Legionellen-Ausbruch: Schnitzler ist der Krisenmanager

Von: Volker Uerlings
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Dr. Norbert Schnitzler an der „Legionellose“-Karte im Gesundheitsamt. Rote und grüne Punkte zeigen die bestätigten Krankheits- und die Verdachtsfälle. Foto: Uerlings

Jülich/Düren. Dr. Norbert Schnitzler hat schon ruhigere Arbeitstage erlebt. Seit dem Jülicher Legionellen-Ausbruch aber, der vor knapp vier Wochen als „mysteriöse Lungenentzündungswelle“ öffentlich wurde, ist der Leiter des Kreisgesundheitsamtes als Krisenmanager gefragt.

„Er macht einen guten Job, sehr professionell“, urteilt über ihn der deutsche „Hygiene-Papst“ Professor Martin Exner von der Uni Bonn gegenüber unserer Zeitung. Er hat das bei früheren Krankheitsserien nach eigenen Worten „schon anders erlebt“. Äußerlich gelassen reagierte Norbert Schnitzler am Donnerstag auch auf eine Nachricht, die ihn eigentlich ärgern müsste: Die Legionellose-Quelle ist immer noch nicht identifiziert.

Seine Antwort auf die „Was nun“-Frage ist sachlich: „Die Suche im Raum Jülich auszuweiten, ist kaum möglich, weil wir schon alles, was uns bekannt ist, untersucht haben.“ Allerdings bleibt der Gesundheitsamtsleiter vorsichtig: Im Konsiliarlabor in Dresden wurden lange noch nicht alle Umweltproben ausgewertet, weil das in diesem Fall eben sehr aufwändig ist. „Es kann sein, dass sich der von uns gesuchte Erreger in einer einzigen Kolonie findet...“ Und Legionellen-Kolonien werden derzeit zuhauf untersucht, man müsse halt abwarten.

Sehr volkstümlich und bildhaft erklärt Norbert Schnitzler, wonach eigentlich gesucht wird, wenn von „Serogruppe 5“ die Rede ist: „Legionellen sind Hunde. Und die Serogruppen sind die Rassen. Wenn man so will, suchen wir jetzt nach einem Dackel. Und wenn wir den Dackel gefunden haben, müssen wir prüfen, ob genau der in Jülich zugebissen hat.“

Die Gesundheitskontrolleure können aber nicht mit Sicherheit ausschließen, „dass es Quellen gibt, die wir nicht kennen“, so Norbert Schnitzler. Er appelliert: Wer potenzielle Quellen wie „Rückkühlwerke, große Klimaanlage oder sonstige Dinge, bei denen Wasser versprüht wird“, kennt, möge sich melden. Das Bürgertelefon beim Kreis nimmt Hinweise – auch zu Erkrankungen – unter Telefon 02421/222408 entgegen.

Alle an der Suche beteiligten Behörden haben nach Informationen unserer Zeitung weitere Proben an den Verdachtsstellen genommen – so unter anderem am Donnerstag noch im Forschungszentrum Jülich (FZJ). Ein Zwischenergebnis vom dortigen Rückkühlwerk besagt, dass in den bisherigen Proben nur Legionellen des Serotyps 1 nachgewiesen wurden.

Das bedeutet: Es gibt eine Legionellen-Belastung, aber nicht mit dem Erreger, der die Krankheitswelle ausgelöst hat. Gleich neben dem FZJ, bei Enrichment Technology, gab es am Mittwoch einen neuen positiven Legionellenbefund im Rückkühlwerk. „Wir sind betroffen, dass auch bei uns erhöhte Legionellenwerte gemessen wurden“, sagte Enrichment-Standortleiter Roy Ketting Olivier. „Wir haben sofort reagiert und das betroffene Rückkühlwerk abgeschaltet.“ Es sei erst Ende Juli kontrolliert worden – ohne Befund.

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