„Made in Jülich” beeindruckt den Bundespräsidenten

Von: Volker Uerlings
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Der Bundespräsident klopft beim Nobelpreisträger an: Horst Köhler kam am Mittwoch der Einladung von Professor Peter Grünberg nach, ihn einmal bei der Arbeit zu besuchen. Daraus wurde natürlich eine Stippvisite in der größten deutschen Forschungseinrichtung. Foto: Schiffer

Jülich. Ein privates Treffen wäre ihnen sicher lieber gewesen. Aber Nobelpreisträger Professor Peter Grünberg hatte Bundespräsident Horst Köhler schließlich in sein geliebtes Labor im Forschungszentrum Jülich eingeladen, an den Arbeitsplatz also. Das Staatsoberhaupt beließ es dabei am Mittwoch nicht und stattete der größten europäischen Einrichtung dieser Art im Stetternicher Forst einen Besuch ab.

Am Ende war Horst Köhler sehr beeindruckt: „Die Forscherinnen und Forscher bringens einfach.” Trotz aller Sicherheitsauflagen des auf die Sekunde geplanten zweistündigen Aufenthaltes blieben Grünberg und Köhler ein paar Minuten, um ungestört miteinander zu sprechen. Der Forscher berichtete nachher, dass er gespürt habe, dass „der Herr Bundespräsident” nicht so sehr an der Physik, sondern mehr an der gesellschaftlichen Relevanz der Forschung interessiert gewesen sei.

Das Staatsoberhaupt nahm neben dem Labor des Nobelpreisträgers zwei weitere Beispiele für Spitzenforschung „made in Jülich” in Augenschein. „Und das ist weltweit einzigartig?” fragte er den nickenden Professor Claus M. Schneider, als er die Apparatur eines „Nano-Cluster-Tools” erblickte. Es erlaubt feinste Messungen bis in die atomaren Schichten und ist so empfindlich, dass bereits das Motorgeräusch eines Lastwagens vor der Tür die Ergebnisse verfälschen kann.

Während diese Arbeit eventuell erst in Jahren brauchbare Ergebnisse - zum Beispiel in Computer-Prozessoren - liefert, sind die Untersuchungen an einem „Hirnschrittmacher” im Institut von Professor Peter Tass greifbarer. Die gezielte Neuro-Stimulierung könnte an Parkinson erkrankten oder unter Tinnitus (Hörsturz) leidenden Menschen spürbar helfen. Horst Köhler: „Man ist in der Lage, diesen Krankheiten etwas entgegenzusetzen. Davon könnten Millionen Kranke profitieren.”

Diese Beispiele waren dem Bundespräsidenten wichtig. „Ich bin beruhigt, hier ist etwas Gutes da.” Mit dieser Erkenntnis sei er in der Lage, für die Unterstützung von Spitzenforschung zu werben. Besonders beeindruckt war der höchste Repräsentant der Republik vom „Selbstvertrauen der Forscher. Man merkt, da ist einfach Kompetenz.”

Nach der Begrüßung an der Seite des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel (Düren) und von Bürgermeister Heinrich Stommel hatte der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums, Prof. Achim Bachem, Horst Köhler über die Arbeit seiner Einrichtung „mit unserem Nobelpreisträger” informiert. Der Bundespräsident forderte anschließend die Forscher in Jülich auf: „Sagen Sie mir, wos klemmt. Oder schreiben Sie mir.”

Ende einer präsidialen Dienstreise: Kurz nach 13 Uhr bestieg Köhler seine Ingolstädter Karosse und brauste samt Kolonne nach Nörvenich, wo ein Flugzeug wartete.
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