Lehrer Klocke setzt Maßstäbe in Aldenhoven

Von: Antonius Wolters
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Experimentierfreudig und nach eigenen Worten jemand, der „die Dinge gern selbst in die Hand nimmt“: Stefan Klocke. Der Chemielehrer aus Aldenhoven wurde von der Helmholtz-Gesellschaft ausgezeichnet. Foto: Wolters

Aldenhoven. Der Helmholtz-Preis für besonders engagierte Projektbetreuung im Wettbewerb Jugend forscht – Schüler experimentieren hat Stefan Klocke von der Käthe-Kollwitz-Realschule Aldenhoven zwar sehr gefreut, doch Gratulationen wehrt der 45-jährige Pädagoge zunächst ab: „Die Schüler erledigen die Hauptarbeit“, gibt er alle Komplimente an seine Schützlinge weiter, denn er wirke in dem Prozess rund um ein Projekt eher wie ein Katalysator.

Das Vokabular kommt nicht von ungefähr, denn Klockes „Herz schlägt für die Chemie“. Daneben unterrichtet er noch Mathematik und Informatik, was ihn als Lehrer mit einer sehr begehrten Fächerkombination ausweist. An der Aldenhovener Realschule hat er vor 17 Jahren seine erste Stelle angetreten. „Wir versuchen zu retten, was zu retten ist“, wertet er das Auslaufen der Schule, die der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich geopfert wird, als Ergebnis des Zugs der Zeit. Die Eltern hätten mit den Füßen abgestimmt und damit gleichzeitig das Ende der Realschulen in Aldenhoven und Linnich besiegelt.

Auf die Frage, wie er persönlich mit dem Auslaufen der Käthe-Kollwitz-Realschule umgeht, antwortet der kommissarische Konrektor der Schule vieldeutig: „Ich bin jemand, der Dinge gerne selbst in die Hand nimmt“.

Wohl nicht in der Hand hat Klocke den für die Sommerferien geplanten Zusammenzug von Haupt- und Realschule im Hauptschulgebäude an der Schwanenstraße. Er hätte es als sinnvoller erachtet, wenn die Gesamtschule an die Schwanenstraße gewechselt wäre, wo nun separate Räume für Leitung und Kollegium der Realschule geschaffen werden müssten.

In der Realschule sind diese Funktionsräume seit dem Einzug der Gesamtschule bereits doppelt vorhanden. „Ich muss alles zurücklassen und meinen Raum aufgeben“, bedauert der 45-Jährige überdies den Verlust des gut ausgestatteten Chemiesaales. Da in der Hauptschule keine anorganische Chemie auf dem Lehrplan steht, ist der dortige Fachraum kleiner und zudem schlechter ausgestattet. „Ich mache einen Rückschritt“, bedauert der engagierte Pädagoge, dass auch hier ein Umbau erfolgen müsse.

Dass auslaufende Schulen bei der Bezirksregierung als Bildungseinrichtungen zweiter Klasse behandelt werden, musste er zuletzt erleben, als die Unterrichtsverteilung für das nächste Schuljahr abgeschlossen war. Vorgesehene Lehrkräfte für die Fächer Deutsch und Biologie sollen aus Aldenhoven abgezogen werden. Das tangiert neben dem Konrektor Klocke auch den Vater Stefan, dessen Tochter Juliana die siebte Klasse der Käthe-Kollwitz-Realschule besucht.

Kinder als „Rohdiamanten“

Hier hat der Pädagoge schon viel erlebt, von der PCB-Sanierung über einen Brand bis hin zu zwei Wasserschäden, die das Gebäude praktisch zu einer Dauerbaustelle gemacht haben. Immer mittenmang: Stefan Klocke, der beispielsweise bei einer Besichtigung durch den Aldenhovener Schulausschuss die infernalischen Baugeräusche demonstrierte, die den Unterricht in den Containerklassen erschwerten, wo er mit den Schülern die Geräuschkulisse dokumentiert hatte.

Wissbegier und Experimentierlust der Schülerinnen und Schüler kommen dem Pädagogen auch bei der Arbeit für den Wettbewerb Jugend forscht entgegen. „Ich sehe die Kinder als Rohdiamanten“, lautet seine Einschätzung, die nur den richtigen „Schliff“ brauchten. Damit meint er ein gewisses Grundgerüst an Regeln und Verhaltensweisen der Schülerschaft, das im Unterricht angezeigt ist.

Nachdem Tochter Juliana in der Grundschule Koslar sehr erfolgreich am Wettbewerb „Schüler experimentieren“ (bis Klasse 8) teilgenommen hatte, war das für den Chemielehrer die Initialzündung, auch mit den Realschülern die Teilnahme an dem Wettbewerb oder an Jugend forscht (ab Klasse 9) ins Visier zu nehmen. Klocke hat dann auch viele Schüler gefunden, die mitmachen wollen.

Von zehn Projekten, die von einem bis drei Schülern umgesetzt werden, bleiben erfahrungsgemäß drei bis fünf Teams übrig. „Entscheidend ist die Grundidee“, sagt Klocke, der darauf achtet, dass sich die Nachwuchsforscher machbare Projekte vornehmen. So ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, mehrere zweite Plätze und viele dritte Plätze beim Regionalentscheid zu erlangen. Für das Erreichen eines ersten Platzes fehlt ihm die Elternarbeit, die er hier für unabdingbar hält.

Ein positives Feedback haben Lehrer und Schülergruppen bei örtlichen Unternehmen erlebt, die gerne bei der Umsetzung bestimmter Experimente behilflich waren. Im Einzelfall war das später ein Sprungbrett für die Berufsausbildung oder einen Job. Zudem ließ Klocke sein Netzwerk spielen, das bis ins Forschungszentrum Jülich reicht.

„Es ist spannend, was Kinder leisten“, nennt der 45-Jährige als Beispiel das Experiment von Drittklässlern, die herausfinden wollten, welche Zahnpasta am besten bleichen kann. Um das testen zu können, waren zunächst Kieselsteine mit Tee oder anderen Flüssigkeiten eingefärbt worden, deren Belag anschließend mit den diversen Zahnpasten mehr oder weniger gut entfernt worden ist.

Doch Klocke ist bei Jugend forscht nicht allein auf das Fach Chemie fixiert: „Ich bin offen für alles“, standen auch schon ein elektronischer Butler und eine 3D-Brille bereits auf der Agenda. Mit zu einem Projekt gehört es auch, die gefundenen Erkenntnisse fachgerecht zu präsentieren, was natürlich auch gemeinsam geübt wird und den Teilnehmern mächtig Selbstvertrauen vermittelt.

Dass Stefan Klocke unter 111 Regionalentscheid-Preisträgern als einziger Realschullehrer und einer von elf Preisträgern für den Helmholtz-Preis für besonders engagierte Projektbetreuung ausgewählt worden ist, freut und erstaunt den Pädagogen, der mit seinem Einsatz in Aldenhoven sicherlich Maßstäbe setzt. Als „Belohnung“ darf er sich bis Ende 2017 ein Projekt an Uni oder Forschungseinrichtung aussuchen, an dem er eine Woche lang mitarbeiten darf. Gesponsort wird dieser Preis durch den Verband für die Förderung des MINT-Unterrichts.

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