Jülich - Methodisch gegen Onlinesucht kämpfen

Methodisch gegen Onlinesucht kämpfen

Von: Otto Jonel
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Die Immer-on-Tasche bittet reichlich Anschauungsmaterial, mit dem die Lehrkräfte vor den Gefahren der Online-Sucht warnen können. Die Experten Thoralf Wedig (l.) und Jügen Meisenbach (r.) machen Susanne Eckai-Nicolaus, Klaus-Peter Klein und Frank Müller von der AOK Rheinland mit den „Werkzeugen“ vertraut. Foto: Jonel

Jülich. Lamentieren und beklagen, dass die neue mediale Welt nicht nur soziale Netzwerke schafft, sondern auch das Potential birgt, Grundpfeiler des Soziallebens zu erschüttern, ist das Eine. Sich dieser Problematik zu stellen, um letztlich auch Gefährdungspotential einzudämmen, ist eine ganz andere Sache. Die AOK Rheinland/Hamburg geht diese Herausforderung mit einer neuen Kampagne an.

„Immer on?“ heißt ein neues Projekt zur Prävention von Onlinesucht. Gezielt eingebunden sind darin die weiterführenden Schulen. Als Multiplikatoren fungieren interessierte oder mit dem Thema betraute Lehrkräfte. Auftakt des Projekts war jetzt in Jülich.

Surfen, chatten, online-spielen sind aus dem Alltag vieler Jugendlicher nicht wegzudenken. „Immer online – rund 250.000 Jugendliche in Deutschland haben damit schon ein Problem“, bemüht Frank Müller von der AOK-Regionaldirektion Düren-Jülich die alarmierende Statistik. Das sei Grund genug, „sich mit der Thematik zu beschäftigen“. „Es ist wichtig, dass man reagiert sobald man Entwicklungen in der Gesellschaft wahrnimmt“, betont Müller die einzigartige Initiative der Krankenkasse. Sie soll anknüpfen an bereits bestehende Präventionsprogramme mit jugendlicher Zielgruppe, auf die Susanne Eckai-Nicolaus verweist. „Im Rheinland sind es schon rund 1000 Schulen die diese Angebote wahrnehmen.“

Wappnen vor dem Abgleiten

Aus den Schulen von besorgten Eltern sei schließlich auch die Frage gekommen, ob es neben Alkohol- und Drogensucht „auch etwas zu Online-Sucht“ gebe. Das war der Ausgangspunkt, um sich mit Expertenunterstützung didaktische Methoden und Werkzeuge zusammenzustellen, mit denen Lehrkräfte ihre zum Teil „fachlich“ überlegenen Schüler für die Suchtgefahr zu sensibilisieren und sie mit erhöhter Medienkompetenz vor dem Abgleiten in die Sucht zu wappnen.

Zwei dieser Experten, die Diplom-Soziologen Thoralf Wedig und Jürgen Meisenbach von der Suchtprävention der Drogenhilfe Köln, standen den rund 20 Lehrkräften aus dem Kreis Düren bei der ersten Fortbildung mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Aufgabe leiten sie von der Fragestellung ab: „Wie kann man Theorie in die Praxis transportieren?“

Viele Lehrer, so die Erfahrung, seien durchaus gut informiert, hätten aber Schwierigkeiten, diese Wissen in eine Unterrichtsform zu bringen. „Wir haben entsprechende Methoden und Hilfsmittel entwickelt.“ Die sind buchstäblich zusammengepackt – in eine Tasche nämlich. Sie enthält reichlich Material, um damit anschaulichen Unterricht zu bestreiten. Dazu zählt unter anderem ein Power Point-Vortrag samt Quiz zur Thematik, ein Suchtverlauf, den die Schüler in Kartenform zusammenstellen können, aber auch eine Reihe von konkreten Fallbeispielen von Onlinesucht.

Diese Methoden-Taschen in Kombination mit einer Lehrerfortbildung soll interessierten Schulen auf Anforderung zur Verfügung gestellt werden.

Sie ist ebenfalls geeignet, Eltern Strategien aufzuzeigen, „um dem übermäßigen Medienkonsum ihrer Kinder sinnvoll entgegenzuwirken“. Viele Eltern stünden schlicht überfordert vor der Frage: Greife ich möglichst wenig in den Umgang mit der neuen Kulturtechnik ein oder begleite ich mein Kind in die Sucht?

Wedig und Meisenbach zeigten sich „total dankbar“, zu diesem Projekt hinzugezogen worden zu sein. Sie setzen auf den Multiplikationseffekt.

Neben der ersten Fortbildung mit 20 Lehrkräften im Kreis Düren sind bis zu den Osterferien zehn weitere derartige Veranstaltungen im Rheinland geplant, die im Übrigen offen auch für nicht ausdrückliche Eingeladene sind. Über diese Pädagogen können Tausende von Schülern, vom Hauptschüler bis zum Gymnasiasten, erreicht werden.

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