Linnicher Glasbild wird in Berlin versteigert

Von: Antonius Wolters
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Museumsleiterin Miriam Wierschowski vor Campendonks Glasfenster „Auferstehung Christi“, das am Mittwoch online versteigert wird. Foto: Wolters

Linnich. Die große Ausstellung „Kristalline Welten. Die Glasgemälde Heinrich Campendonks“, haben mehr als 3000 Besucher zwischen Anfang April und Ende September im Linnicher Glasmalerei-Museum bewundert.

Auf Wunsch von Museumsleiterin Myriam Wierschowski haben zwei Leihgeber die für die Kölner Kirche St. Kolumba bestimmten großformatigen Glasfenster dem Museum über das Ausstellungsende hinaus zur Verfügung gestellt. So sind das Weihnachtsfenster („Christi Geburt“) und Osterfenster („Auferstehung Christi“) aktuell auf Museumsebene 4 zu sehen.

„Mir blutet das Herz“, sagt Myriam Wierschowski, denn ein vorzeitiges Ende einer Ausleihe ist abzusehen: Campendonks vierzehnteiliges Glasfenster „Auferstehung Christi“ wird am Mittwoch um 18 Uhr vom Berliner Auktionshaus Auctionata in der Livestream-Auktion „Impressionismus & Klassische Moderne“ online versteigert. Somit kann die Auslieferung des Anfang der 1940er Jahre für St. Kolumba entworfene Fensters, das die Glasmalereiwerkstatt Wilhelm Derix in Düsseldorf-Kaiserswerth ausführte, wohl erst im Januar erfolgen. Der Startpreis von 100.000 Euro erscheint dabei geradezu als Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass der Auktionsrekord für ein Gemälde des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk (1889-1957), der Anschluss zur Künstlergruppe „Blauer Reiter“ fand, mehr als 2,6 Millionen Euro beträgt.

Ab 1923 wirkte Campendonk als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Essen, 1926 erfolgte die Berufung als Professor für Glasmalerei, Wandmalerei und Mosaik an die Kunstakademie in Düsseldorf. 1934 emigrierte Campendonk über Belgien nach Amsterdam. Aus dem Exil erlebte er die Diffamierung seiner Bilder als entartete Kunst. Seine Arbeiten sind geprägt von einer strengen geometrischen Formensprache und bewegen sich zwischen Kubismus, Expressionismus und Futurismus.

Als Schätzpreis für das gläserne Kunstwerk gibt Auctionata 200.000 Euro an. Der Preis ergebe sich aus den letzten Auktionsergebnisse für Werke Campendonks – echte und nicht echte – sagt Luisa Elster, Sprecherin des Auktionshauses.

Bei der heutigen Versteigerung vor laufender Kamera kann das etwa 3x4 Meter große Glasfenster, das sich in einem sehr guten Zustand befindet, zwar nicht in der Auktionshalle am Kurfürstendamm präsentiert werden, aber eine Video-Einspielung und viele Detailfotos sind vorbereitet.

Auktionata, das ansonsten vorwiegend Gemälde versteigert, hat nach Worten Elsters erstmals ein Glasgemälde im Angebot. Als Interessenten für das außergewöhnliche Kunstwerk werden institutionelle Käufer wie Museen und Sammler erwartet, die sich auf Glasmalereien spezialisiert haben. Welcher Preis dabei zu erzielen ist, wagt Elster nicht vorherzusehen: „Nach oben ist alles möglich“, meint sie nur vielsagend.

Das eindrucksvoll umgesetzte Auferstehungsmotiv gehört zur geplanten Fensterverglasung der Ostwand von St. Kolumba in Köln, wo neue Glasmalereien die von Bombenangriffen zerstörten Fenster ersetzen sollten. Zwei Fenster wurden zwar in den Jahren 1941 bis 1944 von Heinrich Campendonk entworfen und in der Werkstatt Derix fertig verglast, sind aber nie in der Pfarrkirche eingebaut worden, da diese im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde.

In der Ausstellung „Kristalline Welten. Die Glasgemälde Heinrich Campendonks“ wurde das gesamte Fensterprogramm gezeigt: Weihnachts- und Osterfenster in fertiger Verglasung, die übrigen vier in Form der erhaltenen Entwurfkartons, die schon für sich kleine Kunstwerke darstellen.

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