Landsynagoge: Geschichte von Purim am Tag des Beschenkens

Von: ptj
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Kostbare Errungenschaft im LVR-Kulturhaus Landsynagoge: Judaistin Monika Grübel (Bildmitte, stehend) stellt das Faksimile einer handgearbeiteten Esther-Buchrolle aus 1746 vor. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Ein ungewöhnliches Bild bot sich den Gästen im LVR-Kulturhaus Landsynagoge. Anstelle vieler Stuhlreihen war ein langer Tisch aufgebaut, an dem sie Platz nahmen. Referentin Hana Fischer ist keine Wissenschaftlerin, sondern führte mit ihrem Vortrag zum Thema „Zufälle? Von Gott gelenkt! Die Geschichte von Purim“ mitten ins Alltagsleben.

Der Mutter von drei (bald vier) Kindern, Gründerin und Leiterin des Vereins „Milch und Honig – Jüdisches Kulturzentrum Köln“, liegt es am Herzen, das Judentum in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Langfristig träumt sie von einem jüdisches Kulturzentrum in Köln. Fischer wurde im Elternhaus nicht religiös erzogen. Erst auf der Suche nach einem Kindergartenplatz in Köln gelangte die Familie in einen jüdischen Kindergarten, alle städtischen waren belegt. Fortan brachten ihre Kinder jüdische Themen mit nach Hause. Ein Zufall? Nein, daran glaubt Hana Fischer nicht. „Gott ist überall, zu jeder Zeit und sieht das ganze Bild. Wenn wir uns bemühen, alles zu tun, dann springt Gott ein“, erklärte sie die Bündelung der Kräfte zwischen Gott und den Menschen.

So war es auch bei Königin Esther im Alten Testament, einer Geschichte von der Rettung des jüdischen Volkes. Den Plan, alle Juden an einem einzigen Tag zu vernichten, hegte Haman, der selbstherrliche Premierminister des Perserkönigs Achaschwerosch (Xerxes). Ein Los (hebräisch: Pur) sollte diesen Tag der Vernichtung bestimmen.

Die Referentin betonte die weisen Worte von Esthers Cousin Mordechai: „Die Erlösung wird anderswoher kommen. Vielleicht bist du gerade deswegen Königin geworden.“ Und richtig. In der Nacht zwischen dem 14. Adar und dem darauf folgenden Purim-Tag „dreht sich die ganze Geschichte gegen Haman und für die Juden“ – nach deren Fasten und Gebet. Der böse Haman endet am Galgen, den er für Mordechai hatte errichten lassen.

So feiern die Juden am 14. Adar, der diesmal auf den christlichen Gründonnerstag fällt, das Fest der Einheit und Freundschaft. Durch diese war es gelungen, das Wunder geschehen zu lassen. Dieser Einheit gedenken Juden, indem sie mindestens einem anderen Menschen ein Geschenk machen, das aus mindestens zwei verschiedenen zubereiteten Lebensmitteln besteht. Zu der „Mizwot“ (Vorschrift) zu Purim zählen ferner Geldgeschenke für Bedürftige, Gebet und ein Festmahl, in dessen Rahmen die Esther-Geschichte in entsprechender Kostümierung nachgespielt wird.

Wichtig ist auch die zweimaligen Lesung der „Megillah“ (Esther-Buchrolle). Jedes Mal, wenn bei dieser Lesung der Name „Haman“ erwähnt wird, lärmen oder „ratschen“ die Menschen in der Synagoge, um den Namen des ersten Gegners auszulöschen, der die Juden nach ihrem Auszug aus Ägypten angriff.

Eine nette Idee von Hana Fischer war es, die Gäste zum Basteln von mit Reis gefüllten Rasseln aus bunt beklebten Toilettenpapierrollen anzuregen. Dann las sie einmal die Geschichte von Esther vor, die eine Brücke vom Judentum ins Christentum spannt. Jedes Mal, wenn sie ein Blatt mit dem Namen „Haman“ hoch hielt, rasselten die Gäste begeistert. Bevor zu Kaffee und den traditionellen dreieckigen „Haman-Taschen“ zu Purim ein kleines Festmahl nachempfunden wurde, präsentierte Judaistin Monika Grübel die neueste Errungenschaft des Kulturhauses.

Auf dem Tisch wurde das Faksimile einer 6,5 Meter langen, handgeschriebenen Esther-Buchrolle aus 1746 in handgearbeiteter Holzschatulle mit Walnussfurnier ausgebreitet, mit reich kolorierten Illustrationen und deutschem anstelle des sonst üblichen hebräischen Textes der Esther-Geschichte. „Eigentlich eine Krimi-Story“, wie Grübel es formulierte. Die Rolle ist für den privaten Gebrauch bestimmt, da in der Synagoge keine Schriftrollen mit dekorativen Elementen benutzt werden. Über 200 Jahre blieb der Schreiber und Illustrator unbekannt. Nach dem Studium historischer Quellen gelang es Historiker Falk Wiesemann, den Schöpfer der Rolle zu enttarnen. Es soll sich um den jüdischen Schriftgelehrten und Künstler Wolf Leib Katz Poppers aus Hildesheim gehandelt haben.

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