Literaturkurs lädt zum Rundumschlag im Märchenwald

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Geldrausch im Märchenwald. Der Streit um den Mammon führt das „Happy End” in eine Katastrophe.

Jülich. Ein anstrengendes Schuljahr geht für die fünf Literaturkurse des Gymnasiums Zitadelle zu Ende. Vier Produktionen wurden mit großem Erfolg in der Stadthalle gezeigt. Seinen Abschluss fand der „Literatur-Marathon” jetzt mit einem selbst erarbeiteten Stück, an dem zwei Kurse mit insgesamt 50 Schülerinnen und Schülern unter Leitung von Pedro Obiera beteiligt waren.

An zwei Abenden brodelte es im Märchenwald. Etliche beliebte Figuren der Gebrüder Grimm fristeten ihr Dasein im fantasievoll ausgemalten Wald und hätten glücklich miteinander leben können, wenn nicht ein böser Tyrann das Volk bis aufs Blut aussagen würde.

Doch die Märchenwaldbewohner vereinigten sich zum Widerstand, besiegten das Monster schließlich, verarbeiteten es in einem Fleischwolf zu Buletten und erlebten ein orgiastisches „Happy End”, bis sich die Festgesellschaft im Streit um die Reichtümer des verblichenen Monarchen gegenseitig umbrachte. Am Ende geistert der Schatten des Unterdrückers über die Bühne und das Märchen könnte von vorn beginnen.

Schneewittchen, Hänsel und Gretel, der Froschkönig und die Prinzessin, Dornröschen, Aschenputtel, Rotkäppchen und der Wolf, die „gestiefelte Katze” und Rumpelstilzchen: Fast alle bekannten Figuren waren versammelt.

Der selbst erstellte Text lebte von teilweise schroffen Wechseln romantischer Bilderbuchklischees, realistischer Brutalität und satirischer Überspitzung. Den Kontrasten wurde durch ein multimedialer Mix von Schauspiel, Tanz und viel Musik Rechnung getragen. Dabei gab es auch drei selbst komponierte und live gesungene Songs zu hören.

Die Bindung an die Grimmschen Vorlagen wurde stets bewahrt, auch wenn sich die Figuren etwas moderner artikulierten. Aschenputtel und Gretel träumen von einer Model-Karriere, Hänsel hat mit Suchtproblemen und in seinen Rauschzuständen mit hexenhaften Horror-Trips zu kämpfen, Schneewittchen lässt sich in entwaffnender Naivität von den Zwergen auf den Strich schicken. Rumpelstilzchen und seine Freundin Rumpeline zocken als muntere Kobolde und Gehilfen des Monarchen die Gesellschaft zusätzlich ab.

Trügerische Idylle

Zu sehen war eine bunte und schnelle Folge kurzer, bisweilen simultan ablaufender Szenen von großer Abwechslung. Dabei wurde jede Figur sorgfältig charakterisiert, und der reibungslose Ablauf des inhaltlich leicht verständlichen, dramaturgisch aber komplizierten Stücks erforderte eine intensive, detailgenaue Einstudierung in Abstimmung mit raffinierten Lichteffekten und zahlreichen Musikeinblendungen, die die Stimmung teils unterstrichen, teils eine trügerische Idylle vortäuschten.

Die vielen Rollen wurden von den Zitadellen-Schülern lebendig und anrührend bis urkomisch gespielt, die nicht leicht zu inszenierenden Massenszenen beeindruckten durch ihre Dynamik und Präzision. Abgerundet wurde das zweistündige Stück durch stimmungsvolle Bühnenbilder und originelle Kostüme.

Trotz der geschlossenen Gesamtleistung verdienen Liesa Felser und Tobias Ogrzewalla ein besonderes Kompliment. Liesa Felser übernahm den Großteil der fantasievollen und vitalen Regie und gefiel auch noch in zwei Rollen. Und Tobias Ogrzewalla, der ebenfalls mitspielte, organisierte sicher und umsichtig den gesamten technischen Apparat.
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