Lohnerhöhung ist eine „schwierige Gratwanderung”

Von: Guido Jansen
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Die 770 Angestellten im öffen
Die 770 Angestellten im öffentlichen Dienst haben jetzt mehr Geld zur Verfügung. Ihre Arbeitgeber, die Kommunen, nicht. Foto: imago

Nordkreis. 770 Angestellte im öffentlichen Dienst freuen sich über mehr Geld. Bei den fünf Kommunen Jülich, Aldenhoven, Titz, Linnich und Inden hält sich die Freude in Grenzen. Sie müssen die Gehaltserhöhung bezahlen, auf die sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaften am Wochenende und nach zahlreichen Warnstreiks verständigt hatten.

„Mit so viel haben wir nicht gerechnet”, sagten die Vertreter der fünf Kommunen am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung einstimmig. 3,5 Prozent mehr Geld bekommen die Angestellten im öffentlichen Dienst rückwirkend zum 1. März.

Im kommenden Jahr erhöht sich das Gehalt noch zwei Mal, so dass die Angestellten am Ende 6,3 Prozent mehr Geld bekommen. Für jede der finanziell angeschlagenen Jülicher Kommunen bedeutet das ein Problem. „Das ist eine schwierige Gratwanderung”, sagte Lothar Tertel, der Aldenhovener Bürgermeister. Einerseits sei die Erhöhung im Zuge der Fürsorgepflicht verständlich.

Auf der anderen Seite steht die desolate Haushaltslage in Aldenhoven, das zu den am tiefsten verschuldeten Gemeinden im Land zählt. Bei 140 Angestellten im öffentlichen Dienst kommen auf das hoch verschuldete Aldenhoven 160.000 Euro Mehrausgaben in diesem Jahr zu.

2,5 Prozent eingeplant

Die Kommune hatte sich in ihrem Haushaltsplan nach den so genannten Orientierungsdaten gerichtet, die eine Lohnerhöhung von einem Prozent vorgeschlagen hatten. Die Stadt Jülich hat anders gerechnet und 2,5 Prozent mehr Geld für die insgesamt 350 Angestellten eingeplant als im Vorjahr.

12,6 Millionen Euro kosten die Gehälter jetzt insgesamt. Dass Jülich noch einen Prozent nachzahlen muss, sorgt für keine große Sorge bei Richard Schumacher, dem Leiter des Haupt- und Personalamtes. Schließlich gelten die 3,5 Prozent Erhöhung erst ab März. „Auf das Jahr umgerechnet macht das 2,91 Prozent”, rechnete Schumacher vor. „Wir liegen also nicht mal ein halbes Prozent tiefer.” In konkreten Zahlen bedeutet das Mehrausgaben von 63.000 Euro.

Seinen Etat für die Angestellten ebenfalls um mehr als den empfohlenen einen Prozent erhöht hat Titz. Mit derer zwei hat die kleinste Kommune im Nordkreis kalkuliert. 25 Angestellte hat die Gemeinde.

Inden hat 66 Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, muss 3,36 Millionen Euro an diese zahlen. Jetzt kommen noch einmal Mehrausgaben von 117.000 Euro auf die Kommune zu. „Bei einem Haushaltsloch von über zehn Millionen Euro macht das auch keinen Unterschied mehr”, sagte Kämmerer Alexander Horst mit ironischem Unterton in der Stimme.

Mit Blick auf die Finanzen sprach auch Horsts Kämmerer-Kollege in Linnich, Hans-Josef Corsten, von einem Problem. 90 Angestellte hat Linnich. Diese kosten etwa 3,8 Millionen Euro. Darin war ein Prozent Mehrausgaben eingerechnet.

Plus 70.000 Euro, die jetzt mit der Lohnerhöhung noch auf die Gemeinde zukommen. „Auf unsere Haushaltsprobleme kommt immer noch ein zusätzliches Schippchen drauf”, so Corsten. „Das vergrößert unser Defizit. Damit wir das bezahlen können, müssen wir zusätzliche Kredite aufnehmen.”
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