Mechatronikzentrum 800 bleibt Bundeswehrstandort

Von: hfs/ojo
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Im Mechatronikzentrum 800 in J
Im Mechatronikzentrum 800 in Jülich werden weiterhin Radfahrzeuge aller Art für Soldaten im Auslandseinsatz instand gesetzt. Foto: hfs

Jülich. Obwohl das Damoklesschwert schon häufiger über der Werkstatt hing, dürfte keine Entscheidung des Bundesverteidigungsministers mit solcher Spannung erwartet worden sein, wie die am Mittwoch verkündete. Der Bundeswehrstandort Jülich, das Mechatronikzentrum 800, bleibt erhalten.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe, wo im Zuge Bundeswehr-Strukturreform Standorte aufgegeben werden und wo sie erhalten bleiben, überbrachten die Bundestagsabgeordneten Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) und Dietmar Nietan (SPD) die frohe Kunde in den Kreis Düren. Doppelt frohe, weil auch der Fliegerhorst Nörvenich erhalten bleibt.

Exzellente Entscheidung

„Eine exzellente Entscheidung für den Kreis Düren”, applaudierte Rachel. Er reagierte mit Genugtuung darauf, dass damit die Ausbildung von Lehrlingen, die das Mechatronikzentrum seit 30 Jahren erfolgreich betreibt, fortgesetzt wird. Genugtuung empfand Rachel nicht zuletzt auch, weil er sich für die beiden Standorte im Kreis „intensiv eingesetzt habe”.

Dietmar Nietan betonte ebenfalls die „großer Wichtigkeit” für den Kreis, dass das Mechatronikzentrum in Jülich fortbesteht. „Hier wird hervorragende Arbeit mit hoch qualifiziertem Personal auch zukünftig geleistet werden.”

Nach Worten von Oberstleutnant Johann Schnell, Dienststellenleiter des Jülicher Mechatronikzentrums 800, ist die Entscheidung aus Berlin, am Jülicher Standort nichts zu ändern, mit Erleichterung aufgenommen worden. „Natürlich trifft das auf alle 300 Beschäftigte zu”, sagte Schnell, „denn schließlich sind darunter 290 Zivilbedienstete.”

Die, und das betonte der Personalratsvorsitzende Hans-Peter Lingens ausdrücklich, hätten dem Tag nicht besonders entgegengebangt. „Seit Jahrzehnten müssen wir uns mit der Privatwirtschaft messen lassen. Druck haben die Kollegen jeden Tag, die Messlatte liegt hoch, wir müssen uns jeden Tag neu beweisen”, sagte Lingens, der deshalb nicht von einem besonderen „Tag der Entscheidung” sprechen wollte. Wer genau das Konzept des Verteidigungsministers liest, auch zwischen den Zeilen, der wird feststellen, dass der Standort Jülich im Zuge der Neuausrichtung überhaupt nicht in Frage stand. „Es wird ausdrücklich erwähnt, dass ortsfeste Logistik nicht zur Disposition steht”, sagte Lingens, der deshalb auch keine besondere Nervosität bei den Kollegen verspürt hatte.

Die Belegschaft in Jülich wurde am Mittwoch trotzdem offiziell von Schnell informiert. „Ich werde mich zuerst mit dem Personalrat treffen, dann die Mitarbeiter schriftlich über die Entscheidungen in Berlin informieren.” Wie Lingens betonte, ist Jülich das einzige von ehemals vier in der Bundesrepublik verbliebene Mechatronikzentrum. Spezialisiert auf die Instandsetzung von Radfahrzeugen, die in allen Teilstreitkräften gebraucht werden. „Zudem sind wir für die Feldlager-Instandsetzung - von der Einrichtung der Wohncontainer bis hin zur Feldküche - zuständig für Soldaten im Auslandseinsatz.” Für den Jülicher Standort ein ebenso wichtiges Standbein für den Erhalt der Arbeitsplätze.

Ein Aderlass bleibt der Stadt Jülich allerdings nicht erspart: Das Kreiswehrersatzamt wird über kurz oder lang aufgelöst. Das allerdings überrascht nicht, war das Fragezeichen hinter der Existenzberechtigung der Kreiswehrersatzämter mit der Abschaffung der Wehrpflicht dick gefettet worden. „Die terminliche Feinabstimmung erfolgt noch”, gab eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums auf Nachfrage an. Sicher sei, dass „bis 2017 alle Standortschließungen abgeschlossen” sein werden. Betriebsbedingte Kündigungen wie in der freien Wirtschaft sind mit der Aufgabe des Kreiswehrersatzamtes nicht verbunden.

Beamte sind ohnehin unkündbar, und auch die Nicht-Beamten genießen den quasi Unkündbarkeitsstatus. Angestrebt werden für die Mitarbeiter Versetzung innerhalb der Bundeswehr, so die Sprecherin. Sollte das nicht möglich sein, werden die Mitarbeiter an andere Bundes- oder Landesbehörden vermittelt. Nur wenn das nicht greifen sollte, sei an Vorruhestandsregelungen für Angestellte ab 55 gedacht. In der Ausarbeitung, so die Ministeriumssprecherin weiter, sei ein Reformbegleitprogramm. Es soll auch Beamten ab 55 eine Vorruhestandsregelung ermöglichen. Dieses Programm soll im März 2012 verabschiedet sein.

Derzeit ist der Bundeswehrstandort Jülich - Mechatronikzentrum 800 und Kreiswehrersatzamt - mit 330 Dienststellen bestellt. Mit Abschluss der Strukturreform werden es nur noch 260 sein.
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