„Lazarus Strohmanus“ und die Hexenturmordensverleihung

Von: ptj
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Helmut Vonderbank (l.) wird zum 317. Pattühm gekürt. Foto: Jagodzinska
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Die Stadt Jülich erhält 500 Millionen Mark für eine neue Stadthalle: (v.l. stehend) sind Präsident Heinrich Ningelgen, Josef Esser und Bürgermeister Axel Fuchs zu sehen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Ist der 317. Pattühm Helmut Vonderbank adliger Herkunft? Peter Schmitz, der als sein Vorgänger traditionell die Laudatio bei der Hexenturmordensverleihung der Historischen Gesellschaft „Lazarus Strohmanus“ hielt, präsentierte ein in Frage kommendes Wappen einer Familie Vonderbank aus dem 16. Jahrhundert. Zu sehen sind ein Baumeister mit einem Zirkel in der Hand, eine Bank, der rote Balken und drei Münzen.

Da die Objekte mit den Eigenschaften des Besitzers in Verbindung stehen, symbolisieren sie laut Lobredner die solide Lebensplanung Vonderbanks, der so seinen Ruhestand auf einer gesicherten finanziellen Basis bestreiten könne. Schmitz betonte: „Ob der Helmut nun adligem Geschlecht entstammt oder nicht, lassen wir mal offen. Dass er ein feiner und liebenswerter Mensch ist, adelt ihn auf jeden Fall.“

Vonderbank sei ein waschechter Jülicher, der seiner Heimatstadt immer treu geblieben ist, und darüber hinaus noch Heckfelder. Diese Jülicher Bürger standen nach dem Zweiten Weltkrieg fest zusammen, waren „ein bisschen stur und tickten nicht selten anders als die übrigen Jülicher“.

Der Laudator überließ seinem Publikum die Einschätzung, inwiefern die Kriterien auf den neuen Ordensträger zutreffen. Dieser entwickelte die St. Rochus-Schützenbruderschaft nach ihrer Neugründung 1976 maßgeblich mit, schultert seit 1994 die „riesige Aufgabe der Führungsrolle“ und lässt sich „ständig etwas Neues einfallen, um über die Runden zu kommen“.

Vonderbank, im Übrigen ein erfolgreicher Geschäftsmann, schätze Essen und Trinken, liebe seine Frau und „die See“ und sei ein kontaktfreudiger Mensch. So sei er Mitglied in zwei Kegelclubs und stehe in gutem Kontakt zu Jülicher Karnevalsvereinen. Als Geschenk für den Liebhaber von Süßigkeiten hatte Schmitz eine Tafel Schokolade und eine Flasche Eierlikör im Gepäck.

Der solchermaßen Geehrte zeigte sich gerührt und verwies auf seine Vorstandskollegen in der Bruderschaft und seine Ehefrau Christiane, die ebenfalls „großen Anteil an der Auszeichnung haben“.

Erstmalig fand die Hexenturmordensverleihung im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Historischen Gesellschaft im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses statt. Fixpunkt der Versammlung mit ansprechendem Rahmenprogramm waren das Hereintragen der Strohpuppe unter Klatschmarsch der Lazarusbrüder und das gemeinsam gesungene Nationallied, nach dem es „die Ahle schon vür hondert Johr vürjemaht han“.

Ein weiterer Höhepunkt war das Gelöbnis für Veilchendienstag, in dem es heißt: „Ich schwöre un jelobe, dich Lazarus Strohmanus am Fastelovendsdienstag durch die Stroße de Stadt Jülich ze drare on ze werfe, wie et sich für ene anständije Bürjer eignet on jebührt“.

Ferner kam es zu einem „historischen Augenblick“: Lazarusbruder Josef Esser überreichte Bürgermeister Axel Fuchs einen Bilderrahmen mit Originalbanknoten im Wert von 500 Millionen Mark – gültig allerdings nur bis zum 1. April 1929 – für den Bau einer neuen Stadthalle. Neben einigen Münzen enthielt der Bilderrahmen auch einen Gutschein aus 1950 von der Stadt Jülich für ein Glas Bier. Vize-Präsident David Ningelgen verlieh je eine Ehrenkappe an Wolfgang Erz, der 25 Jahre das Kinderdreigestirn führte, und an „den Mann, der sich um die Geschichte kümmert“, Guido von Büren.

Der traditionell augenzwinkernde Klaaf von Heinrich Ningelgen, Präsident der Historischen Gesellschaft „Lazarus Strohmanus“, enthielt eine Botschaft, die ihn bedrückt: „Die Polizei kann oder will unseren Zug nicht mehr begleiten, nur noch Fußballrowdys oder Rechte und Linke. Schließlich sin mer de Bürjer und müsse dat all bezahle...“.

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