Jülich - Mädchenfußball ist im Kreis Düren stark rückläufig

Mädchenfußball ist im Kreis Düren stark rückläufig

Von: Silvia Jagodzinska
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Schwitzen für die beste Technik: Ferientraining der Mädchen-A-Jugend auf dem Kunstrasenplatz in Welldorf-Güsten. Foto: Jagodzinska
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Die Mädchen-B-Jugend schaffte es ins Achtelfinale um den Mittelrheinpokal. Foto: Jagodzinska

Jülich. Schwitzen in den Ferien: Sieben A-Jugend-Fußballerinnen trainieren mit ebenso vielen Bällen auf dem Kunstrasen des SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten vor der kommenden Saison. Trainiert werden Schießen, Passen, Dribbeln, Hackenstoß sowie Lauf- und Sprungtechniken mit und ohne Ball auf Koordinationsleitern und ungleichmäßig aufgebauten Slalomstrecken mit abschließendem Torschuss.

Zur Verbesserung der Antrittsgeschwindigkeit plant Trainer Willibert Weber ein Zusatztraining „die Stufen der Sophienhöhe hinauf“.

Zur Gruppe A zählen 16 Mädchen, die aus Ameln, Barmen, Kirchherten, Koslar, Höllen, Jülich und Stetternich stammen – einige sind in Urlaub. Weitere 19 gehören zur Gruppe B, die sich für den Mittelrheinpokal qualifiziert und es ins Achtelfinale geschafft hat. WeiSieben bis acht Mädchen trainieren in den jüngeren Altersklassen bei den Jungs mit.

Für sie wünscht sich Weber ein zusätzliches geschlechtsspezifisches Extra-Training. „Obwohl die Frauen Welt- und Europameister sind beziehungsweise waren und seit vielen Jahren ganz oben in der Weltspitze mitspielen, wird der Mädchenfußball auf Kreisebene noch ziemlich stiefmütterlich behandelt, und das in anderen Kreisen noch mehr als im Kreis Düren“, betont Weber. Dass er selbst vor vier Jahren begann, Mädchen zu trainieren, ist allerdings purer Zufall, es wurde schlicht ein Trainer gesucht.

Worauf konzentriert sich der Trainer eines Mädchenteams? „Wir müssen viel mehr mit dem Ball arbeiten. Bei Jungen geht es mehr um Feinschliff, die wachsen mit dem Ball auf. Wir fangen bei Null an, hier ist wesentlich mehr Techniktraining nötig“, geht Weber ins Detail. Wird im Frauenfußball weniger gefoult, laufen die Spiele weniger aggressiv ab? Das bestätigt Weber ohne Zögern, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Angefeindet werde sich eher verbal, geben die Mädchen gerne zu. Wie sind sie überhaupt zum Fußball gekommen? Einige wurden „vom Bruder gezwungen“, und haben dann Spaß an der Sache bekommen. Fünf Spielerinnen der A-Jugend haben schon als Bambini mit den Jungs trainiert und sich langsam empor gearbeitet.

„Mein Vater findet das richtig gut, dass ich Fußball spiele, meiner Mutter ist es wichtig, dass ich Sport treibe“, sagt die 16-jährige Julia Kreutz. Neben den Grün-Weißen in Welldorf-Güsten bieten im Altkreis Jülich die Spielgemeinschaften Jackerath-Opherten, Viktoria Koslar und Gevenich/Körrenzig Fußball für Mädchen an. Zu der Entwicklung des Mädchenfußballs im Kreis Düren sagt Wolfgang Dembsky, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses und Frauenbeauftragter im Fußballkreises Düren: „Mädchenfußball im Kreis Düren ist im Moment sehr stark rückläufig.“ In der Hochzeit spielten 33 Mädchenmannschaften in der Saison 2011/12.

Das habe wahrscheinlich auch an der DFB-Aktion Team 2011 gelegen, bei der für jede neu gegründete Mädchenmannschaft neben kleinen Preisen auch ganze Trikotsätze an die Vereine ausgegeben wurden, die neue Mannschaften zum Spielbetrieb angemeldet hatten. Trotz aller Versuche des Fußballkreises Düren, verstärkt in die Schulen zu gehen und dort Schul-AGs zu gründen, habe dies keine großen Erfolge gebracht.

Seit dem Jahr 2010 schicke der Fußballkreis seine FSJler in die Schulen. Zurzeit nehmen zehn Grundschulen die Angebote an. Hier sei besonders der Bereich Jülich sehr erfolgreich. Mit den Grundschulen Jülich-West (Koslar) und Jülich-Süd (Promenadenschule) ist der Fußballkreis eine Kooperation eingegangen und bietet dort AGs an. Weiter ist er am Gymnasium Haus Overbach in Barmen und in der Kindertagesstätte des Forschungszentrums in Jülich mit FSJlern tätig. Auch in der GGS Aldenhoven gibt es eine Schul-AG.

„Leider finden nur wenige Mädchen den Weg zu den Vereinen. Hier sollte seitens der Klubs mehr Unterstützung gewährt werden. Auf Grund der zurückgehenden Zahlen der Mannschaften passiert es sehr oft, dass wir den Mädchenfußball nur zusammen mit anderen Kreisen anbieten können“, sagt Dembsky. Im vergangenen Jahr hätten die Mädchen aus dem Kreis zum Beispiel in allen Altersklassen mit dem Kreis Rhein-Erft zusammengespielt. Natürlich seien dann die weiten Fahrten ein Hindernis, das aber im vergangenen Jahr angenommen worden sei.

„In dieser Saison wurden wir gebeten, nur noch kreisinterne Altersklassen zu spielen“, sagt Dembsky. Wegen der gesunkenen Zahl von Mannschaften werden die Mädchen in diesem Jahr zum Teil sechs Runden austragen, das heißt, die Mannschaften spielen bis Saisonende im Mai 2015 sechs Mal gegeneinander.

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