Leben an der B57 wird unerträglich

Von: Otto Jonel
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Autos ohne Ende und unablässiger Verkehrslärm sind für Susanne und Norbert Müller wie alle übrigen Anrainer der B57 in Körrenzig trauriger Alltag. Foto: Jonel

Linnich. „Das ist Wahnsinn! Wir schreien unsere Nachbarn an, damit wir uns verständigen.” Was Susanne Müller so drastisch schildert, ist Alltag in der Lindenstraße in Körrenzig. Es ist laut. Die Kakophonie des motorisierten Verkehrs.

Ohne Unterlass wird ein Endlosstück gespielt, besetzt mit brummenden Lkw-Bässen, mezzosopranen Limousinen, singenden Reifen und kreischenden Motorrädern. B57 heißt die Tonspur, und sie geht den Anwohnern regelrecht auf die Nerven.

An „70” hält sich kaum einer

Der Lärm, der von der Bundesstraße 57 in der Ortsdurchfahrt Körrenzig ausgeht, ist allgegenwärtig. Eine der Hauptursachen ist für Susanne und Norbert Müller offenkundig: die Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge die Ortschaft passieren. „70” befiehlt das Schild an der Bundesstraße, das die Müllers von ihrer Haustür aus sehen können. „Wenn die Geschwindigkeit eingehalten würde, wäre es ja auszuhalten”, schnaubt Susanne Müller verächtlich. Es halten sich aber nur die wenigsten an das Gebot.

Ihre These belegt die Körrenzigerin mit wiederholten Erlebnissen, wenn sie von ihrer Arbeitsstelle in Erkelenz über die B57 nach Hause fuhr. „Ich bin schon hier im 70er Bereich laut hupend überholt worden, wobei mir der Fahrer den Stinkefinger gezeigt hat.” Lediglich einige hundert Meter weiter Richtung Linnich, wo die Körrenziger Hauptstraße auf die B57 trifft, würde angesichts des Tempo 50-Schildes etwas gesitteter gefahren.

Seit Jahren versuchen die Müllers sich wie viele ihrer Nachbarn mit dem unerträglichen Getöse zu arrangieren. „Mir hat eine Nachbarin weiter unten erzählt, dass sie vor zwei Jahren in den Keller gezogen sind.” Den Keller haben auch Norbert und Susanne Müller zum schallgeschützten Wohnraum umfunktioniert. Die Zimmer der Kinder liegen zur Lärm-abgewandten Hausseite. Andere Nachbarn gestanden, dass sie „seit vier Jahren nicht mehr auf der Terrasse gesessen” hätten. Oasen de Ruhe sind die Gärten an der B57 nicht.

Im vergangenen Jahr wollte sie dem Treiben auf der Bundesstraße nicht länger tatenlos zusehen und -hören. In einem Bürgerantrag an die Fraktionen und den Linnicher Bürgermeister schilderte sie die Zustände in der Körrenziger Ortsdurchfahrt und forderte Abhilfe. Nach einer ersten Antwort des Ordnungsamtes und einer erneuten Eingabe erhielt sie Ende November die Empfehlung von Bürgermeister Wolfgang Witkopp, sich besser an den Straßenbaulastträger, den Landesbetrieb Straßen NRW zu wenden. Immerhin soll sich aber der Bauausschuss des Themas annehmen und über Maßnahmen von Verkehrsmessung bis hin zu baulichen Lärmschutzvorkehrungen debattieren.

Bislang fühlen sich die Müllers noch ziemlich allein gelassen. Außer dem PKL-Fraktionsvorsitzenden Michael Hintzen habe noch kein Kommunalpolitiker den Kontakt zu ihr gesucht, sagt Susanne Müller. Sie hat zwischenzeitlich damit begonnen, Unterschriften im Ort zu sammeln. 84 Körrenziger haben sich schon hinter die Forderung nach einer „verkehrsberuhigten B57 im Bereich Ortsdurchfahrt Körrenzig durch bauliche Maßnahmen” gestellt. Es werden wohl noch einige hinzu kommen.
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