Jülicher Land - Majestäten-Mangel plagt auch den Schützenbezirk Jülich

Majestäten-Mangel plagt auch den Schützenbezirk Jülich

Von: Antonius Wolters
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Gleichberechtigung bei der Brauchtumspflege: Welldorfs Schützenkönigin Andrea Oligslagers, begleitet von Christoph Gorontzi. Foto: Jagodzinska
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Christian Klems ist Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Jülich. Foto: Wolters

Jülicher Land. „Alle Bruderschaften haben Nachwuchsprobleme“, sagt Christian Klems, der als Bezirksbundesmeister des Schützenbezirks Jülich weiß, wovon er spricht. Klems ist nämlich der Sprecher von rund 3000 Schützenbrüdern und -schwestern, die in 25 Bruderschaften in der Stadt Jülich sowie den Gemeinden Titz und Aldenhoven organisiert sind.

Dazu kommt noch die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1756 aus Alsdorf-Hoengen, die noch Vorgänger und Vater Theo Klems im Frühjahr 1977 zum Wechsel in den Bezirksverband Jülich bewogen hatte.

Die Rundenwettkämpfe der Schützenteams sind aber nur ein Standbein im Vereinsleben, doch auch für den Schießsport gelte, so Klems, dass die Attraktivität und die Resonanz nachlasse. So veränderten sich die Teilnehmerzahlen vom Freihandschießen weg und hin zum Aufgelegtschießen.

Zwar werde versucht, durch den Einsatz von Lasergewehren schon Kinder ab sechs Jahren an den Schießsport heranzuführen, doch stünden die Bruderschaften hier in direkter Konkurrenz zu anderen Vereinen und attraktiveren Sportarten. „Da muss jemand hin, der sich um die Jungschützen kümmert“, lautet eine Empfehlung des 62-Jährigen, der dieses Amt auch schon inne hatte zu einer Zeit, als es in Welldorf noch 40 Jungschützen gab. Aber das ist lange her.

Ein Kernwettbewerb im alljährlichen Schützenkalender ist der Königsvogelschuss, bei dem die neuen Majestäten ermittelt werden, die die Bruderschaft ein Jahr repräsentieren. Doch auch das Amt von Schützenkönig, -königin, Prinz oder Schülerprinz bleibt immer häufiger verwaist, weil sich kein Bewerber findet. „Eine Bruderschaft muss für jeden offen sein“, sagt Christian Klems.

Das gelte auch für die Majestäten. Das Amt müsse sich jede(r) leisten können. Es gebe unterschiedliche Wege, wie das erreicht werden könne. Bei den St. Hubertus-Schützen Welldorf, wo Christian Klems – wie zuvor sein Vater Theo – Brudermeister ist, gebe es einen Förderkreis, der den Majestäten finanziell unter die Arme greift sowie einen Zuschuss der Bruderschaft. „Zudem nehmen wir die Leute an die Hand, um die vor Fallen zu bewahren“, erzählt Klems.

Der hat als schließlich als Schützenkönig die Amtsführung selbst schon erlebt und verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz, von dem künftige Bewerber profitieren sollen, damit die Kosten bei Leuten, die es nicht so dicke haben, tatsächlich nicht aus dem Ruder laufen. „Den Holzvogel herunter zu schießen“, sei demgegenüber „nicht das Problem“.

Beim Schützen-Nachwuchs kranke das Schießen eher daran, dass er im Grunde kein echter Mannschaftsport ist, auch wenn – etwa bei den Rundenwettkämpfen – Teams gegeneinander antreten. Der Schießsport ist indes nur ein Aspekt der Arbeit der Bruderschaften, die über den Bezirksverband dem Bund Historischer Deutschen Schützenbruderschaften angehören und sich den gemeinsamen Idealen Glaube, Sitte, Heimat verpflichtet fühlen. So hat es bis vor wenigen Jahren regelmäßig Einkehrtage gegeben, wo es in Glaubensfragen Orientierung gab. Nach dem Wegfall ist Klems froh, dass der neue Jülicher Propst Josef Wolf den Dialog mit den Schützen sucht und es bereits Treffen gab.

Gleichwohl konstatiert Klems in einzelnen Bruderschaften „verkrustete Strukturen“, die das Vereinsleben hemmen oder zum Erliegen bringen, wie es etwa bei den St. Sebastianus-Schützen Güsten der Fall ist, die nur noch auf dem Papier existieren.

Dass solch ein „ruhender Betrieb“ nicht das Todesurteil für eine Bruderschaft bedeuten muss, haben die St. Sebastianer in Mersch-Pattern bewiesen. Bei dem 1487 gegründeten Verein ruhte die Tätigkeit rund 50 Jahre, ehe 2006 13 Leute die Wiederbelebung schafften. Inzwischen verfügt die Bruderschaft wieder über weit mehr als 100 Mitglieder.

Auch der Bezirksverband hatte vor zwei Jahren Probleme, Ausrichter seiner alljährlichen Bezirksbundesfeste zu finden. Die seien zwar „ein Erlebnis für die ganze Bruderschaft“, aber auch mit finanziellen und organisatorischen Belastungen verbunden. So ist das Festprogramm inzwischen gestrafft worden, während für finanzielle Engpässe ein Feuerwehrfonds bereit steht, mit der Folge, dass die Feste bis 2020 vergeben sind. Es werde noch lange Schützenbruderschaften geben, glaubt Klems, wenn es gelinge, sich stetig den Bedürfnissen anzupassen und strukturell auf die Zukunft auszurichten.

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