Ministerin habe „gezielt manipuliert” und eine „Angstkampagne inszeniert”, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Gerhard Papke. Der CDU-Abgeordnete Hendrik Wüst warf ihr ein „skrupelloses” Vorgehen vor. Auch die Linke rügte Rot-Grün. CDU und FDP gehen davon aus, dass die Landesregierung nach der Katastrophe von Fukushima ihre Angaben zu Jülich verschärft habe.

Anfang April war eine Debatte wegen unstimmiger Angaben des Forschungszentrums über die auf dem Gelände gelagerten Brennelemente aufgekommen. Die Landesregierung hatte als Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen mitgeteilt, dass 2285 Brennelementekugeln in Jülich vermisst würden. Es hieß, sie könnten möglicherweise in der Asse in Niedersachsen eingelagert worden sein. Der Bund widersprach dieser Darstellung. Auch das Land räumte daraufhin ein, dass der Atommüll immer in Jülich gelagert worden sei.

Zu „Missverständnissen” war es laut Schulze gekommen, weil ihr Ministerium sich bewusst auf „Kugeln” bezogen habe. Wegen Kugelbruchs sei die genaue Zahl der Brennelemente-Kugeln aber nicht mehr zu ermitteln. Das radioaktive Material aus den Kugeln aber lasse sich in Jülich nachweisen, betonte die Ministerin.

Der Versuchsreaktor in Jülich lief von 1966 bis 1988 und wird seitdem zurückgebaut. Er galt als Prototyp für den 1989 ebenfalls von der damaligen SPD-Landesregierung stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm-Uentrop.

Die THTR-Technologie unterscheidet sich deutlich von der Funktionsweise der in Westeuropa hauptsächlich verbreiteten Leichtwasserreaktoren. In den THTR sind die von einem Graphitmantel umhüllten, tennisballgroßen Brennelementkugeln übereinander aufgeschichtet. In einem einzigen Brennelement befinden sich wiederum Tausende winzige Kügelchen, die aus Plutonium, Americium und Curium bestehen. Gekühlt werden diese Reaktoren nicht mit Wasser, sondern mit Edelgasen.
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