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Linnicher Grundschüler Fans der Mundart-Kolumnen

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
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Die heimische Mundart wie eine Fremdsprache vermittelt bekommen: Die Klasse 4b der Grundschule Linnich beschäftigt sich im Unterricht auch mit den Kolumnen des Herrn Jedönsrat.
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Karl-Heinz Schumacher aus Aldenhoven, besser bekannt als der Herr Jedönsrat

Linnich. Neben dem Fach Englisch befassen sich die 22 Mädchen und Jungen der Klasse 4b der Grundschule Linnich mit einer weiteren „Fremdsprache“: Wenn es gerade zum Thema passt, beschäftigt Klassenlehrerin Marianne Coers ihre Schützlinge im Fach Deutsch mit dem Wesen der heimischen Mundart.

„Die Kinder sollten Mundart mitbekommen“, sagte die Pädagogin bei einem Besuch in der Klasse, die es zudem „sehr schade findet“, dass viele Eltern kaum noch „Platt“ sprechen können.

Schülerin Liss, die für diesen Tag ganz freiwillig die Übersetzung eines Mundart-Textes vorbereitet hat, befindet sich da in einer weitaus günstigeren Position: Sie stammt von einem Bauernhof und hat Großeltern, die im Zweifel die Bedeutung unbekannt klingender Vokabeln noch vermitteln können.

In der Tat funktioniert der Umgang mit der Mundart ähnlich wie bei einer Fremdsprache: Die Grundschüler lesen Texte vor, fassen einzelne Passagen oder den gesamten Inhalt zusammen oder üben, indem sie aus Mundart-Begriffen neue Sätze bilden.

Dass auf diese Weise einmal die pointierten Gedanken unseres Mundart-Kolumnisten Karl-Heinz Schumacher (KHS), besser bekannt als der Herr Jedönsrat, Stoff für den Schulunterricht abgeben würden, hätte sich der Künstler und Frisör aus Aldenhoven wohl nicht träumen lassen.

Und das kam so: Bereits zum zweiten Mal hat die 4b im November vergangenen Jahres Texte zur Gedenkfeier in Linnich anlässlich der Pogromnacht geliefert, bei der auch die Synagoge in dem kleinen Städtchen an der Rur zu Schaden kam. Im Vorfeld entspann sich ein Briefwechsel mit der deutsch-israelischen Journalistin und Autorin Inge Deutschkron, die mit ihrer Stiftung das Ziel hat, insbesondere der jün­geren Generation über den Ge­schichtsunterricht hinaus Informationen über die Schrecken des Nationalsozialismus in Deutschland zu vermitteln, um dem Wiederaufleben rechtsra­dikaler Tendenzen entgegen­zuwirken, junge Menschen zu Toleranz und Zivilcourage zu ermutigen und darüber hinaus das Andenken an die soge­nannten „Stillen Helden“ wach zu halten. Bekannt wurde die 91-Jährige auch durch eine Rede, die sie vor einem Jahr vor dem Deutschen Bundestag hielt.

„Jüdde send schold?“

„Den Brief von Inge Deutschkron hüte ich wie meinen Aug­apfel“, hebt Marianne Coers die Bedeutung des Schriftwechsels mit Deutschkron hervor, deren bekannte Autobiographie „Ich trug den gelben Stern“ in Auszügen am 6. November an der ehemaligen Linnicher Synagoge vorgetragen wurde. Dazu passend hatte der Herr Jedönsrat seine Kolumne „Dä Jüdde send schold ?“ verfasst, die am 9. November erschienen ist. „Das haben wir gerne gelesen“, lobt Marianne Coers neben der Verwendung der Mundart auch den Inhalt der Schilderung, die sich während der NS-Zeit zugetragen hat und bei der es unter anderem um „jüddische Kenger en dä Schöll“ geht. Deren Schicksal interessierte die 4b besonders.

Lobende Worte und eine Dankeskarte erhielt die Klassenlehrerin später von KHS, dessen Kolumne sie weiterhin gerne einsetzt, wenn es passt. So widmete sich die Klasse etwa „Dä Nikolaus us Engelsdörp“ und ist schon ganz gespannt, was der Herr Jedönsrat rund um die Karnevalstage zu erzählen hat.

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