Leser sehen den Jülicher Zoo mit anderen Augen

Von: ptj
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Interessantes Anschauungsmaterial: Zootierpfleger Henry Fischer (r.) lässt die Leser Geweihe berühren, die Dam- oder Rotwild abgestoßen haben. Foto: Jagodzinska
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Erdmännchen sind Publikumslieblinge im Jülicher Zoo: Die Kinder genießen es, die putzigen Tierchen selbst mit Mehlwürmern zu füttern. Foto: Jagodzinska
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Innige Begrüßung des Tierpflegers durch die Wolfswelpen. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Das ist mal eine ganz andere Perspektive, ein viel intensiveres Wahrnehmen der Tiere“ – so lobte Heike Schumacher aus Inden die abendliche Spezialführung für 20 Leser unserer Zeitung, darunter einige Kinder, durch den Brückenkopf-Zoo.

Tierpfleger Henri Fischer lieferte seinen Gästen nicht nur detaillierte Informationen und beantwortete ihre Fragen, er hatte auch einige Überraschungen zum Anfassen vorbereitet. Nicht zuletzt nahm er sich nach einem langen Arbeitstag bei hochsommerlichen Temperaturen reichlich Zeit. Auch nach einer aufschlussreichen, zwei Stunden dauernden Führung erfüllte er noch Wünsche. Wie erwartet, waren die handaufgezogenen Wolfswelpen das Highlight.

Als „einmaliges Experiment“ nahm Fischer in Begleitung eines Lesers die beiden Polarwolfswelpen an die Leine und führte sie zur Besuchergruppe aus dem Wolfsgehege hinaus. Rufe der Entzückung wollten nicht enden. Die Gäste streichelten das weiche Welpenfell und nahmen sogar den ein oder anderen Kratzer beim wölfischen Begrüßungsritual in Kauf. „Ein Hund ist erziehbar, ein Wolf nicht. Ein Wolf macht, was er will. Er ist knallhart und ehrlich. Das ist das Schöne“, betonte der Zootierpfleger. Die schon fast zärtliche Beziehung zwischen Fischer und den Welpen ist deutlich spürbar. Es ist auch in Fischers 30 Berufsjahren das erste Mal, dass er eine Handaufzucht „erleben darf“. Damit könne man „hervorragend arbeiten“, etwa, wenn Medikamente verabreicht werden müssen. Aber: „Das große Problem bei Handaufzuchten ist, die Wölfe verlieren den Respekt vor dem Menschen. Das ist das Gefährlichste, was es gibt.“ Während die natürlich aufgewachsenen 13-jährigen Fähen Distanz zum Menschen halten, suchen Handaufzuchten den Kontakt. Den will Fischer natürlich trotz des Risikos so lange halten, wie es geht. Die Zusammenführung der Jung- und Alttiere in ein Gehege ist in der laufenden Woche geplant, der Kontakt am Gitter sei bisher „superfreundlich“.

Etwas zum Anfassen gab es auch am Damwild- und am Rotwildgehege, wo es ebenfalls Jungtiere zu sehen gab. Allerdings mit größerem Abstand, denn das Wild hatte sich wegen der Hitze in den Schatten zurückgezogen. Fischer hatte abgestoßene Geweihe in allen Größen gesammelt, vom „Spießer“ über die „Halbschaufel“ das Damwildes bis hin zum „Sechsender“ des Rotwildes, und reichte sie gerne herum. Obwohl der Zoo sich „einheimische Tiere auf die Fahne geschrieben hat“, gibt es auch vor Eröffnung des geplanten Känguru-Geheges Ausnahmen. Eine ist das aus Asien stammende Damwild, das durch Jäger nach Deutschland gelangte. Der weiße adulte (ausgewachsene) Damhirsch ist kein Albino: „Eine Rasse wird über Jahrhunderte gezüchtet. Da ist durch eine Kreuzung mal Weiß reingekommen“, sagte Fischer. Im Übrigen „blutet es ohne Ende, wenn das Geweih abfällt“.

Als Dauermagnet erweisen sich die Erdmännchen, die einzelne Besucher mit Mehlwürmern füttern durften. „Wenn man hinschaut, sind sie eklig, sonst aber nicht“, beurteilte Moritz (8) das Lebendfutter. Die Kleinraubtiere sind nicht nur putzig. Außerdem hat die Erdmännchen-Familie mit schwangerem Weibchen unlängst „zwei weibliche Tiere rausgebissen“. Die Mobbingopfer mussten separiert werden, ihre Verlegung in einen anderen Zoo steht bevor.

Beim Rundgang warfen die Gäste einen Blick auf das neu gestaltete Zwergziegengehege mit tiefer gelegtem Besucherkontaktbereich. Abschließend schlug Fischer noch einen Rundgang durch das „Haustiergehege“ vor und kam gerne dem Wunsch eines Jungen nach, die Luchse zu besuchen.

Im Gespräch mit den Besuchern stellte sich Fischer problemlos auch kritischen Fragen. Auf den Stress der Tiere beim „Sternenzauber“ angesprochen, bezeichnete er die Wirkung des Feuerwerks auf die Tiere als „dramatisch“, währen das Herbstleuchten für sie kein Problem sei. „Gewitter spüren die Tiere vorher und können sich zurückziehen. Feuerwerke spüren sie nicht voraus“.

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