Linnich geht in die Wartehäuschen-Offensive

Von: ojo
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Völlig open air sind die beiden gegenüber liegenden Bushaltestellen am Rathaus (Vordergrund) und an der ehemaligen Polizeischule. Buswartehäuschen sollen dort den Passagieren ein wenig mehr Komfort und Wetterschutz bieten. Foto: Jonel

Linnich. Ein Dach überm Kopf zu haben, weiß jeder zu schätzen, der einmal bei Wind und Wetter oder unter sengender Sonne im Freien auf den Bus gewartet hat. Nicht alle Haltestellen nämlich sind mit einem Unterstand oder einem Wartehäuschen ausgestattet. Und wenn, dann mit teils dramatischen qualitativen Unterschieden. Im Linnicher Stadtgebiet beispielsweise reicht die Bandbreite von Licht durchfluteten und mit bequemen Sitzschalen ausgestatteten Wartehallen über gemauerte Wartehallen bis hin zu „Blechbüchsen“ ohne Sitzgelegenheit.

Die Stadt Linnich geht jetzt in die Wartehäuschen-Offensive, beflügelt von einem Förderprogramm, das mit einer 85-prozentigen Förderung von Maßnahmen zur Erneuerung von Bushaltestellen lockt. Im Werksausschuss wurde eine umfassende Aufstellung aller Haltestellen präsentierte, mit Vorschlägen, was gemacht werden könnte. Den Auftrag dazu hatte das Ingenieurbüro Gietemann erhalten.

Untersucht hatte Dipl.-Ing. Alwin Gietemann über 40 Haltestellen. Bevor er im Einzelnen auf der Ausstattung einging, entspann sich im Ausschuss eine angeregte Diskussion, was man denn alles in den Förderantrag packen könne. Volker Tissen (CDU) plädierte nachdrücklich dafür, es nicht nur bei den Wartehäuschen zu belassen, sondern Haltestellen so zu ertüchtigen, dass bei tiefbordigen Bussen ein niveaugleicher Einstieg möglich ist. Das bedeutet aber, dass bauliche Maßnahmen notwendig sind, um eine angehobene Plattform für die Fahrgäste zu schaffen.

Gietemann hielt diesen Vorschlag für sehr sinnig. „Wenn Sie einmal in dem Förderprogramm sind, kommen sie auf Jahre wohl nicht mehr in eine neue Förderung hinein.“

Dennoch blieben noch einige Unwägbarkeiten zu klären. Wie Gietemann betonte, habe er sich auftragsgemäß ausschließlich auf die Wartehäuschen-Problematik konzentriert. „Da bin ich mit meiner Aufstellung jetzt schon bei 300.000 Euro.“ Flankiert wird diese Aufstellung von 180.000 Euro, die im städtischen Haushalt eingestellt sind, wie Beigeordneter Hans-Josef Corsten ergänzte. Bauliche Maßnahmen an den Haltestellen würde auf diese Summe noch aufgesattelt.

Da aber greift ein Hinweis von Hans-Friedrich Oetjen (SPD), der sich „ziemlich sicher“ war, dass die Fördersumme gedeckelt sei. „Wir müssen vor dem Förderantrag klären, ob der eine Priorität vorgibt.“ Wenig günstig wäre es schließlich, wenn die Maßnahmen nach Reihenfolge gefördert würden, bis die Mittel erschöpft sind. Eine Abstimmung mit dem Zuschussgeber dürfte eigentlich kein Problem sein, meinte Gietemann beruhigend.

Unter dem Vorbehalt dieser Prüfung stimmte der Ausschuss das „Wunschkonzert“ (O-Ton Oetjen) an. Beantragt wird erst einmal alles; später wird abklopft, was tatsächlich umgesetzt werden soll/kann. Mit dem einstimmigen Votum des Werksausschusses sagte Gietemann die Beantragung der Fördermittel bis zum Stichtag 31. März zu.

Bei einigen Wartehallen besteht besteht keine Notwendigkeit, etwas zu ändern. Die Unterstände an der Post in Linnich und gegenüber an der Stadthalle beispielsweise sind top in Ordnung. Ähnliches gilt für die Wartehallen in Boslar an der Weinbergstraße und der Vikariestraße, die neueren Datums sind. Bei anderen reicht eine Sanierung. Die ist aber nicht immer förderfähig wie bei dem gemauerten Wartehäuschen in Ederen an der Post Richtung Welz. Die Erneuerung des Daches wird die Stadt aus eigener Tasche bezahlen müssen. Selbst manche Wellblechkonstruktion ist nach Ansicht des Ingenieurs technisch noch so weit in Ordnung, dass ein neuer Anstrich und eventuell eingebaute Sitzbänke schon eine ausreichende Aufwertung bedeuten.

Fast überall schlägt der Fachmann die Installation neuer, abklappbarer Abfallkörbe vor. Es sei nicht ratsam, den Abfall, wie gesehen, per Hand aus dem Drahtkorb zu klauben.

Das komplette Programm erfahren die Haltestellen, an denen heute noch kein Häuschen steht. Prominenteste Standorte sind die am Rathaus und gegenüber and er ehemaligen Polizeischule. Letztere soll nicht nur eine Wartehalle erhalten. Weil dafür auf dem Bürgersteig der Platz fehlt, soll der Parkstreifen davor eingezogen und ein Buscup eingerichtet werden. Der Bus hält dann auf der Fahrbahn. Vor dem Rathaus entstünde dadurch ein kleiner Vorplatz, denn viele Ausschussmitglieder als Aufwertung betrachten. Nicht überall ist Ausbau angedacht. Bei Erzelbach und Ivenhain etwa bleibt‘s open-air.

Frohe Kunde schließlich, auf die die Floßdorfer gespannt gewartet haben: Das ungeliebte Steinhäuschen an der Landesstraße soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

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