Massenansturm bei Kür der CDU-Kandidaten

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Jülich. Da rede noch einer von Politik- oder Parteienverdrossenheit: Zeitweise über 170 stimmberechtigte Mitglieder des CDU-Stadtverbandes beteiligten sich über mehr als fünf Stunden (!) an der Aufstellung der Kommunalwahlkandidaten in der Bürgerhalle Koslar.

Das waren fast 40 Prozent aller Jülicher Unions-Mitglieder in Jülich (450). Der Massenandrang hatte seinen Grund: Die Union hatte sich mehr als ein Jahr in zahlreichen Personaldebatten verstrickt. In Koslar sollten Knoten durchschlagen werden, was zwar gelang, aber auch zur ein oder anderen „Verletzung“ führte.

Eine solche trug Fraktionsvorsitzender Peter Capellmann davon, dem die Mitglieder einen „Denkzettel“ verpassten. Das langjährige Chef des CDU-Teams im Stadtrat ist nicht mehr Direktkandidat, sondern führt die Reserveliste der Partei an. Beim Votum über diese Liste erzielte er mit 100 Ja- und 47 Nein-Stimmen aber eines der schlechtesten Ergebnisse am Mittwochabend.

Im Vorfeld des Parteitags gab es auch einen Herausforderer Capellmanns: Marco Johnen (Bezirksvorsitzender der Jungen Union) hatte seinen Hut in den Ring geworfen, um in seinem Heimatbereich (Heckfeld) als Direktkandidat anzutreten. Genau dieser Bezirk 4 galt als „Capellmanns Wahlbezirk“.

Um eine Kampfabstimmung zu vermeiden, die einen Verlierer hinterlässt, ersann Stadtverbandsvorsitzender Elmar Fuchs einen Kompromiss, der Beiden die Möglichkeit eröffnet, bei einem entsprechenden Wahlergebnis im Stadtrat zu arbeiten: Capellmann verzichtete auf die Kandidatur im Wahlbezirk und ließ Johnen den Vortritt. Gleichzeitig wurde der Fraktionschef auf Platz 1 der Reserveliste gesetzt.

Das birgt eine gewisse Gefahr, denn bei den Kommunalwahlen 2009 zog überhaupt nur ein Platz der CDU-Reserveliste. Elmar Fuchs: „Es ist wahrscheinlich der einzig sichere Listenplatz.“ Der Stadtverbandsvorsitzende verteidigte den Kompromiss: „Es ist nicht die beste Lösung, das Alles-oder-Nichts-Prinzip anzuwenden. Es ist unser Ziel, zwei gute Leute im Rat zu wissen.“

Dieses Ziel wurde am Ende deutlich erreicht. Johnens Kandidatur wurde mit 140 Ja-Stimmen (16 Nein) abgesegnet. Capellmanns Ergebnis offenbart aber, dass es schon einen Graben innerhalb der Jülicher Union gibt. Zu den Gründen der Unzufriedenheit wurde offen nichts gesagt. Hinter vorgehaltener Hand führten einige Christdemokraten eine nicht unbedingt offensive Informationspolitik des Fraktionschefs in der jüngeren Vergangenheit an.

Bei einer anderen Stichwahl ließ Egbert Friedrich durchblicken, dass man ihn im Ortsverband Mitte-Heckfeld nicht noch einmal nominieren wollte, weil er im Verdacht stehe, „ein Sympathisant Capellmanns zu sein“. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Appell von Elmar Fuchs, „geschlossen“ in die Kommunalwahlen im Mai zu gehen, eine neue Bedeutung.

Egbert Friedrich (52 Ja-Stimmen) verlor die Stichwahl im Bezirk 3 gegen Frank Radermacher (110). Bei der zweiten Stichwahl scheiterte Kathleen Lorscheid Kratz im Bezirk 7 knapper gegen Helmuth Richard Hoen (63 zu 96). Ansonsten fielen die Voten ziemlich deutlich aus.

Unter dem Strich kann man sagen, dass die Union mit einer jüngeren Mannschaft in die Wahlen ziehen wird. Ein Ziel hat sie allerdings um Längen verfehlt: eine auch nur im Ansatz „anständige“ Frauenquote. Nur zwei von 19 Direktbewerbern sind weiblich. Das sorgte für kritische Stimmen – unter anderem von Ruth Tavernier.

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