„Miesepeters“ Sieg vor eigenem Publikum

Von: ptj
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Heimspiel für die Jülicher: Das „Herr Miesepeters Songwriter-Duo“ (l. Tobi Miesepeters, r. Simon Jülicher) überzeugt mit viel Rhythmik zu stark nachdenklichen Texten. Foto: Jagodzinska

Jülich. Acht Künstler aus den Bereichen Stand Up Comedy, Musik und Zauberei, darunter schlummernde Talente und Profis, traten bei der Jülicher Premiere der bundesweiten Reihe „Kunst gegen Bares“ auf die Bühne der KuBa-Kneipe. Die Reihe führte bereits durch 30 Städte, der moderierende Spaßreporter Daniel Kus „eroberte“ mit Jülich die siebte Stadt.

Das Besondere an der typischen „Offene Bühne Show“ ist die Entlohnung der Künstler. Das Publikum entscheidet, wie viel Bares ihnen die präsentierte Kunst wert ist. Nach der Show erhält jeder Darsteller ein Sparschwein, das nach Belieben vom Publikum gefüllt wird. Der Inhalt des Schweins steht vollständig dem jeweiligen Künstler zu. Wer sich nicht entscheiden mag, befüllt das „Solidaritätsschwein“, dessen Bares unter den Aufführenden aufgeteilt wird. Der Künstler mit dem „prallsten Schwein“ wird zum „Kapitalistenschwein“ gekürt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Rolle kam zu später Stunde dem Jülicher „Herr Miesepeters Songwriter-Duo“ zu. Die Tatsache, dass die beiden ausdrucksstarken Alternativ-Akustiker auch schon in anderen Städten gewonnen haben, beweist, dass ihr Sieg kein reines Heimspiel war.

Songwriter Tobi Miesepeters singt und spielt Gitarre, Simon Jülicher singt und begeistert als Percussioner mit Cajon und gleichzeitig Drum, mit E-Gitarre oder Melodica. Starke Rhythmen und stark nachdenkliche Texte zu Titeln wie „Verspielte Zeit“, „Alles hat ein Ende“ oder „Weiter ohne Ziel“ werden lautstark zum Ausdruck gebracht.

Zum zweiten Sieger bestimmte das Publikum Stand Up Comedian Udo Wolff aus Hoengen. Mit seinen gestenreich zum Ausdruck gebrachten Geschichten über seine drei pubertierenden Töchter hatte er sogleich ein amüsiertes Publikum auf seiner Seite.

Auf dem dritten Platz landete der aus Weimar angereiste Stummfilmpianist Richard Siedhof, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Beeindruckend waren seine virtuosen Klavierimprovisationen. Damit fügte der cinephile Pianist einem gleichzeitig auf Leinwand gezeigten Stummfilm aus 1923 mit dem britischen Filmkomiker Stan Laurel als Gasolin-Erfinder die Tonspur hinzu.

Erfrischend war auch Stand Up Comedian Khalid Bounouar, der als entspannter „Rebell“-Comedian eine mit frecher Ethno-Komik aufgemotzte Mix-Show lieferte, gewürzt mit einer Prise Hip-Hop. Als Solo-Zauberer überzeugten jeweils Yorick Vanitas aus Augsburg und Bene Reinisch aus Fulda. Ersterer trat als verrückter Professor auf die Bühne und benötigte „anteilnehmende Zuschauer“.

Im Wechselspiel mit dem Publikum – ein Zuhörer wurde zum interaktiven Bühnengast – „steuerte er Synapsen an“ und legte Wert auf „variable Intuition“. Letzterer hatte der Kunst der Jungfrauenzersägung aufgegeben, denn:„Die einzige Chance, eine Jungfrau zu teilen, ist bei Facebook“. Stattdessen führte er charmant sein Publikum per vermeintlichem Fernkurs in die Kunst der Zauberei ein.

Dabei „palmierte“ er eine Banane und ließ sie sogar unsichtbar aus einer Tuchtasche verschwinden. Nick Schmid aus Augsburg entpuppte sich in als hervorragender Geräusche-Imitator in seinem Mix aus Mimik und Gestik, Imitation und Beatbox. Seine Art, jeden Satz mit einem coolen „Ey“ beginnen zu lassen, war allerdings nicht jedermans Sache.

Nicht zuletzt gefiel das noch recht neue „Jil und Jan Songwriter Duo“, das als Eisbrecher die Show eröffnet hatte, mit (Sprech)gesang und harmonierenden Gitarrenspiel. Sie und er ließen auch Reime rieseln und brachten die passenden Textpassagen lautstark zum Ausdruck, um anschließend wieder in leise Harmonie zurückzufallen.

Bei der Veranstaltungsreihe, die gewöhnlich auch Poetry Slammer vorstellt, sitzen die Künstler zwischen den Gästen im Publikum, bevor sie für eine jeweils zeitliche festgelegte Präsentationszeit auf die Bühne gebeten werden. Ob sich die sehenswerte Reihe auch dauerhaft in Jülich etablieren wird, wird die Resonanz bei den folgenden Veranstaltungen zeigen.

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