Linnicher Andreasmarkt wird Opfer der Witterung

Von: Otto Jonel
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„Ich mache hier die Arbeit der Stadt“, meinte dieser Händler. Wasser schieben war vor etlichen Ständen nötig, um trockenen Zugang zur Auslage zu schaffen. Foto: Jonel

Linnich. Vom Sturm, der in der Nacht übers Land brauste, war der Linnicher Andreasmarkt 444 Jahre nach seiner Premiere als Pferde- und Viehmarkt verschont geblieben – nicht so von der nachfolgenden Regenfront. Es regnete ausgiebig auf Linnich herab. Und das blieb nicht ohne Auswirkung.

„Da wärst du besser auf der Couch geblieben“, rief ein Aussteller dem Betreiber des Nachbarstandes zu. Der Angesprochene nickte schweigend und schicksalsergeben. Andere hatten genau das augenscheinlich getan. Die Reihen der Stände waren in diesem Jahr alles andere als geschlossen. Überall klafften Lücken, und manche Abschnitte blieben völlig unbesetzt. Eklatant waren die Ausfallserscheinungen auf dem Place de Lesquin. Von den üblichen Großgeräteausstellern trotzte bestenfalls die Hälfte dem Wasser von oben dem dem Schlamm unter den Traktorreifen. Dass im dritten Jahr in Folge von Pony, Klein- oder Reitpferd keine Spur zu finden war, dürfte diesmal angesichts des „Sauwetters“ kein Bedauern ausgelöst haben.

Was für die Zahl der Stände galt, ließ sich am Montag uneingeschränkt auf die Andreasmarktbesucher übertragen. Im Gegensatz zum Regen war hier kein Strömen, allenfalls ein Tröpfeln zu registrieren. Nur an wenigen Stellen rückten die Marktbesucher so eng zusammen, dass die aufgespannten Regenschirme kollidierten.

Und noch eines brachte der Andreasmarkt 2015 überdeutlich zu Tage: Es ist mehr als höchste Zeit, dass die Rurstraße saniert wird. Auf der uneinheitlichen und von Schlaglöchern durchsetzten Fahrbahndecke staute sich das Wasser dermaßen, dass die Standbetreiber im Dauereinsatz Wasser schöpfen und schieben mussten, um den Flanierenden einigermaßen trockenen Zugang zu den Auslagen zu verschaffen. Ungeachtet dessen war immer dort was los, wo ein glühendes Getränk den Körper erwärmte und ein Unterstand zumindest eine kurze „Trockenzeit“ versprach.

Von all diesen Unbilden blieben die Gäste des traditionellen Empfangs im Rathaussaal verschont. Vielleicht noch eine Spur herzlicher und inniger fiel in diesem Jahr die Begrüßung der Freunde aus der Partnerstadt Lesquin aus, „weil es gerade jetzt keine Selbstverständlichkeit ist, dass Sie hier sind“, erinnerte Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker an den Terrorakt in Paris vor wenigen Wochen. „In den Stunden und Tagen nach dem Anschlag waren wir auch wegen unserer langjährigen Freundschaft zu Ihnen in Lesquin mit unseren Gedanken und unserer Anteilnahme eng mit unseren französischen Nachbarn verbunden.“

Lesquins Bürgermeister Danny Wattebled bedankte sich für das Mitgefühl. Es sei tröstlich, in schweren Zeiten Freunde an seiner Seite zu wissen.

Die Anschläge wirkten indes immer noch nach. Wie Petra Wellmann, Dolmetscherin und Französischlehrerin an der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich, erzählte, wurde aktuell die geplante Reise von Schülern aus Lesquin nach Linnich „von ganz oben“ abgesagt.

„Le Maire“ nahm die Gelegenheit wahr, seine deutsche Amtskollegin zu ihrer Wahl zur Ersten Bürgerin Linnichs zu beglückwünschen. Schmunzelnd wünschte er ihrer Amtszeit sinnbildlich immer Wind in den Segeln.

Marion Schunck-Zenker hatte am Ablauf des Empfangs recht wenig geändert. Mehr Stehtische und weniger Reden sollten den Vertretern von Behörden, Politik, Wirtschaft und Vereinen Zeit und Raum geben, ins Gespräch zu kommen. Die Reise durch das Jahr in einer Powerpoint-Präsentation verlegte die Bürgermeisterin ins Glasmalerei-Museum, wo der kulinarische Teil des von der Gelsenwasser Niederrhein gesponsorten Empfangs stattfand.

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