Milieu-Poet Gerd Köster mit Geschichten von Himmel und Ääd

Von: ptj
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„Kumm-jangk“ bringt Stimmung in den Saal des KuBa: (V.l.) Sänger Gerd Köster und die beiden harmonierenden Super-Gitarristen Frank Hocker und der aus der Kölschband „Bap“ bekannten Rockgitarristen Helmut Krumminga. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Kumm jangk“ heißt das siebte Bühnenprogramm von Gerd Köster und Frank Hocker in waschechtem Kölsch, das im Jülicher KuBa mit donnerndem Applaus belohnt wurde. Leidenschaftlich sang der deutsche Milieu-Poet Köster seine von Hocker kongenial vertonten Geschichten vom Verlieben und Verlassen.

Außerdem von Licht und Schatten, Himmel und Ääd.

„Mer kennt sich, un mehr hilf sich trotzdem“, denn: „D’r kölsche Klüngel is vorbei“, wie Köster bei der Anmoderation betonte. Das Ganze wurde vom erstklassigen Rockgitarristen Helmut Krumminga aufgemotzt, der aus der Kölsch-Rockband „Bap“ bekannt ist und als Solist und Rhythmusgitarrist nur schwer zu übertreffen ist.

Köster und Hocker sind seit Ende ihrer gemeinsamen Schulzeit in den 1960er Jahren am Gymnasium Köln-Nippes unzertrennlich. Sie standen bereits mit Udo Lindenberg und Gianna Nannini auf der Bühne. Krumminga stieß vor vier Jahren dazu.

Die Vielfalt zeichnet das spielfreudige Trio aus. Ihre Lieder sind ein Mix aus Melancholie und Lebensfreude, Tiefgang und Geplauder. Dazu erklang der jeweiligen Stimmung entsprechend beschaulicher Folk, herzzerreißender Blues oder frecher Rock’n‘Roll. Immer wieder wurden blind gespielte Harmonien zwischen den beiden Super-Gitarristen zwischendurch mit spontanem Applaus belohnt.

„Endlich Fröhling. Ich ben su lidderlich joot drop, ich ries de Fenster ob“, beschreibt Köster in „Fröhling“, wo die „Synapsen Twist tanzen“, sprudelnde Lebensfreude. „Erinnerunge klääve, zu vill ewije Boustelle“ heißt es hingegen in „Ruse un Rään“, wo Köster sarkastisch mit der Beziehungsunfähigkeit abrechnet. „Ming ahle vier Wängk“ ist eine eher traurige Geschichte vom aussterbenden Beruf des kölschen „Weet“, der mit dem modernen flexiblen Gastwirt nichts gemein hat.

Echte Stimmung kam auf bei der rockigen und trinkfreudigen Nummer „DeiDeiDeiDei“ über einen, der „seine Sackgasse, in der er lebt, achtspurig ausgebaut hat“, wie Köster es ausdrückte. Kösters Zwischenmoderationen, im Grunde kleine Kabaretteinlagen in seiner kölschen Muttersprache, in der er sich am besten ausdrücken kann, machten das Konzert zu einem echten Bühnenprogramm. So hinterfragte er etwa das Sprichwort, im Alter werde man klüger. Eher ratloser und „affgewichster“, ist seine Meinung. Auch sterbe nicht die Hoffnung zuletzt, sondern der Humor.

Das Trio hat viele tolle neue Lieder im Programm, obwohl Zuhörer immer wieder darum bitten, „die alten Lieder zu spielen“. Weise haben die drei Musiker den Kompromiss gefunden, „neue Lieder über alte Zeiten“ zu schreiben. Ratlos sei Köster im Übrigen schon als Kind gewesen. Als Comic-Fan habe er als Achtjähriger vergeblich nach den Sprechblasen über den Köpfen der Menschen gesucht, bis er ausgerechnet auf einer Beerdigung die eines eines cool aussehenden Typen mit Sonnenbrille lesen konnte, der direkt am Grab stand. Er war Zuhälter. Aus der Story entstand der klasse Song „Em Fejefeuer un am Fluss“. Neue und alte Fans im Saal des KuBa zeigten sich vollends begeistert von den drei Musikern, die musikalisch so authentisch auszudrücken wissen, was ihnen auf der Seele brennt.

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