Leben und Werk eines verkannten Genies

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
14188281.jpg
Nadia Singer, Edward Leach und Lutz Görner begeisterten beim Schubert- Abend in der vollbesetzten Schlosskapelle. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. In der vollbesetzten Schlosskapelle gastierte der Meister der Rezitation, Lutz Görner. Keiner versteht es wie dieser Künstler, das Leben und Werk großer Dichter und Komponisten den Zuhörern nahe zu bringen. Er sieht den Menschen, seine liebenswerten Seiten, seine dunklen und verborgenen Tiefen.

Er sieht das Werk des Genies, das zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich gewertet wurde. Er kann in seiner unnachahmlichen Art durch biographisches Erzählen, Rezitationen aus Briefen des jeweiligen Künstlers und seinen Freunden ein lebendiges Bild malen, das die Zuhörer berührt, ihnen den Menschen nahebringt und sein Werk zu vertrautem Umgang anbietet.

An diesem Abend wurde der Meister unterstützt von einer meisterlichen Pianistin, Nadia Singer, und dem meisterlich agierenden lyrischen Tenor Edward Leach.

Das kurze Leben des großen Komponisten Franz Schubert zeichnete Görner in all seinen Höhen und Tiefen. Die Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, sein Werdegang als früher Komponist, der allerdings im heimischen Wien wenig Anerkennung fand, sein freies Leben als Künstler, seine Freunde, seine schwere Krankheit und sein früher Tod wurden anschaulich in Wort und Gestik durch Lutz Görner lebendig.

Beispiele seiner Kompositionen vervollständigten das Bild des scheuen, introvertierten Musikers, der jedoch um seine geniale Begabung wusste. Sein Freundeskreis trug ihn während seiner schweren Syphiliserkrankung, die zu seinem frühen Tod führte. Franz Schubert wurde nur 31 Jahre alt.

Nadja Singer am Flügel erwies sich wieder als versierte Pianistin, die einfühlsam und virtuos die Werke des Komponisten interpretierte. Sie begleitete Edward Leach, der als junger, lyrischer Tenor die Liedinterpretationen übernahm.

Über 600 Lieder umfasst das Werk von Franz Schubert, das erst durch Franz Liszt die gebührende Beachtung fand. Nadia Singer und Edward Leach gelang es, den Zuhörern in einer kleinen Auswahl dieses Gut nahezubringen. Der Sänger bestach durch seine lebhafte Interpretation, seine gut verständliche Artikulation und eine makellose Stimme, die in allen Lagen samtweich, aber trotzdem kräftig wirkte. Die Musikbeiträge spiegelten die Stimmungen und Befindlichkeiten des Künstlers wider und ergänzten perfekt das Wort.

Schauspielerisch in Szene gesetzt und auch mal durch ein flottes Tänzchen oder gepfiffene Liedstrophe aufgelockert, wurde der unterhaltsame Abend zum reinen Genuss. Die jungen Talente, von Lutz Görner gekonnt einbezogen, bereicherten den Abend ungemein und rundeten das Bild des Menschen und Komponisten Franz Schubert ab. So setzte Nadia Singer auch mit dem 2. Satz aus der Gasteiner Sonate einen virtuosen musikalischen Schlusspunkt.

Der Abend mit dem Titel „Franz Schubert – Sein Leben – Seine Lieder – Seine Musik“ wurde dank Lutz Görners einmaligem Talent, Biographisches mit Einfühlungsvermögen und Respekt, durchaus humorvoll, aber auch mit dem nötigen Ernst zu verbinden, zu einem nachhaltigen Erlebnis.

Das begeisterte Publikum forderte Zugaben und wurde mit dem Lied „Die Forelle“ belohnt. Als Abschluss durfte sich jeder dem großen Chor in der Schlosskapelle zugehörig fühlen und bei „Das Wandern ist des Müllers Lust“ kräftig mitsingen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert