Landsynagoge wimdet sich Belegen jüdischen Lebens

Von: ptj
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Konzert krönt „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“: Sopranistin und Zymbel-Spielerin Bella Liebermann berührte mit ihrer Musik die Herzen der Zuhörer. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Mit über 70 Gästen, die nahezu alle Programmpunkte am „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur“ unter dem Motto „Brücken“ absolvierten, war das „LVR-Kulturhaus Landsynagoge“ sehr gut besucht. „Es lohnt sich auf jeden Fall, hierher zu kommen“, brachte Besucherin Monika Menne-Abels aus Stetternich ihr großes kulturelles Interesse auf den Punkt.

Nach der einstündigen Führung durch die Einrichtung und dem Dorfrundgang mit Blick auf jüdische Orte im christlich geprägten Dorf konzentrierten sich die Gäste am Nachmittag auf Film und Vortrag. Gezeigt wurden „Die Juden – Geschichte eines Volkes“ sowie Teil 3 der Serie „Halbmond und Kreuz“.

Der Film konzentriert sich auf Blüte und Niedergang des spanischen Judentums am Beispiel von Moses ben Maimon (1135 – 1204) und Dona Gracia Mendes-Nasi (1510 – 1569). Die Lebenswege der sefardischen Juden führen durch viele Länder und bringen das jüdische Muster von Flucht, Ansiedlung, Anpassung an die muslimische Umgebung, Erfolg, Anerkennung, Verfolgung und erneuter Flucht zum Ausdruck.

Den anschließenden Bildvortrag über „Jüdisches Europa heute. Eine Erkundung“, bezeichnete Referentin Ulrike Heikhaus, Judaistin und Kuratorin am Jüdischen Museum in München, als „Experiment“: Sie führte nämlich aus einer Entfernung von 490 Kilometern durch die dort angelegte gleichnamige Ausstellung, die auf einem studentischen Lernforschungsprojekt des Instituts für Volkskunde/Europäische Ethnologie in München basiert.

Zwölf Studierende begaben sich im Sommer 2014 auf ethnographische Spurensuche jüdischer Lebenswelten in Europa. Dabei stand nicht die Frage nach dem „Wer“ (ist ein Jude), sondern dem „Was“ (macht er) im Vordergrund. Ergebnisse waren facettenreiche, atmosphärisch verdichtete Bilder verschiedener Phänomene und Darsteller an diversen Orten. Kurz zusammengefasst gibt es in Budapest eine touristische Annäherung an das Jüdische Viertel, „Jewishness“ (Judentum) wird zur Marke.

In Istanbul existiert eine Zeitung in „Judenspanisch“ als Sprachrohr einer aussterbenden Sprache. In London findet sich sowohl koscherer Lifestyle wie gelebtes, professionelles Judentum. In Marbella hingegen stießen die Studentinnen an die Grenzen und Möglichkeiten der Feldforschung. Angelockt von einem Zeitungsartikel von 2009, die jüdische Gemeinde in Marbella sei im Sommer dreimal so groß wie im Winter, ist jüdisches Leben dort in Wahrheit nicht existent.

Die beiden Frauen schritten als angebliche Jüdinnen zum Feldversuch. „Auch das Scheitern wird gezeigt“, betonte Heikhaus als wichtigen Punkt der Ausstellung. „Ein spannendes Phänomen“, in der Ausstellung als Camouflage präsentiert, fand sich in Reykjavik, wo jüdisches Leben jenseits der öffentlichen Wahrnehmung erfolgt. In Umeä (Nordschweden) genießt das Judentum ethnischen Minderheitsstatus, trotzdem finde sich dort gelebte jüdische Kultur.

Gewissermaßen als „Ausstellungsort kultureller Heimat“ fungiert ein kleines gelbes Haus, das ebenfalls einen Platz in der Ausstellung fand. In Warschau, wo während der Restaurierung 2014 die letzten Spuren des ehemaligen Ghettos verschwanden, löst sich die Ausstellung schließlich auf. Dort feiern Nicht-Juden in jüdischen Kulturfestivals an langen Tischen und mit wilden Tänzen vermeintlich Shabbat. „Ein Versuch, etwas zurückzuholen“, kommentierte die Referentin. Deshalb führt eine Straße durch die Ausstellung, die in einen Tisch mündet.

Den klangvollen Schlusspunkt gestalteten Sopranistin und Zymbel-Spielerin Bella Liebermann sowie Pianist Roman Nedzvetskyy in ihrem Konzert unter dem Motto „Der Duft der spanischen Gärten“. Mit sephardischen Liedern, Klezmer, Jüdischem Tango, Eigenkompositionen und dem türkischen Stück „Ulan Ulan“ sang und spielte sich das Duo in die Herzen der zahlreichen Zuhörer, die begeisterten Applaus spendeten.

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