Landrat: Am Mittwoch muss in Schleiden die Kuh vom Eis

Von: gep
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Landtagsabgeordneter Josef Wirtz (Mitte) vor Ort in Schleiden. Der Erdbruch über dem Luftschutzstollen hat die hölzerne Terrasse zum Einsturz gebracht und den Gartenteich zerstört.

Schleiden. Landrat Wolfgang Spelthahn strebt an, dass nach dem Runden Tisch am Mittwochabend im Aldenhovener Rathaus die Verfüllung des einstürzenden Luftschutzstollens in Auftrag gegeben wird. „Die Kuh muss vom Eis“, betonte Spelthahn am Dienstag. „Der Auftrag muss raus.“

Die Materie sei zwar juristisch „hochkomplex“, aber die Gefahrenabwehr habe Vorrang. Zugleich kündigte der Landrat eine kreisweite Untersuchung an, um präventiv die Risiken durch ehemaligen Schutzbauten des Zweiten Weltkrieges zu erfassen.

Doch zunächst gelte es, den Fall in der Siersdorfer Straße „sauber abzuwickeln“. Bei einer Verfüllung wird der Stollen, der nach derzeitigen Erkenntnisstand zwei Meter hoch, zwei Meter und 65 oder gar 80 Meter lang ist, mit Beton verpresst. Dazu wären somit rund 300 Kubikmeter erforderlich. Das entspricht der Ladung von etwa 40 dreiachsigen Betonmischfahrzeugen. Der Stollen erstreckt sich über sechs Grundstücke, die ab 1999 bebaut worden sind.

Der Aldenhovener SPD-Fraktionsvorsitzende Udo Wassenhoven forderte: „Die Gemeinde Aldenhoven muss in Vorleistung treten und sofort alles unternehmen, damit weiterer Schaden verhindert und alle Gefahren und Schäden beseitigt werden. Sollte dies 200.000 Euro kosten, so muss das eben sein.“ Beschließen könne das der Gemeinderat auf einer Sondersitzung im August und im Einvernehmen mit der Kommunalaufsicht. Er jedenfalls sei bereit, dann bei der Regierungspräsidentin Gisela Walsken vorstellig zu werden, um die Genehmigung für diese Sonderausgaben zu erhalten.

Es dürfe jedenfalls „keinen jahrelangen Rechtsstreit um Schuld und Kostenübernahme“ mit dem Kommunalversicherer GVV, Köln, den Baubehörden, dem Bund und den Voreigentümern geben. Denn Leidtragende würden dann die Hauseigentümer sein.

„Schwarzer Peter“-Spiel

„Wer was bezahlt, ist zweitrangig“, erklärte auch der Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan (SPD). Er habe einen dreiseitigen „bösen Brief“ an den Aldenhovener Bürgermeister Lothar Tertel und einen „kürzeren“ an Landrat Spelthahn geschrieben.

Er sei entsetzt über die „bestorganisierte Unverantwortlichkeit“. Der jüngste Erdbruch sei schon vor fünf Wochen aufgetreten, bereits vor einem Jahre habe sich auf einem anderen Grundstück ein metertiefer Krater gebildet. Und trotzdem habe es ein „Schwarzer Peter“-Spiel zwischen den Behörden gegeben. Es hätte sofort reagiert werden müssen. Nietan: „So stelle ich mir eine Verwaltung vor.“

Willi Zander, Fraktionsvorsitzender der Freien Liberalen im Gemeinderat, warf dem Bürgermeister und der Verwaltung vor, „auf Zeit gespielt“ und „mit angezogener Handbremse operiert“ zu haben. Die Gemeinde solle jetzt endlich ihre Verantwortung übernehmen und in die versicherungstechnisch abgedeckte Amtshaftung treten, da früher offensichtlich Fehler bei der Bauleitplanung gemacht worden seien. Zander: „Jetzt muss was passieren.“

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Reinhard Paffen sprach sich angesichts der „erheblichen Rissschäden“ an der Gebäudesubstanz dafür aus, den betroffenen Bürgern „mit allen Mitteln zu helfen“. Er begrüßte, dass der Kreis die Vorlaufkosten für die Gutachter und die Probebohrungen übernehmen wolle. Diese Kosten hatte ein Mitarbeiter des Kreises den Hauseigentümern zunächst aufgebürdet – in einem Überrumpelungsmanöver, so die Betroffenen.

Die Schäden selbst könnten, so der Siersdorfer Christdemokrat, über den gemeindlichen Versicherer abgewickelt werden – „ohne ein Schuldeingeständnis von Rat und Verwaltung“. Paffen: „Die Kuh muss vom Eis.“

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