Marc Breuer: Witzige Lifestyle-Geschichten und urkomische Zugabe

Von: ptj
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Mit frappierender Mimik und Gestik: Comedian Marc Breuer sorgt für mächtig Spaß in seiner Premiere „Ich hab‘ die Ruhe weg“. Foto: Jagodzinska

Jülich. Mächtig Spaß hatten die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Jülicher Kulturbahnhofs (KuBa) bei der Premiere des Solo-Gastspiels „Ich hab‘ die Ruhe weg“ von Comedian Marc Breuer.

Mit frappierender Mimik und Gestik und in geschmeidigen Bewegungsabläufen setzte der als „Löschmeister Josef Jackels“ aus dem legendären Rurtal-Trio“ bekannte Entertainer seine Beobachtungen im schnelllebigen Alltagsleben um – die er selbst nur zu gut kennt.

Breuer hat „eineinhalb Jahre Babypause mit allem Drum und Dran hinter sich“, begonnen mit der „unmenschlich harten Geburt – für die im Kreißsaal anwesenden Väter“. Neun Stunden lang verbrachte er dort auf einem Hocker ohne Rückenlehne - „eigentlich hätte ich die Rückenmarkspritze kriegen müssen“. Als einziger erziehender Vater weit und breit lernt er „perfektionistische Profi-Mütter“ und ambitionierte Erzieherinnen kennen und nimmt – sehr zur Freude des Publikums – das „pädagogisch Wertvolle“ auf die Schippe.

Seine Frau, die zumindest „ein bisschen Karriere“ macht, ist nicht nur „im Haushalt keine große Hilfe“. Mitten im Chaos von Terminen, Deadlines, E-Mails, Optimierungswahn, schreienden Kindern, schwangeren Meerschweinchen und defekten Spülmaschinen erwartet sie mehr Romantik und Aufmerksamkeit im Alltag. Marc B. fasst ein knallhartes Entschleunigungsprogramm ins Auge, zwischen Sauna-Zehner-Karte und dem neuartigen Gemüseabo, nach dem Motto „Weniger ist mehr“. So ist etwa „besser suboptimale Wellness als gar keine Wellness“ angesagt.

Im Übrigen handelt sein Publikum ganz richtig: „Kleinkunst am Samstagabend ist viel gesünder als Fernsehen“. Bevor der Comedian erste Entschleunigungsratschläge für die Pause gab, erkundigte er sich: „Gibt es Fragen zur ersten Halbzeit?“. Das überraschte Publikum stellte keine einzige.

Werbung für den FC Köln

Umso mehr Überraschungen winkten in der zweiten Hälfte. Der Entertainer klärte seine Zuhörer über Stimmungstricks beim Fernsehen auf. So werden zum Beispiel „busladungsweise applaudierfreudige Rentner aus der Eifel angekarrt. In der ersten Reihe sitzen nur junge, attraktive, erfolgreiche und trendy Leute, wie hier in Jülich. Direkt dahinter fängt das Elend an.“ Er ließ die lachende erste Reihe aufstehen, denn in einer Kleinkunstveranstaltung ist diese Platzwahl „immer sehr gefährlich“. Zu einer „Günter Jauch“-Persiflage bat er einen Zuhörer aus eben dieser Reihe auf die Bühne, der sich mit „Peter Willem Josef“ vorstellte. Dieser befand sich keineswegs „in Schockstarre“ und verblüffte seinerseits das Publikum mit einer ansprechenden Werbung für den 1. FC Köln, natürlich zur Freude der Köln-Fans.

Auf dem Weg, „sich dem modernen Leistungsdruck zu widersetzen“, bot Breuer aberwitzige Life-stylegeschichten rund um Internetshopping, Zahlenkombinationen für die „Starbucks“-Toilette und „Zalando“-abhängige Frauen. Auch die Eifersucht ist ihm nicht fremd: „Wenn der Johannes nicht aufhört zu baggern, greift seine Zahnbürste morgen früh ins Leere.“ Letztendlich schickt er seiner Frau eine „What‘s App-Botschaft mit sieben Herzchen“ und setzt sich dafür ein, „dass der Hochzeitstag wieder begangen wird – nicht nur durch eine Schweigeminute im Schlafzimmer“.

Nachdem er den durchgängigen feinen roten Faden seiner Show wieder aufgenommen hatte, empfahl er als Stress-Stopper nach Bud Spencer-Manier: „Futtetenne“ (Scheiß drauf).

Gemessen an den Applausstürmen des Publikums wurde Breuers Zugabe als „Josef Jackels“, Löschmeister der Freiwilligen Feuerwehr in Saffelen, allgemein als Höhepunkt empfunden. Der intelligenzmäßig nicht übermäßig ausgestattete Löschmeister mit Sprachfehler und Grammatikproblemen betrieb Nachwuchswerbung für die Blauröcke – Lachkrämpfe waren die unvermeidbare Folge.

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