Jülich - Migrantinnen haben Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht

Migrantinnen haben Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht

Von: Kr.
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Die Teilnehmer der „Schreibwerkstatt“ stellten gemeinsam das Projekt vor. Foto: Krol

Jülich. „Nicht nur die Teilnehmerinnen haben gelernt, auch ich habe viel über andere Länder gelernt und ich habe angefangen, über unsere Gesellschaft nachzudenken“, sagt Uli van Odijk, die im Rahmen der „Werkstatt der Kulturen“ der Diakonie Aachen, eine Schreibwerkstatt für Frauen mit Migrationshintergrund leitet.

„Wir hatten kein Geld, aber wir waren hoch motiviert“, sagt sie. Zwölf Frauen aus aller Herren Länder, die im Rahmen der Eingliederungskurse Deutsch lernten, hatten sich voller Lerneifer um sie geschart, um noch mehr zu erfahren und ihre Kenntnisse zu vertiefen.

„Schreibt einfach, auch wenn ihr Fehler macht“, hatte sie ihnen geraten und das Ergebnis eines langen Prozesses des Schreibens, Lernens und auch Diskutierens ist ein kleines Buch mit 45 Geschichten, die diese Frauen geschrieben haben. „Die fassungslose Brille“ lautet der Titel, der von einer Kurzgeschichte der Chilenin Carolina herrührt.

Begegnung der Kulturen

Der Jülicher Integrationsrat hatte die Aachener Schreibwerkstatt in die Stadtbücherei eingeladen, um mit ihnen, den Freunden und Mitgliedern des Kreises die 40. Interkulturelle Woche zu feiern. 1975 wurde diese Woche der Begegnungen zwischen den Kulturen bundesweit ins Leben gerufen. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 500 Städte und Gemeinden daran, eine davon ist Jülich.

Herzlich hieß Anne-Marie Höthker, Vorsitzende des Integrationsrates, die Gäste willkommen und ging kurz auf die Geschichte der interkulturellen Woche ein. Heike Keßler-Wiertz und Uli van Odijk stellten anschließend die Werkstatt der Kulturen und die Schreibwerkstatt vor. Auch Gülcan Sevim aus der Türkei, Joan Yang aus Taiwan und Lourdes Guevara aus Peru, die an dem Buch mitgearbeitet hatten, kamen zu Wort.

Bei ihnen, wie auch bei ihren Mitstreiterinnen stand im Vordergrund, ihr Deutsch zu verbessern. Es sollte aber nicht nur als Grammatik und Rechtschreibeübung gedacht sein, die Frauen wollten auch ihre Gedanken und Gefühle zu Papier bringen. So erzählten sie ernste und witzige Geschichten aus ihrem Alltag und ihrer Familie, berichteten von Missverständnisse, Vorurteilen, denen sie begegneten und die sie selbst mitbrachten oder von ihrem Heimweh.

Mit Redewendungen beschäftigt

Sie schlugen sich mit Redewendungen, Wortgebilden und vielem mehr herum. Sie erkannten bei ihrer Arbeit auch, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine dastehen und lernten von den anderen Teilnehmerinnen deren Sitten und Kulturen. So wurde dieses Projekt ein Geben und Nehmen.

Nach wie vor trifft sich die Schreibwerkstatt in der alten Nadelfabrik in Aachen und vielleicht gibt es ein weiteres Buch, sofern sich ein Sponsor findet.

Viele Fragen hatten die Gäste in der Stadtbücherei anschließend und es entspann sich noch ein reger Gedankenaustausch.

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