Lehrstück ohne erhobenen Zeigefinger

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Themen wie Gewaltbereitschaft, Mobbing und sprachliche Verarmung bei Jugendlichen behandelt das Theaterensemble „Zwischendrin” mit dem Stück „Eins auf die Fresse” an sechs Abenden im KuBa. Foto: Veranstalter

Jülich. „Meinste, Matze sitzt in der Hölle?”, fragt Minnie. Lucy kontert: „Quatsch! ´ne Hölle gibt´s auch nicht.” Dies sieht Minnie anders: „Doch, die Schule ist die Hölle.” Sah Matze etwa seinen Suizid als einzigen Ausweg, um diesem irdischen Fegefeuer zu entkommen?

Themen wie Gewaltbereitschaft, Mobbing und sprachliche Verarmung bei Jugendlichen spricht das Theaterensemble „Zwischendrin” mit seinem neuen Stück „Eins auf die Fresse” des Autors Rainer Hachfeld an und reflektiert damit die Lebenswirklichkeit vieler Kinder und Jugendlicher. Beleidigungen bestimmen die Anrede untereinander, da ist „Schwein” noch die harmloseste. „Ein krasses Beispiel, wie Sprache verkommt”, meinen die jungen Schauspieler.

Die Positionen scheinen klar verteilt: Lucy Kunewski (Jaci Lüttgen) als fiese Bandenchefin, die mit Hilfe von Marie-Luise „Minnie” Blohme (Mirjam te Laak) die restlichen Jugendlichen unter Druck setzt, insbesondere Neuschülerin Svenja Sommerland (Hannah Richardy). Wird Leon Schmitt (Sebastian Reinartz) Farbe bekennen und offen für Svenja Stellung beziehen? Welche Rollen spielen Frau Erbach (Annegret Neubauer), die Mutter des toten Matze, und Lehrer „Ratze” Ratzenauer (Phillip Czichowski)?

Lebendiges Theater verspricht „Zwischendrin” mit „Eins auf die Fresse”. Die Aufführung kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, verspricht aber dennoch, lehrreich zu sein, erklärt Sebastian Reinartz. Für die sechsköpfige Theatertruppe zwischen 16 und 18 Jahren um Regisseurin Sonja Wirtz bedeutet das Schauspiel eine besondere Herausforderung. „Weil man so sein kann, wie man sonst nie ist”, erklärt Lucy, die im wirklichen Leben auf den Namen Jaci hört.

Krimimäßig ist das Ganze aufgezogen, nicht nur wegen des kriminellen Hintergrundes, sondern auch wegen der verwickelten Beziehungen zueinander. Oberflächlich scheinen die Rollen klar verteilt, doch wie Handlungsträger tatsächlich zueinander stehen, bleibt lange unklar. So bringt das Ende so manche Überraschung.
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