Lehrschwimmbäder Koslar und Welldorf werden geschlossen

Von: Guido Jansen
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Ein Foto für die Geschichtsbücher? Das Welldorfer Lehrschwimmbecken kurz nach der Deckensanierung im November 2011 bei der Wiedereröffnung. Nun soll es geschlossen werden. Foto: Uerlings

Jülich. Dass Bürgermeister Heinrich Stommel zu Beginn einer Ratssitzung folgende Worte spricht, ist nicht selbstverständlich. „Das hier ist eine Ratssitzung. Beifall oder Buhrufe sind nicht gestattet“, sagte er zu Beginn am Donnerstag.

Denn wenn sie gedurft hätten, wären die vielen Zuschauer laut geworden, als der Rat nach über 100 Minuten Diskussion mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen hat, die Lehrschwimmbecken in Koslar und Welldorf zu schließen. Viele Bürger aus den Stadtteilen, die jetzt kein Lehrschwimmbecken mehr haben, waren in den Ratssaal gekommen und gingen mit der Erkenntnis nach Hause, dass die Mehrheit der Meinung ist, dass die Stadt sich beide Becken nicht mehr leisten kann.

„Sie schreiben heute negative Geschichte“, sagte Jül-Fraktionsvorsitzender Heinrich Frey vor der Abstimmung in Richtung der großen Jülicher Koalition aus CDU und SPD. „Sie schlagen da die Türe zu, wo Bürger sich engagieren wollen“, spielte Frey auf die Bereitschaft vieler Welldorfer Bürger an, das Bad mit Geld und Arbeitskraft zu erhalten. Der Welldorfer Jül-Mann Christian Klems hatte zuvor an genau dieses Engagement erinnert.

Lambert Schmitz antwortete für die CDU. „Wir sehen, dass in Welldorf viel geleistet wird. Aber dieses Becken ist ein Fass ohne Boden“, sagte er. Nach Berechnungen seiner Fraktion könnte die Stadt in sechs Jahren bis zu einer Million Euro einsparen, wenn Koslar und Welldorf geschlossen werden und stattdessen die nicht ausgelasteten Bäder in Linnich und Titz sowie das Jülicher Hallenbad genutzt werden. „Und das, ohne dass die Schwimmstunden für die Schüler signifikant weniger werden“, fügte Schmitz hinzu.

Zustimmung kam aus dem Lager des Koalitionspartner SPD. Die Zeiten seien vorbei, in der es sich jede Kommune leisten könne, alle Angebote vorzuhalten, sagte Harald Garding. Stattdessen könne man funktionierende Einrichtungen in den Nachbarkommunen unterstützen. „Wir sparen so Geld, das wir bitter brauchen“, fügte Garding hinzu.

„Sie haben nicht richtig gerechnet“, entgegnete Frey ob der vorgebrachten Einsparmöglichkeiten. Bis zu 85.000 Euro pro Jahr könne der Transport der Kinder in andere Gemeinden inklusive Eintrittsgelder kosten. In eine ähnliche Kerbe schlug Jürgen Laufs von den Grünen. „Hier soll auf der Grundlage, dass wir nicht genau wissen, was der Transport kostet, eine Entscheidung gefällt werden.“ Schul-Dezernentin Katarina Esser führte aus, dass die Stadtverwaltung für den Transport der Kinder eines Standortes in eine andere Kommune Fahrtkosten von 60.000 Euro pro Jahr errechnet hat.

CDU-Mann Marco Johnen erinnerte an die Haushaltslage der Stadt. „Alle fordern: Wir müssen sparen. Wenn es dann aber konkret wird, dann fallen alle um“, sagte er in Richtung Jül.

Vier Anträge lagen am Ende auf dem Tisch: Die Jül wollte beide Becken weiter betreiben, die Grünen machten sich für eine kostengünstige Sanierung in Welldorf stark, die Verwaltung sprach sich für eine Schließung nur in Welldorf aus. Mit 22:14 Stimmen setzte sich die große Koalition mit den Stimmen der FDP gegen Jül und Grüne durch, beide Bäder dicht zu machen.

Heinrich Frey kündigte für seine Fraktion an, ein Bürgerbegehren zu prüfen, mit dem die Entscheidung aufgehoben werden kann. Den vorläufig letzten Antrag zum Thema Lehrschwimmbecken stellte Jürgen Laufs. Es war der Auftrag an die Stadtverwaltung, zeitnah zu prüfen, wo und wie der Schwimmunterricht gewährleistet werden kann. Erstmals in der Becken-Debatte gab es breite Zustimmung. Das galt auch für den Vorschlag, mit den Stadtwerken über eine Ertüchtigung oder den Neubau des Hallenbades zu sprechen.

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