Merscher Höhe: Die neue Chance im unbekannten Land

Von: Guido Jansen
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Sie war das Kernstück auf der Merscher Höhe: Die Senderhalle könnte jetzt in eine Art Gewerbehof umgewandelt werden, in der mehrere Firmen ein Lager unterhalten könnten. Foto: Guido Jansen
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Viele Möglichkeiten: Für die Gebäude gibt es mehrere Ideen. Foto: Guido Jansen
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Der Zustand der Straße muss auf Dauer neu bewertet werden. Foto: Guido Jansen

Jülich. Jahrzehntelang war das Gebiet des alten Senders in Jülich für die Meisten unbekanntes Land hinter einem hohen Zaun. Die rot-weißen Rundfunkmasten waren weithin sichtbar. Das, was gesendet wurde, war hörbar. Was in der großen Sendehalle und den Gebäuden drum herum passierte, wussten nur die, die da gearbeitet haben.

Gerüchten zufolge hatte der Bundesnachrichtendienst auf der Merscher Höhe sein Ohr am Äther. Dieses unbekannte Land soll in Zukunft die Rettung für Jülich sein. Und für Niederzier und Titz. Zumindest, was das Schaffen neuer Arbeitsplätze angeht.

„In Jülich gibt es keine freien Gewerbeflächen mehr. Und wir haben eine nicht gerade kurze Liste an Firmen, die mehr Platz brauchen“, sagt Frank Drewes, der Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft. Die Stadt Jülich hat das 450.000 Quadratmeter große Areal gekauft, das sich mit drei Achsen wie ein Y auf der Merscher Höhe erstreckt. Ende des Jahres war das. Da wurde auch die Campus Mersch GmbH gegründet, die jetzt Eigentümerin der Fläche ist. Die GmbH befindet sich gerade in Gründung, ist aber laut Drewes bereits handlungsfähig. Und sie hat eine lange Liste an Aufgaben auf dem Weg zum angestrebten interkommunalen Gewerbegebiet für Jülich, Niederzier und Titz.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse sammelte Drewes bei der ersten Inspektion der Gebäude, die eine Gesamtfläche von etwas mehr als 5000 Quadratmetern haben: „Die Bausubstanz ist gut. Man merkt, dass das eine checkheftgepflegte Bundesimmobilie war.“ Neu gebaut werden muss nicht viel, Umbau- und Sanierungsmaßnahmen sind aber notwendig. Beispielsweise, um aus der großen Sendehalle eine Art Gewerbehof zu machen, in dem zehn bis 14 lokale und regionale Unternehmer Lagerhallen einrichten können. Die Verwaltungsgebäude sind ebenfalls noch in gutem Zustand und bieten viel Platz, beispielsweise für Büros.

Der gesamte Komplex ist komplett unterkellert, mit einem Keller, der sich auch nach mehrfacher Begehung als komplett trocken herausgestellt hat. „Da wäre beispielsweise eine Nutzung als Kaltlager denkbar“, sagt Drewes. Bis das so weit ist, sei auch eine andere Verwendung möglich, vielleicht als Filmkulisse, falls ein abgelegener, verlassener Industriestandort als Drehort gewünscht wird. Gänzlich verlassen ist die Merscher Höhe allerdings nicht, sie wird regelmäßig überwacht.

Die Fläche, auf der lokale, regionale und überregionale Unternehmen angesiedelt werden sollen, muss komplett erschlossen werden. Die Betonfundamente der Sendemasten sind laut Drewes größtenteils beseitigt worden, die noch vorhandenen könnten meist überbaut werden. „Auf der Fläche muss was getan werden. Aber vor dem Hintergrund der Möglichkeiten, die sich dort bieten, sind diese Investitionen wirtschaftlich gut darstellbar“, sagt Drewes. Ob die alte Betonstraße dauerhaft den Verkehr tragen kann, bliebe abzuwarten, für die Bauzeit in der Fläche sei sie sicher ausreichend.

Die Campus Merscher Höhe GmbH beginnt gerade damit, die rechtlichen Grundlagen für die Vermarktung der gekauften 450 000 Quadratmeter zu schaffen. „Den drei beteiligten Kommunen geht es in erster Linie darum, Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Drewes. Welche Arten von Unternehmen angesiedelt werden sollen, sei nicht vorgeschrieben. Ein gemischtes Gewerbegebiet wie in Königskamp sei möglich. „Aber wir wollen uns da jetzt planungstechnisch nicht zu früh Fesseln anlegen“, erklärte Drewes. Platz ist genug vorhanden, denn der Bund hat erklärt, eine angrenzende Fläche von 19 Hektar an die Campus GmbH zu verkaufen, falls dort Gewerbegebiete entstehen. „Für einen ersten Bauabschnitt würde das sicher reichen“, sagte Drewes.

Weiterhin noch nicht in Stein gemeißelt sind die genauen Absprachen zwischen Jülich, Niederzier und Titz. Der exakte Schlüssel muss noch erstellt werden, nach dem beispielsweise künftige Steuereinnahmen verteilt werden sollen. Dass die Drei gemeinsame Sache machen, wird immer wahrscheinlicher.

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