Leckerbissen mit leichtem Gruselfaktor

Von: ptj
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Die Futterinsektenvertreiber Jasmine und Dominik von dem Broch: Sie hält eine Dose Erbsenblattläuse in Händen, er präsentiert Wanderheuschrecken. Foto: Jagodzinska
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„Insekten sind sehr saubere Tiere, die können nicht im Dreck leben“, weiß der Züchter. Deshalb bestehe kein Grund, sich zu ekeln. Unser Bild zeigt handzahme „Zophobas“-Superwürmer. Foto: Jagodzinska
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Eine wahre Schönheit mit einem hohen Proteingehalt ist die Ägyptische Wanderheuschrecke, die ebenfalls im Angebot von „QB Insects“ ist. Foto: Jagodzinska

Linnich. Insekten auf dem Teller oder im Futternapf sprechen nicht jeden Europäer an. Besonders Großlieferungen lebender, wimmelnder Insekten erzeugen bei vielen Zeitgenossen eher Ekelgefühle. Für den Halter von Reptilien und Amphibien hingegen sind Anblick und Berührung der Futterinsekten eine ganz normale Angelegenheit, denn naturgemäß ernähren sich ihre Exoten von lebenden Insekten.

Zudem fressen viele Fische Insektenlarven, Vögel werten ihren Speisezettel gerne mit Mehlwürmern auf.

Auch Säugetiere wie der Igel, diverse Nagetiere oder Halbaffen lieben Insekten als Futterquelle. Hier kommen Dominik von dem Broch und seine in Linnich ansässige Firma „QB Insects“ (Quality Breed Insects = Qualitätszuchtinsekten) ins Spiel. Der ausgebildete Informatiker und seine Frau Jasmine, eine gelernte Schlosserin, leben seit acht Jahren vom Verkauf von Futterinsekten und beschäftigen weitere acht Mitarbeiter.

Rund 10.000 bis 14.000 mit Lebendfutter gefüllte Dosen verlassen pro Woche per Transporter die Firmenräume im ehemaligen Linnicher Restaurant (!) „Rheinischer Hof“. Von Asseln und Schaben, Maden, Larven und Würmern über Erbsenblattläuse, Ofenfischchen und winzigen tropischen Springschwänzen bis hin zur stattlichen Ägyptischen Wanderheuschrecke reicht das proteinreiche und fettarme Nahrungsangebot, das in Bechern, Schalen und diversen Großpackungen vor allem an Zooläden geliefert wird. „Endkundenverkehr“ gibt es bei „QB Insects“ überhaupt nicht.

„Insekten sind sehr saubere Tiere, sie können nicht im Dreck leben“, widerlegt von dem Broch das Bild vom fiesen Schädling. „Die Tränken werden dreimal pro Woche komplett desinfiziert“, betont der Insektenhändler.

Das Grünfutter für die Futtertiere wie Salat oder Möhren wird von Bauern bezogen, die auf biologischer Basis arbeiten. Ein gespritzter Salat aus dem Supermarkt hätte den Tod des Futterinsektes zur Folge. Also ist die Insektenzucht „generell nicht billig“. Einige Futtertiere züchtet das Ehepaar selbst, zum Beispiel Erbsenblattläuse, Heuschrecken, Grillen oder flugunfähige Fruchtfliegen. Bei letzteren ist „im Labor das komplette Genom entschlüsselt worden“.

Die Zucht der Erbsenblattlaus etwa ist sehr ergiebig, da die Läuse ihre natürliche Nahrung, nämlich den Saft der Erbsenpflanze, aufnehmen. „Die meisten Futtertiere müssen erst angefüttert werden“, betont Jasmine von dem Broch – sei es durch Grünfutter, vitaminreiche Sub-strate oder Pulvergemische aus diversen Getreidesorten. Bei Mehlwürmern, den größeren Zophobas oder Angelködern lohne sich die Zucht hingegen „nur in größeren Anlagen“.

Ernährungsproblem lösen

„Wir züchten keine Insekten als Lebensmittel, das ist auch nicht geplant“, betont der Inhaber. „Das ist eher ein Trend mit Gruselfaktor“, meint sein Vater Heinz-Martin von dem Broch, ehemals Koch im „Rheinischen Hof“. Dennoch spricht er Ernährungsprobleme der Zukunft an und damit den Lösungsversuch, Fleisch aus der Massentierhaltung durch eine wachsende Ernährung durch Insekten zu ersetzen. Niemand aus der Familie von dem Broch rechnet aber in den nächsten Jahrzehnten mit einer diesbezüglichen Entwicklung in Europa. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, eine Futterinsektenfirma zu betreiben? Das Ehepaar lernte sich durch das gemeinsame Hobby kennen, nämlich die Amphibien- und Reptilienhaltung und damit durch „den Kontakt zum Futtertier“. Sie nannte Pfeilgiftfrösche ihr eigen, er hielt Pantherchamäleons. Man züchtete oder kaufte Futterinsekten, manchmal für befreundete Tierhalter gleich einige Dosen mehr. So entstand die Idee zur beruflichen Umorientierung, die die Insektenliebhaber bislang nie bereut haben. Zumal ihre Jagdhündin „Fibi“ eine große Hilfe beim Auffinden entflohener Insekten ist – zu deren Pech, da sie zumeist direkt verspeist werden.

Der Futterinsektenabieter „QB Insects“ ist im Netz unter http://www.qb-insects.de zu finden. Die E-mail-Adresse lautet: info@qb-insects, Telefon 02462/74941.

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