Mieses Arbeitsklima im Jülicher Rathaus

Von: Volker Uerlings
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In der Stadtverwaltung Jülich brennen auch abends oft die Bürolichter. Die meisten Beschäftigten fühlen sich überlastet, die Krankenquote ist überdurchschnittlich hoch. Das hat die Verwaltung in einem offenen Bericht dargelegt. Foto: Uerlings

Jülich. Der Bericht über die „Personalsituation in der Stadtverwaltung Jülich“ lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln und verblüffte in seiner Offenheit auch die Politik. Das „gefühlte“ Arbeitsklima in den Rathäusern werde immer schlechter. Viele Beschäftigte klagten über zunehmende Überlastung und fühlten sich „seitens der Arbeitgebervertretung“ nicht verstanden und „im Stich gelassen“.

Die Klagen häufen sich, und der Krankenstand ist ebenso alarmierend wie ungewöhnlich hoch. Das nahmen die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Montagabend besorgt zur Kenntnis.

Die Stadtverwaltung gehört mit 421 Beschäftigten (davon 48 im Beamtenstatus) zu den größten Arbeitgebern der Region. Die Krankenquote lag im vergangenen Jahr bei 8,4 Prozent – mit einem Mittelwert von 18 Tagen. Nach einer Statistik der Techniker Krankenkasse lag die Durchschnitts-Krankenquote bundesweit 2013 bei 4 Prozent und 14,7 Tagen. „Besonders auffällig ist die Zunahme von Langzeiterkrankungen“, heißt es im Jülicher Bericht, wonach in der Verwaltung der Herzogstadt 68 Personen mehr als 30 Tage im Jahr krank sind.

Zahlreiche Ursachen für die insgesamt missliche Lage werden ebenfalls im Detail aufgelistet: Aufgabenzuwachs, stetig steigende Anforderungen, zu dünne Personaldecken, Einspardruck, schleppende Entscheidungsprozesse, immer mehr Anträge/Aufträge, teilweise „katastrophale Arbeitsrahmenbedingen (mehrere Monate in Baustelle, nicht zu Ende renoviert ... schlechte Büroausstattung“, Führungskräfte ohne Zeit für Führungsaufgaben, Verschlechterungen des Tarifrechts.

All das führe in Summe zu steigender Unzufriedenheit, zu klagenden, unmotivierten Mitarbeiter(-innen), „schlechter Stimmung“, zu wachsenden Neiddebatten, fehlender gegenseitiger Wertschätzung, dem höher werden Krankenstand und der „Leistungsminderung bei den ,Gesunden‘“. Bürgermeister Heinrich Stommel hatte nicht zu viel versprochen, als er eingangs der Erörterung davon sprach, dass die Verwaltung „keine Märchenstunde machen“, sondern ein realistisches Bild zeichnen wollte. Das hat Richard Schumacher als Leiter des Haupt- und Personalamtes gemacht, auch wenn er im Ausschuss die ein oder andere Aussage persönlich relativierte.

Betriebspsychologen einschalten?

Der Gesamteindruck ist eindeutig. Marco Johnen (CDU) sagte: „Das liest sich wie ein Hilferuf.“ Harald Garding (SPD) dankte zwar für die „Offenheit“, zeigte sich aber von der „besorgniserregenden Krankheitsstatistik mit einem exorbitant hohen Anteil Langzeiterkrankter“ tief beeindruckt. Er fragte: „Welche Ursachenforschung betreibt man?“ Jülich brauche eine motivierte Verwaltung mit entsprechenden Mitarbeitern. Garding: „Sollte man nicht einen Betriebspsychologen einschalten?“

Die Verwaltung selbst sieht nur zwei Auswege: „konkrete Aufgaben sowie Standards abzubauen, um das vorhandene Personal zu entlasten; außerdem sollte das Personalbudget erhöht und im Haushaltssicherungskonzept an anderer Stelle eingespart werden. Letzteres unterstrich auf Nachfrage auch Bürgermeister Heinrich Stommel. Heinz Frey (UWG Jül) entgegnete, dass „nicht alles mit Geld zu erledigen ist“.

Es wird sich bereits bei den anstehenden Haushaltsberatungen für 2015 zeigen, ob und wie die Politik dabei hilft, die Jülicher Personalmisere zu lindern. Der schonungslose Bericht und die relativ kurze Aussprache im Ausschuss kann nur der Anfang dieser Diskussion sein.

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