Lutz Görner lässt Multitalent Liszt lebendig werden

Von: ptj
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Lutz Görners Hommage an Franz Liszt
Lutz Görners Hommage an Franz Liszt geriet zu einem romantischen Klavierabend vor beeindruckender Kulisse. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Sie können Liszt verpassen, aber wenn Sie Liszt verpassen, haben Sie etwas verpasst.” Das sagt Rezitator Lutz Görner, der sich im 50. Jahr seines Bühnenlebens dem Jahrhundertgenie Franz Liszt widmet - zu dessen 200. Geburtstag.

Wenn er in seiner Tournee „Lust auf Liszt” macht, steht der als Solist bekannte Rezitator nicht alleine auf der Bühne: Görner stellt sich sogar hinter die begnadete Konzertpianistin Elena Nesterenko, die alle Liszt-Kompositionen ohne Noten wunderbar ausdrucksstark mit fliegenden Händen, beweglichem Körper und verklärtem Gesicht zu Gehör bringt.

Vor rund 300 Zuhörern aus seiner Jülicher Fangemeinde boten Görner und Nesterenko im PZ der Zitadelle einen Klavierabend für alle Sinne vor eindrucksvoll beleuchteter Kulisse.

Wer war Liszt? Nach Bekunden Görners der „größte Pianist, den es je gab”, für den „Musik das Atemholen der Seele war”. Liszt erfand den Klavierabend, das moderne Dirigieren, die sinfonische Dichtung, aufkommende nationale Musikstile und die impressionistische Musik. Ferner war er Komponist und Kapellmeister, Buchautor und Journalist, Wohltäter, Frauenliebling und Revolutionär.

Obwohl glühender Katholik, der im reiferen Alter „niedere Weihen” empfing, lebte er unter anderem mit der verheirateten Gräfin Marie d Agoult sechs Jahre lang in wilder Ehe. Tochter Cosima, eine der drei „Früchte der verbotenen Liebe”, heiratete später Liszt-Freund Richard Wagner. An Stelle seines Namens stand in Liszts Pass: „Durch Berühmtheit hinlänglich bekannt”.

Spitzenverdiener

1811 als Kind österreichischer Eltern im ungarischen Raiding geboren, trat das Multitalent bereits als Neunjähriger öffentlich auf. Nur acht von seinen 74 vollendeten Lebensjahren zählte sein Virtuosenleben „in Saus und Braus” mit über 1000 öffentlichen Auftritten. Liszt verdiente nach Schätzung Görners über 100 Millionen Euro, von denen er 60 Millionen spendete.

Gestenreich und mit ausgeprägter Mimik ließ der einfühlsame Rezitator Liszts erfolgreiche, romantische und gleichzeitig tragische Lebensgeschichte in ausgesuchten Passagen vor den Augen und Ohren der Zuhörer lebendig werden.

Der jeweiligen Situation immer in Ausdruck und Sprachniveau, äußerer Haltung und Sprachtempo - bis hin zur Atemlosigkeit - angepasst, rezitierte er überwiegend frei und warf nur hin und wieder einen Blick auf sein Konzept. Dann glitten wieder Nesterenkos Finger über die Tasten des Bechstein-Flügels und vollendeten Görners Ausführungen.

In der Komposition „Consolation” spürte der Zuhörer die Tröstung, die Liszt nach dem Tod seines Vaters 1827 ausdrückte, hört das Glöckchen in „La Campanella” klingen oder ließ sich verzaubern von den Wasserspielen der Villa dEste. Görner filmte Nesterenkos behändes Spiel mit einer Live-Kamera aus verschiedenen Perspektiven und spiegelte das Bild für die Zuschauer in einem Bilderrahmen der Bühnenkulisse.

Mit seiner angenehmen Bariton-Stimme sang Görner zur Liszt-Vertonung „Das Wunder der Liebe”: „Oh lieb, solang du lieben kannst...”, und sprach damit Liszt nach der Trennung von Marie dAgout aus der Seele. Die „Ungarische Rhapsodie” umrahmte das Bühnenprogramm: Teil 2 eröffnete in zwei Teilen den romantischen Klavierabend, mit dem „Finale furioso” neigte er sich dem Ende zu.

Auf den donnernden Applaus des Publikums folgte eine „Applausgeschichte” als Zugabe, in der sich Landsmännin Janka Wohl detailliert daran erinnerte, wie Franz Liszt von „einer fanatisierten Zuhörerschaft akklamiert wurde”.

Die Ankündigung der frenetisch beklatschten Interpreten gab Anlass zu mehr begeistertem Applaus: Görner und Nesterenko wollen in ihren weiteren Programmplänen bei „Liszt bleiben” und sich einer Biografie des Genies über seinen Freund Chopin widmen.

Die Konzertpianistin wird Chopin spielen, was sie sogleich begeisternd unter Beweis stellte. Geplant ist ein weiterer Auftritt im Jubiläumsjahr in der Herzogstadt: am 12. August in der Schlosskapelle.
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