Massen strömen zum Open-Air-Kino in Jülich

Von: Simone Dolfus
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Volles Haus unter dem Zeltdach: Das schöne Sommerwetter am Freitag lockte fast 400 Kinobesucher zur Jülicher Open-Air-Premiere 2013.
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Die mobile Leinwand aus dem Kulturbahnhof misst 6 mal 3 Meter – und passt mit Rahmen in eine kleine Tasche
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Der digitale Filmprojektor wird erst ausgeladen, dann wird das Podest aufgebaut und dann wird das schwere Gerät wieder in den Wagen gehievt. Foto: Dolfus

Jülich. So wenig Zeit hatten sie noch nie. Gerade sind die letzten Klänge des Latin-Konzerts ertönt, die Besucher verlassen nach und nach das Areal, da juckt es Daniel von Büren und Cornel Cremer schon mächtig in den Fingern. In knapp zwei Stunden startet die Premiere der Open-Air-Kino-Saison 2013 im Brückenkopf-Park.

 Jetzt müssen der Veranstaltungstechniker und der Kulturbahnhof-Geschäftsführer einen kühlen Kopf bewahren und dafür sorgen, dass jeder Handgriff sitzt. Und das bei ausnahmsweise lauschigen Temperaturen von über 20 Grad. Denn mit dem Wetter hatten die Kino-Veranstalter in den letzten Jahren immer wenig Glück.

Gemeinsam mit einem kleinen Team, bestehend aus Albrecht Becher, Marc David Kloep und Brückenkopf-Park-Manager Hans-Josef Bülles, wird der Transporter ans halboffene Zeltdach gefahren, der Projektor aus- und wieder in den Wagen geladen, die mobile Leinwand aus dem Kulturbahnhof flugs zusammengebaut und aufgestellt, viele Meter Kabel verlegt und vor allem: jede Menge Stühle geschleppt. „Wir hatten schon rund 300 Voranmeldungen im System“, freut sich Cornel Cremer. Das ist viel, auch wenn etwa 10 bis 20 Prozent der Angemeldeten dann doch ihre Reservierung verfallen lassen, wie Cremer aus den wöchentlichen Kino-Aufführungen im Kulturbahnhof weiß. Durchschnittlich 200 Zuschauer kamen in der Saison 2012 zum Kino-Vergnügen an der frischen Luft. Doch an diesem Abend soll alles anders werden.

Schon um kurz vor acht bildet sich eine lange Schlange vor den Kassenhäuschen an der ehemaligen Kirmesbrücke. Dabei beginnt der Film „Life of Pi“ ja erst um neun. Langsam geraten die Männer nicht nur wegen der lauen Sommerabendluft ins Schwitzen. Es werden wohl doch deutlich mehr als 300 Leute kommen. Jetzt ist Improvisation gefragt. Alles, was an Bestuhlung noch verfügbar ist, wird herangekarrt und aufgestellt.

Währenddessen läuft der erste Licht- und Toncheck von Daniel von Büren. „Ist das scharf genug?“ ruft er Marc David Kloep zu. In der Zwischenzeit hat Cornel Cremer an der Kasse Platz genommen, wo nun auch Jenny Lorbach als Unterstützung eingetroffen ist. Nach und nach strömen die Gäste unter das Zeltdach und machen es sich bequem – mit Decken, Gartenstuhlkissen und Picknickkörben.

Darin enthalten sind allerhand Leckereien, die man für einen gemütlichen Filmabend braucht: Etwas Süßes, etwas zum Knabbern, eine Dose Cola oder eine Flasche Rotwein. „Hätten wir das gewusst…“, ärgert sich Familie Prell aus Jülich, die erstmals an einer Open-Air-Vorführung im Park teilnimmt. Sie hatten auf einen Popcorn-Verkäufer gehofft. Mit den Gegebenheiten unterm Zeltdach besser bekannt sind die Schwägerinnen Ruth und Barbara Thomas aus Linnich. Die älteren Damen haben schon oft Filme im Stadtgarten geschaut. „Ach, das ist einfach unheimlich schön hier im Dunkeln, an der frischen Luft, aber trotzdem geschützt unter dem Dach.“

Auch wenn ihnen die Filmauswahl nicht immer gefallen hat. „Also letztes Mal „Die Päpstin“, das war ein schrecklicher Film.“ Dabei geben sich Cornel Cremer und Christoph Klemens vom Kulturbüro der Stadt immer Mühe, „Open-Air-taugliche“ Filme auszuwählen. Cremer: „Das darf kein zu harter Stoff sein. Die Leute sollen sich ja wohlfühlen.“ Ausgesucht werden meist Filme, die in der Kinosaison gut angekommen sind.

Manche Gäste haben sich angesichts des schönen Wetters spontan überlegt, zu kommen. Die letzten trudeln nach neun ein, während Cornel Cremer und Jenny Lorbach im Eingangsbereich tief durchatmen. „Das war echte Höchstleistung“, lobt Cremer den Einsatz aller. Und am Ende finden auch die letzten Gäste ein lauschiges Plätzchen, auch wenn sie spontan die Liegebänke aus dem Parkgelände zum Kinositz zweckentfremden müssen, während auf der Leinwand bereits die ersten Szenen aus dem „Leben mit Tiger“ flackern.

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