Lesepaten in der Bibliothek: Ehrenamtler, wie sie im Buche stehen

Von: ptj
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Monatliches Coaching im Lesecafé der Stadtbücherei: Hier stellt Monika Hentschel das Buch „Frerk, du Zwerg“ vor. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich mache das so gerne, weil man so viel zurückbekommt. Kinder sind fasziniert, wenn ihnen vorgelesen wird“. Außerdem habe das Vorlesen „schulvorbereitenden Charakter und fördert das Deutschlernen“. So begründen vier der 22 Lesepaten der Stadtbücherei zusammengefasst ihre Motivation, in der städtischen Einrichtung ehrenamtlich als Lesepaten tätig zu sein. Weil die Stadt nicht über genügend Mittel verfügt, „könnte die Stadtbücherei (ohne Ehrenamtler) viele Aktionen gar nicht leisten“, sagt Mitarbeiterin Gaby Lamersdorf.

Beispiele sind der zeitaufwendige Sommerleseclub oder dessen „kleine Schwester“, das „Herbstschmökerteam“. Seit vier Jahren treffen sich die Lesepaten einmal monatlich zum Coaching. Ganz neu im Team ist der einzige Mann, der 27-jährige Nicolas Sommer, der im Forschungszentrum arbeitet und an seiner Doktorarbeit schreibt. Als Coach fungiert die Lese- und Literaturpädagogin Monika Hentschel, die neue Literatur vorstellt und Tipps gibt, sie zu vermitteln. Die Lesepaten sind ganz Ohr, wie schwer es beispielsweise „Frerk“ aus dem Buch „Frerk, du Zwerg“ mit seiner Mutter hat, die „gegen alles allergisch ist, was Spaß macht“. Grundvoraussetzung für einen Lesepaten ist natürlich, dass er gerne liest. So sind als Antwort auf die Frage nach der Motivation auch Sätze zu hören wie: „Das Lesen als solches ist meine Motivation.“ Oder: „Die Leseförderung liegt mir am Herzen. Mit der Auswahl der Bücher können wir auch einen gewissen Einfluss nehmen.“

In der Lesepatenschaft geht es natürlich nicht nur um das eigentliche Vorlesen. Das Bilderbuchkino in der Stadtbücherei ist ebenfalls beliebt: „Das genaue Hingucken hat einen ansteckenden Charakter. Auch das ist ein Beitrag zur Sprachförderung“. Ferner rege die Bildbetrachtung die Fantasie an, und die Kinder nehmen die nachträgliche Vertiefung des Themas als Anregung mit nach Hause. Die Motivationsbegründungen wollen kein Ende nehmen. Keiner aus dem Leseteam hat sein Engagement je bereut, die „Anfahrtskosten kann man verschmerzen“, wie die zumeist fitten Seniorinnen betonen. Vom Lesepatenprogramm erfahren haben die Ehrenamtler aus der Zeitung, durch Mund-zu-Mund-Propaganda, oder sie waren früher schon beruflich mit der Einrichtung verbunden. Ferner biete der Kreis Düren ein Lesepaten-Seminar an. Den Grundstein gelegt haben Edda Koch und Renate Grossmann vor fast acht Jahren.

Wie oft lesen die Paten in der Bücherei? Das ist ganz unterschiedlich. Durchschnittlich einmal im Monat, bei Sonderaktionen der Bücherei kann es auch zweimal wöchentlich sein. „Man trägt sich in eine Liste ein und wählt aus, was man machen möchte.“ Laut Ursula Lésar investieren die jeweils zwei Vorleser rund zwei Stunden in die Auswahl der Lektüre und die Besprechung der Art der Vermittlung. Die Leseaktion als solche mit Nachbesprechung wird ebenfalls auf zwei Stunden geschätzt. Fünf Paten lesen zudem nicht nur in der Stadtbücherei, sondern auch in Senioren- oder Fördereinrichtungen, sind also höchst engagierte Ehrenamtler.

Dem ganzen Team am gestrigen Tag des Ehrenamtes einmal Dank und Anerkennung zu zollen, lag Stadtbüchereileiterin Mirka Reef sehr am Herzen.

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