Messerstecherei: Fünf Jahre Haft und Therapie gefordert

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Fünf Jahre Haft oder zwei Jahre auf Bewährung: Zwischen dem Antrag von Staatsanwältin Claudia Schetter und dem Jülicher Verteidiger Albrecht Fuchs klafften am Donnerstag Welten im Fall des 27-jährigen Messerstechers B.

Beide Seiten referierten in ihren Plädoyers vor dem Aachener Schwurgericht überzeugende Gründe für die Bewertungen eines Falles, der sehr „erstaunlich” für die Staatsanwältin ist.

Erstaunlich deshalb, weil weder Täter noch Opfer - sie geben an wegen übermäßigem Trinkens von Alkohol - über den Tatablauf Aufschluss geben können oder wollen.

An jenem Sonntag im Februar, das meint jedenfalls Anwalt Fuchs in seinem engagierten Plädoyer, waren der 27-jährige Angeklagte wie sein Cousin A. (30) nächtens angetreten, um sich im Anschluss an eine Familienfeier gezielt zu betrinken.

Beim Täter wurden später rund drei Promille Alkohol im Blut festgestellt. Das Opfer war laut Anwalt mit rund zwei Promille etwas weniger stark alkoholisiert, als es am Sonntag gegen 10 Uhr morgens zu dem beinahe tödlichen Messerstich in die Brust des 30-Jährigen kam.

Für Fuchs resultierte der Messerstich aus einem gefährlichen Spiel, das im östlich-russischen Kulturkreis bei Trinkgelagen der Männer durchaus Tradition hat.

Denn meist liegt dabei ein Messer auf dem Tisch, mit dem Brot, Wurst oder Käse quasi als Brotzeit zum Wodka geschnitten wird. Und auch Opfer A., der von Beginn an angab, seinen Vetter überhaupt nicht bestraft sehen zu wollen, berichtete, dass man vor den Ereignissen „mit dem Messer Fingerübungen” gemacht hatte.

„Um zu demonstrieren”, so Fuchs, „dass man noch einigermaßen nüchtern ist, wird etwa die Messerspitze zwischen den Fingern in die Tischplatte gestoßen”. Das sei eventuell auch hier so gewesen.

Und sein Mandant habe schon davor einen Filmriss gehabt und wisse tatsächlich nicht, aus welchem Grund er dann urplötzlich zugestochen habe, durchaus ungezielt, ohne Tötungsvorsatz bei durch Alkohol verminderter Schuldfähigkeit, meinte der Verteidiger.

Verminderte Schuldfähigkeit nimmt auch die Staatsanwältin an, geht aber strafschärfend von einem bedingten Tötungsvorsatz aus. Sie nehme dem Angeklagten die fehlende Erinnerung nicht ab, meinte sie vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl.

Der Stich hätte schließlich um Haaresbreite zum Tod geführt. Deshalb beantragte sie ein Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen versuchten Totschlags und will den Angeklagten in einen Alkoholtherapie schicken. Das Urteil wird am Montag verkündet.
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