Mehr als 400 Geschenkkartons für 1600 bedürftige Menschen

Von: Daniela Martinak
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Die Familie der kleinen Zefania ist dankbar für die Unterstützung. Rosemarie Burg, ehrenamtliche Helferin der Jülicher Tafel, hilft dabei, eine passende Kiste zu finden. Und einen Schokonikolaus gibt es auch. Foto: Martinak
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Geschenke noch und nöcher: Zahlreiche Menschen haben sich ein Herz gefasst und die Kisten für die bedürftigen Mitbürger mit leckeren und nützlichen Artikeln bestückt.

Jülich. Es ist ihnen nicht anzusehen. Gut gekleidet, ein Lächeln aufgesetzt und freundlich grüßend begegnen sich die Menschen auf Jülichs Straßen. Unter ihnen: Obdachlose, Arbeitslose, Kranke, Verwitwete... Was hinter der Fassade steckt? Trauer, Schmerz, Niedergeschlagenheit, Wehmut. „Den feinsten Pullover habe ich angezogen. Schließlich ist es ein besonderer Anlass“, sagt Helmut, der seit einer geschlagenen Stunde in klirrender Kälte vor dem Kulturbahnhof steht.

Als sich die Pforten endlich öffnen, hüpfen die Kinder, die mit ihm in der Schlange stehen, fröhlich über die Türschwelle. Doch plötzlich bleiben alle wie angewurzelt stehen.

Schon zücken die ersten ehrenamtlichen Helfer der Jülicher Tafel die Taschentücher. „Es gibt, glaube ich, niemanden, dem das nicht nahe geht“, vermutet Rosemarie Burg. Seit sechs Jahren gehört sie zum „Team Weihnachtskisten“. Ebenso lange fordert die Tafel die Menschen auf, denen es besser geht, zu spenden. Alle haben doch zu dieser Zeit nur einen Wunsch: Weihnachten feiern zu können, wie es alle gerne tun: Mit leuchtenden Augen, leckeren Köstlichkeiten, süßlichem Duft, der in der Luft liegt, und einmal für ein paar Stunden all die Sorgen vergessen.

„In den Kisten befinden sich hauptsächlich Nahrungsmittel. Hier und da kleine Spielzeuge, wenn es Familien mit Kindern sind, oder aber Dekorationen wie Fensterbilder und Kerzen“, erklärt Rosemarie Burg. Über 400 Pakete, verteilt auf den Tischen im KuBa, unterteilt in den Kategorien „Eine bis acht Personen“ treiben nicht nur den Helfern Tränen in die Augen. „Mein Herz ist so berührt. Ohne Unterstützung würde ich mich überhaupt nicht trauen, an ein schönes Weihnachten zu glauben“, sagt Renate und schluchzt bitterlich.

Insgesamt gibt es im Nordkreis 1600 bedürftige Menschen. Staunend über die Hilfsbereitschaft gehen diejenigen, die sich gemeldet haben, um eine Kiste zu erhalten, um die Gabentische herum. Jede Familie und auch die Alleinstehenden dürfen sich einen Karton aussuchen, den sie dann zu Hause plündern dürfen. Vorher gibt es aber für jeden noch einen heißen Kaffee und Kekse. „Danke“, mehr können die meisten einfach nicht sagen.

Die zahlreichen Ehrenamtler sind zwar echte Organisationstalente – die Kisten müssen erfasst, die Tische aufgebaut, der Kaffe gekocht und die Plätzchen gebacken werden – aber: „Jedes Jahr haben wir Angst, zu wenige Kisten zu haben. Vergangenes Jahr war es so.“ Damit das dieses Jahr nicht passiert – obwohl sich etliche Vereine, Schulen, Kindergärten und Privatpersonen beteiligen –, hatte die Feuerwehr aus Rurdorf eine zündende Idee: Sie brachte am Vorabend kurzerhand 40 gepackte Kisten und Spielzeug zur Tafel.

Über die Abgabe der Kisten wird eine Strichliste geführt, so dass gewährleistet ist, dass jede Familie auch nur eine Kiste bekommt. „All unsere Tafelkunden erhalten einen Bon, den sie dann hier abgeben müssen“, erklärt Margitta Kupzig, die ebenfalls schon seit sechs Jahren dem „Kistenteam“ angehört. Eine reicht den bedürftigen Familien sichtlich. Glücklich ist wohl jeder, der den KuBa samt Kiste verlässt.

Helmut jedenfalls hat einen Karton gefunden, der seinen Vorstellungen entspricht. Er klemmt ihn sich fest unter den Arm: „Das kleine bisschen Glück hier kann mir niemand mehr nehmen. Fröhliche Weihnachten.“

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