„Maschinen ans Laufen bringen“: Landmaschinen-Fan mit großer Sammlung

Von: Kr.
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Mehr als ein Dutzend alte Taktoren stehen in der Halle von Hermann Josef und Heinz-Josef Göbbels: Prunkstück ist ein Deutz Schlepper MTZ 320 aus dem Jahr 1935. Foto: Kròl
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Es rattert, dampft und zischt, wenn die alten Landmaschinen zum Leben erwachen: Hier hat der 63-jährige Ralshovener eine Deutz E3 erfolgreich angeworfen.
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Hermann Josef Göbbels und das Schwungrad eines Motors.

Ralshoven. „Es muss schon ein wenig nach Öl riechen, sonst ist es nicht meine Welt“, sagt Hermann-Josef Göbbels aus Ralshoven, als er die Tür zu seiner Sammlung öffnete. Und seine Welt riecht wirklich nach Öl und etwas Metall und ist eine 900 Quadratmeter große Halle voller Landmaschinen, Zugfahrzeuge, Traktoren und Gerätschaften aus längst vergangenen Zeiten.

Für den 63-jährigen Rentner und seinen Sohn Heinz-Josef gibt es nichts Schöneres, als die alten Geräte zu restaurieren. „Schon als 12-Jähriger habe ich in meiner Freizeit an den Landmaschinen auf dem elterlichen Hof herumgeschraubt“, erinnert sich der Tüftler, der dann auch eine Lehre als Landmaschinenmechaniker absolvierte und später bei einem großen Energieunternehmen als Maschinenbautechniker tätig war. Die Faszination alter Traktoren und landwirtschaftlichem Geräts hat ihn nie losgelassen.

Im Jahr 1975 erstand er in Bremerhaven seinen ersten Traktor, einen wassergekühlten Deutz. Kreuz und quer durch Deutschland, aber auch in der Schweiz, Frankreich, Polen, Belgien und Holland war er auf der Suche nach alten Schätzchen unterwegs. Mittlerweile besitzt er ein gutes Dutzend dieser Oldtimer-Traktoren, überwiegend von dem Kölner Unternehmen Deutz, das ihm besonders ans Herz gewachsen ist.

Prunkstück ist ein Deutz Schlepper MTZ 320 aus dem Jahr 1935, eine längt ausgestorbene Fahrzeuggattung, den er in einem Schuppen in der Schweiz entdeckte. Exoten wie ein feuerroter McCormick-Deering 10-20 bereichern die Sammlung, die jedem kleineren Technikmuseum zur Ehre gereichen würde.

Auf der anderen Seite sind es über 30 antike Stationärmotoren, die ehemals in der Landwirtschaft, in Mühlen und Sägewerken eingesetzt wurden, die Vater und Sohn aus dem Dornröschenschlaf erweckten. Die älteste Maschine ist ein stationäres Lokomobil, eine durch Dampf betriebene Kraftmaschine, der Firma Samuelson & Cie (Orleans) aus dem Jahr 1897. Zurzeit liegt ein ganz dicker Brummer zerlegt in der Halle. Es handelt sich ebenfalls um einen Stationärmotor, Model 11, der Firma Deutz, mit 40 Liter Hubraum und einem Gewicht von 6,5 Tonnen. Allein das dazugehörige Schwungrad wiegt schon drei Tonnen.

Zum einen ist der 63-Jährige von den Ergebnissen der Ingenieurskunst aus dem letzten Jahrhundert begeistert, die sich mit Zuverlässigkeit, Anspruchslosigkeit, und Robustheit auszeichneten. Zum anderen ist es der besondere Reiz, die alten und oft nicht mehr funktionstüchtigen Maschinen wieder zum Leben zu erwecken und so einen Teil Industriegeschichte zu erhalten.

Dafür ist ihm kein Weg zu weit, um Ersatzteile für die alten Vehikel zu bekommen, denn Glührohrzündung, Gasregler oder Reglerdämpfer sind gar nicht so einfach zu finden. Ihm ist auch keine Hürde zu hoch, die Ersatzteile selbst zu fertigen. Dafür hat er sich mit seinem Sohn einen Arbeitsplatz mit den nötigen Werkzeugmaschinen eingerichtet.

Bei den Landmaschinenfreunden tauscht man sich auch über Grenzen hinweg aus und hilft einander. Dann wird ein fehlendes Teil ausgeliehen, vermessen und nachgebaut. Es kommen schon etliche hundert schweißtreibende Arbeitsstunden zusammen, ehe die beiden ein Werk vollendet haben. Motor und Getriebe werden zerlegt, defekte Teile ersetzt, Bleche ausgebeult und gerichtet, alles braucht seine Zeit. Auf Authentizität und originalgetreue Instandsetzung legen die beiden Spezialisten besonderen Wert. Am liebsten hat es Hermann-Josef Göbbels wenn er in aller Ruhe allein schrauben kann. Dann kann er sich bei seiner Arbeit ganz entfalten.

„Mein Ziel ist es, möglichst viele Maschinen ans Laufen zu bringen“, beschreibt er seine Leidenschaft. Es knattert, rattert und raucht, als er mit einem Schwung eine alte Maschine, Deutz E3, anwirft, die auch gleich zum Leben erwacht und beim Besitzer ein zufriedenes Lächeln hervorzaubert.

Wenn Vater und Sohn bei Treckertreffen ihre Schätze der Öffentlichkeit und dem fachkundigen Publikum präsentieren können, kommt auch etwas Stolz mit ins Spiel über das Ergebnis langer Arbeit. Natürlich unterstützt die ganze Familie das Hobby.

„Wenn er in der Halle arbeitet, vergisst er Raum und Zeit“, sagt seine Ehefrau Katharina, die sich auch gar nicht sehr gewundert hätte, wenn er vor vielen Jahren im „Blaumann“ von der Arbeit an seinen Landmaschinen zur Trauung erschien wäre.

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