Martin Marquardt ist der 51. Ordensträger beim Lazarus Strohmanus

Von: ptj
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Senatspräsident Linus Wiederholt (r.) verleiht Martin Marquardt den Hexenturmorden. Foto: Jagodzinska

Jülich. Als 51. Träger des Hexenturmordens der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus zählt Martin Marquardt nunmehr zu „einer handverlesenen Gemeinschaft“. Die mit amüsanten Anekdoten gewürzte Laudatio hielt Vorgänger Klaus Schröder am Sonntag im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft mit ihrem traditionellen Vereidigungsprozedere.

Schröder und Marquardt verbindet eine „gemeinsame Leidenschaft“, nämlich die „alten Mercedes Ponton“. 1943 in Pommern geboren, musste der Ausgezeichnete im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb der Mutter zur Hand gehen, da sein Vater nicht aus dem Krieg heimkehrte. Seine Jugend verbrachte der Ordensträger in der ehemaligen DDR. Den Bauern merke man ihm laut Ehefrau Giny „heute noch manchmal an“. Seine „Cleverness“ bewies Marquardt als Lehrling zum Starkströmer, als er „14 Tage vor dem Mauerbau in Berlin Ende Juli 1961 ‘rüber machte“, um fortan mit seiner Familie in Essen zu leben, wo er auch seine Ausbildung beendete. „Weil er noch nie viel davon hielt, von anderen herumkommandiert zu werden“, ging er 1964 nicht zum Bund, sondern nach Berlin.

Dort heiratete er die Holländerin Giny, bekam mit ihr zwei Söhne, die ihm wiederum zwei Enkel schenkten. Wollte Marquardt von Berlin in den Westen, reiste er mit dem Flugzeug, die Familie fuhr mit dem Auto durch die ehemalige DDR. Anderenfalls hätte „man ihn einkassiert“, was für „Jülich in der Nachbetrachtung fatal gewesen wäre“, so Schröder.

1971 landete Marquardt in Jülich und über Umwege in der damaligen KFA und fing, heute undenkbar, ohne schriftlichen Vertrag im „Institut für Festkörperforschung“ als Elektrotechniker an. Bis 1979 war er im Labor tätig, dann bis 2001 als Lehrlingsausbilder. „Dieser ständige Umgang mit jungen Leuten hielt ihn fit, jung und dynamisch“. Zudem lobte Schröder Marquardts „leichtes, spontanes und lockeres Wesen“ und seine „liebenswerte und doch zielsichere kompromissbereite Art, die ihm viele Türen öffnete“.

Obwohl Kleingärtner mit eigener Laube im Nordpolder wurde Marquardt nicht Grüner, sondern trat 1971 als Bewunderer von Willy Brandt in die SPD ein. „3 x 11 Jahre“ war er SPD-Ratsmitglied und sachkundiger Bürger und zehn Jahre lang Vize-Bürgermeister. Heute ist er sehr aktiver Hobbyfunker, engagiert sich im Förderverein Festung Zitadelle und ist „ideenreicher“ Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Jülich.

Beispielhaft bezeichnete ihn der Laudator als „Lüfter der Südbastion“ und stellte ferner seinen jahrelangen Kampf zur Umbenennung des Kreises Düren in den Kreis Düren-Jülich oder sein Engagement zur Nutzung des „Schlusche-Dreiecks“ heraus. „Ideen entwickeln, etwas anschieben und dabei einfach nur Geduld haben, auch den Gegnern gegenüber“, so beschrieb Schröder das Lebensprinzip des neuen Hexenturmordensträgers, dem er eine seine geliebten „Havannas“ mitgebracht hatte.

„Hat die Ordensverleihung für mich eine zu große Dimension?“, hatte sich Marquardt gefragt, als die „Ordensverleihungsüberbringungsabordnung“ ihm ihre Absicht mitteilte. Ab sofort will er sich allerdings „keine kleineren oder größeren Verfehlungen mehr erlauben“, obwohl Präsident Heinrich Ningelgen ihn von diesem Versprechen entband.

Letzterer ehrte Kindergruppenleiter Wolfgang Erz und Schriftführer Ralf Bunse für 25 Jahre Treue. Ehrenmützen verlieh er ferner dem langjährigen Organisator des Kinderdreigestirns, Adi Hochhausen, „Gamaschenmacher“ Hermann Schall und „Hofschneiderin“ Erika Müller-Bong. Mit „Alaaf“ und „Jod Preck“-Rufen begrüßte die Gesellschaft das Jülicher Kinderdreigestirn: Prinzessin Lena und Prinz Tobias ( beide Rau), Bauer Philipp (Langen) und die beiden Pagen Hannah Marie (Rau) und Marius (Cremer). Zu guter Letzt spielte das Trommler- und Pfeifercorps Güsten auf.

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