Koslar - Lautes Stopp-Signal für den Streit

Lautes Stopp-Signal für den Streit

Von: spl
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Wenn es mal brenzlig wird, wei
Bewegung ist Programm: Die Kinder bei den Aufwärmübungen mit Trainerin Nadine Sprenger. Foto: Plahm

Koslar. Mobbing, Prügel und Drohungen - an immer mehr Schulen scheint das zu einem Problem zu werden. Um Kindern schon früh den richtigen Umgang in Konfliktsituationen mit anderen beizubringen, bevor Gewalt überhaupt auftritt, hat sich die Gemeinschaftsgrundschule in Koslar für ein außergewöhnliches Projekt entschieden.

„Gewaltfrei Lernen”, das ist das Motto der Initiative unter dem Schüler Teamwork und Handlungsfähigkeit bei Konflikten mit anderen lernen.

In drei Doppelstunden vermitteln die Trainerinnen Nadine Sprenger und Birgit Skimutis spielerisch mit Übungen, Tipps und Gruppengesprächen wichtige Verhaltensregeln. Hier lernen die Kinder zum Beispiel „Stopp” zu sagen, wenn sie von Mitschülern oder anderen geärgert werden.

Dass es dabei auf die richtige Körpersprache ankommt, zeigte Trainerin Nadine Sprenger am Mittwoch der Klasse 4b ganz deutlich: „Die Füße in Schrittstellung, gerade und aufrecht stehen, die Hand entschlossen nach vorne strecken und „Stopp” sagen”, erklärte die junge Frau den Schülern und machte es gleich selbst vor.

„Wenn ihr in euch zusammengesackt vor jemandem steht, dann hat das so keine Wirkung.” Die „Stoppregel” wenden die Schüler auch auf dem Schulhof an. Bei Streitigkeiten sollen sie drei Mal „Stopp” sagen, hört der Ärger dann immer noch nicht auf, informieren sie den Lehrer. Natürlich gilt diese Regeln nicht für körperliche Gewalt. Hier wird sofort ein Lehrer informiert.

Neben den Stoppregeln lernen die Kleinen aber auch Befreiungsgriffe, natürlich ohne selbst Gewalt anwenden zu müssen. Die Grifftechniken haben so einprägsame Namen wie Rutsche, Gorillagriff oder Rakete.

Das Besondere an dem Projekt: Hier ziehen alle an einem Strang. Denn nicht nur die Schüler werden trainiert, es gab auch zwei Fortbildungen für die Lehrer und einen Elternabend. Dass es besonders wichtig ist, die Eltern an dem Projekt zu beteiligen, betont auch Renate Flesch vom Förderverein der GGS Koslar. „Eltern können die Übungen gemeinsam mit ihren Kindern wiederholen.”

Außerdem sei das Training nicht nur für schüchterne Kinder hilfreich. Auch die eher wilderen Kinder würden ein Hilfsmittel an die Hand bekommen, das sie wissen lässt, wie sie sich am besten verhalten sollen, berichtet Stella Rath, Lehrerin der Klasse 4b. „Das Training macht den Kindern außerdem viel Freude”, betont die Pädagogin.

Die zündende Idee, das Grundschulprojekt auch an die GGS in Koslar zu holen, hatte Renate Flesch. Zu realisieren war die Initiative aber nur mit Hilfe der Eltern, des Fördervereins und der Sparda Bank West. Die Bank hatte mit rund 5000 Euro den Löwenanteil der Finanzierung übernommen, so dass dem Training nichts mehr im Wege stand.

Damit der Effekt nachhaltig bleibt, werden die Regeln und Übungen regelmäßig mit den Kindern wiederholt. „Auch die neuen Erstklässler werden das Training durchlaufen”, erklärt Stella Rath. Um das Projekt optimal in den Schulalltag zu integrieren, hat sich ein Arbeitskreis der Schulpflegschaft gebildet. Hier sollen unter anderem Konsequenzen für das Ärgern der Mitschüler erarbeitet werden.

Eigenes Verhalten überdenken

Wer nach drei Mal „Stopp” seine Mitschüler immer noch nicht in Ruhe lässt, muss dann zum Beispiel einen Besinnungsbogen ausfüllen, in dem das eigene Verhalten überdacht wird.

So ermöglicht es die GGS, das Projekt für ein übergeordnetes Konzept zu verwenden. Das hat die Schule von Anfang an gereizt. „Uns hat vor allem das ganzheitliche Programm, das von „Gewaltfrei lernen” angeboten wird, begeistert”, sagt Renate Flesch.

Daher entschlossen sich Schule und Eltern gemeinsam für die Umsetzung des Programms und gehen dabei mit gutem Beispiel voran, Kindern Konfliktlösungen beizubringen, bevor tief greifende Probleme auftreten.
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