Linnich: Eine Stadt geht auf Grundstückssuche

Von: Otto Jonel
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Zwischen der Südgrenze Linnichs und dem Nachbarort Rurdorf sähe die PKL gerne bald ein neues Baugebiet der Kernstadt. Die Begeisterung der ­übrigen Ratsfraktionen ist eher gedämpft. Foto: Jonel

Linnich. Wie klingt das? „Hottorf ist der aktuelle Siedlungsschwerpunkt der Stadt Linnich.“ Irgendwie gewöhnungs-, auf jeden Fall aber erklärungsbedürftig. Tatsächlich ist Hottorf zurzeit der Stadtteil mit dem zahlenmäßig stärksten Angebot an Baugrundstücken.

13 sind dort frei. Wer sich mit Hottorf nicht anfreunden kann, hätte noch die Wahl zwischen fünf Grundstücken in Welz. Und das war‘s. Linnichs Kapazität an freien Baugrundstücken ist ausgereizt. Selbst das Körrenziger Neubaugebiet „Wiemersberg“, dem man wegen der Windkraftanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft ein Ladenhüterdasein prophezeit hatte, ist ausgebucht. Von Linnichs mit 51 Grundstücken größtem Neubaugebiet ganz zu schweigen. Alle besetzt.

Vor diesem Hintergrund kommt eine Initiative der PKL-Fraktion im Rat der Stadt eigentlich goldrichtig. „Durch das IHK (Integriertes Handlungskonzept) wird unsere Stadt sicherlich an Attraktivität gewinnen und eine gesteigerte Nachfrage bei potenziellen Bauherren hervorrufen“, argumentierten die Freien Wähler und beantragten „zeitnah die Erschließung beziehungsweise Erweiterung des Neubaugebietes zwischen Linnich und Rurdorf zu planen“.

Beidseits der Landesstraße 228 ist noch reichlich Platz. Städteplanerisch würde einer Ausdehnung der Kernstadt Richtung Rurdorf sogar Sinn ergeben. Derzeit bilden zwei jüngere Wohngebiete – das Römerviertel aus den 90er Jahren und das Alumnat – die Südgrenze der Stadt. „Hier ließe sich mit geringem Aufwand Wohnland zur Verfügung stellen“, folgerte Marc Dremel (PKL).

Bedarf an Bauland ist unstrittig

Aber nichts ist so gut, dass nicht irgendwo ein Aber drin steckte. Hier wäre es die Eigentumsfrage. Von der 28 Hektar umfassenden Potenzialfläche gehören der Stadt gerade mal 8000 Quadratmeter plus ein paar landwirtschaftliche Wege. Da müsste die Stadtentwicklungsgesellschaft in Vorleistung gehen, wie Dietmar Schwindt (Piraten) im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt überlegte.

Unstrittig sei der Bedarf an Bauland, meinte auch SPD-Fraktionschef Hans-Friedrich Oetjen, insofern stimme er dem PKL-Vorstoß zu. „Aber was heißt ‚zeitnah‘?“, hätte er das Zeitfenster zur Baulandentwicklung schon gerne konkreter. In diese Kerbe schlug auch „Cato“ Hilfert (Grüne), der noch eine Reihe anderer unbekannter Größen ausgemacht hatte. „Wir kennen den Bedarf nicht. Außerdem ist unklar, ob Wohnhaus oder Wohnungen notwendig sind.“ Bevor man sich auf eine Fläche festlegt, wollte geprüft werden, „wo es weitere gibt“. Und die Verwaltung sollte unbedingt einen Fachmann von „Faktor X“, einem ressourceneffizienten Bauen, zu einem Vortrag einladen.

Noch stärker trat CDU-Fraktionschef Achim Grün auf die Euphoriebremse. „Das ist ein Schnellschuss aus der Hüfte“, qualifizierte er den PKL-Antrag ab. „Hier müssen noch ein paar Hausaufgaben gemacht werden“ – etwa die Untersuchung anderer möglicher Baulandflächen im Stadtgebiet. Und daraus müsste ein Gesamtkonzept entwickelt werden, ergänzte Parteikollege Torsten Chalak.

Aus dem konkreten PKL-Antrag wurde letztlich ein umfassendes Auftragsprojekt. Die Verwaltung soll nun „zeitnah“ die Erweiterung von Neubaugebieten planen und ein Gesamtkonzept, angereichert mit einer Prioritätenliste, erstellen. „Alle werden mir Recht geben, dass wir irgendwann auf diese Grundstücke zurückkommen“, konnte sich Dremel einen säuerlichen Kommentar zum eigenen Antrag nicht verkneifen.

Spätesten dann ist Hottorf seine schwere Bürde als Bauland-Hoffnungsträger der Stadt Linnich wieder los.

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