Lazarus büßt für die Jülicher Sünden

Von: Guido Jansen
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Gleich geht es hoch hinaus: Erst sagen die Lazarus-Mitglieder den allgemein bekannten Spruch auf, bevor der spezielle Spottvers kommt, der an jeder Stelle in der Stadt anders ausfällt und als geheim gilt. Danach wird der Lazarus „gepreckt“, also mit dem Tuch in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Foto: Jansen
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Bis „der Mann“ am Abend in der Rur ertränkt wird, tragen David Ningelgen und die Strohmanus-Mitglieder ihn Veilchendienstag durch die Stadt. Foto: Jansen
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Der Jüngste und der Älteste: Tobias Selber und Laurenz Hintzen sprechen über mehr als 300 Jahre Lazarus-Tradition.

Jülich. Die Sache ist ausgegangen wie immer seit dem Jahr 1700. Am Ende hat ein Mann für die Sünden aller Jülicher gebüßt. „Der Mann“ wird er nur genannt, oder eben der Lazarus.

Als die Dunkelheit angebrochen war, haben die Mitglieder der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus den Strohmann von der Kirmesbrücke aus seinem nassen Grab übergeben, indem sie ihn unter lauten Wehklagen in die Rur geworfen haben. Seit über 300 Jahren pflegen die Mitglieder des Lazarus diese Tradition. Seit 1953 ist Laurenz Hintzen dabei, ohne Unterbrechung. Damit ist der 81-Jährige das älteste aktive Mitglied und kann davon erzählen, dass der Lazarus in seiner Familie vererbt worden ist.

„Mein Opa war schon beim Lazarus, mein Onkel, meine Brüder“, berichtet der Mann, der noch im vergangenen Jahr als Zugführer aktiv war. Am Dienstag war er als einer von rund 50 Lazarus-Mitgliedern von morgens früh an unterwegs, um die Tradition zu pflegen. Genau wie das jüngste aktive Mitglied Tobias Selber. Der ist 15 Jahre alt und war jetzt zum ersten Mal bei den großen Strohmännern mit dabei. Das Wahren der Lazarus-Tradition ist für ihn allerdings schon länger nichts Neues mehr, in der Kindergruppe hat er vorher zehn Jahre lang mitgemacht, allerdings immer erst ab dem Nachmittag.

Auch bei ihm ist das Brauchtum zur Familienangelegenheit geworden, die Geschwister gehören der Lazarus-Gesellschaft ebenfalls an. „Ganz einfach – mir macht das Spaß“, sagt er. Aber diesmal ist vieles anders. Er geht bei den Großen mit, gehört der Besengruppe an, die um den Lazarus herum tanzt, bevor die Strohpuppe nach dem Aufsagen der Reimchen aufgeworfen wird. „Precken“ heißt das in Jülich schon immer. „Das ist schon was Besonderes“, sagt der Jüngste über sein erstes Mal.

Zum ersten Mal bekommt er mit, wie der Lazarus auf seinem langen Marsch durch die Stadt an Kindergärten Station macht und die Kleinen sich um die Strohpuppe scharen und die Erwachsenen dazu bringen, Erinnerungsfotos zu schießen. Am Altenheim sprechen einige der Zuschauer den allgemeinen Reim mit, der aufgesagt wird, bevor der geheime Reim gesprochen wird. „Als Lazarus gestorben war, da weinte die Anna Susanna, die Philippina, die Schmitze Mina, de ruude Jakob ...“

Im vergangenen Jahr machte starker Regen dem Umzug zu schaffen. „Da stand das Wasser in unseren Stiefeln“. erinnert sich Laurenz Hintzen. Diesmal war alles trocken, deswegen standen mehr Menschen an den Straßen, um das historische Treiben zu verfolgen.

Sie sahen, dass diesmal der Wind das größte Hindernis war, vor allem die Tuchgruppe hatte damit zu kämpfen. Nämlich dann, wenn sie die Strohpuppe aus ihrem Tuch nach oben gepreckt haben und der Wind sie zu fassen bekam. Dann wurde es schwierig mit dem Ziel, den Mann wieder sanft im Tuch landen zu lassen. Es hat geklappt, meistens. So, wie es seit 1700 üblich ist.

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