Jülich - Lutheraner erfasst Herrlichkeit der Natur

Lutheraner erfasst Herrlichkeit der Natur

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Führung im Museum Zitadelle: Schirmer verband die Landschaftsmalerei mit biblischen Szenen. Foto: Daniela Mengel-Driefert

Jülich. Johann Wilhelm Schirmer (1807 - 1863) wuchs in Jülich auf, war Protestant und entwickelte sich vom Buchbindergesellen zum bedeutenden Landschaftsmaler und Kunstpädagogen. Er wurde Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie und Gründungsdirektor der Badischen Kunstschule in Karlsruhe.

In einer öffentlichen Führung im Museum Zitadelle Jülich erläuterte Bernhard Dautzenberg, Angestellter des Museums, die religiöse Seite J. W. Schirmers und seiner Kunst. Der Titel der Veranstaltung lautete „Unterwegs-Naturbegegnungen als Gotteserfahrung“.

Es war der zweite Teil einer Veranstaltungstrilogie im Rahmen eines ökumenischen Projektes zum 150. Todestag J. W. Schirmers. Die Museumsführung startete im Pulvermagazin mit Bildbetrachtungen der Ausstellung „Des Wunderbaren in Menge...“.

Katholisch und besetzt

„Elternhaus, protestantische Gemeinde, Jülich und Umgebung prägten Schirmer“, sagte Bernhard Dautzenberg und stellte zunächst die Einflüsse auf die Entwicklung des Landschaftsmalers heraus.

„Jülich war Anfang des 19. Jahrhunderts besetztes Gebiet und überwiegend katholisch.“ Schirmer selbst war Lutheraner. Wälder und Auen rahmten damals die Stadt noch ein. Der Buchbinder-Sohn Schirmer unternahm Ausflüge in die Umgebung und widmete sich Naturbetrachtungen. „Dabei beschäftigte er sich nicht nur mit der schönen Oberfläche, das wäre zu kurz gedacht“, erklärte Dautzenberg.

Die Herrlichkeit der Natur inspirierte und beeindruckte ihn in besonderer Art und Weise , er sah in ihr das Wirken Gottes. Seine Eindrücke hielt er in Skizzen fest und trug sie schließlich in Bildern zusammen.

Das Gemälde „Waldkapelle“ zeigt zum Beispiel einen ausladenden Baum im Zentrum. Unter seinem Kronendach befindet sich eine Kapelle. Davor sieht der Betrachter einen Fluss, der als Fluss des Lebens gedeutet wird. Hinter dem Baum leuchtet Licht, das direkt aus der Kapelle zu kommen scheint.

Mit der Naturerfahrung verbindet Schirmer ein religiöses Erlebnis. „Doch muss nicht in jedem Werk ein religiöser Bezug zu finden sein“, betonte Dautzenberg. In seinem Spätwerk integrierte Schirmer biblische Szenen in die Landschaftsmalereien.

Ein Beispiel ist der „Tageszeitenzyklus“. Hier verbindet der Maler Landschaften mit der Geschichte des “Barmherzigen Samariters“. Schirmer erreichte mit diesen Bildern den Höhepunkt seiner Kunst“, erläuterte Dautzenberg und führte die Gruppe im Anschluss zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Colour and Reduction“ des britischen Malers Chris Billington in der Schlosskapelle.

Der moderne Maler interpretierte 15 Gemälde Schirmers neu mit ausdrucksstarken Farben und durch radikale Reduktion der Formen.

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