Kunstverein Jülich zeigt Techniken der Kalligrafie im Hexenturm

Von: ul
Letzte Aktualisierung:
kalligra 2  bild
Rosemarie Richter (sitzend) und Rosemarie Küpper (rechts) zeigten einer Besucherin die Techniken der Kalligrafie, die wahre Kunstwerke entstehen lässt. Foto: Lottner

Jülich. Einen ersten Eindruck von der Kunst der Kalligrafie gab es am Sonntag im Jülicher Hexenturm. Im Vorfeld einer Ausstellung von Kalligrafien der französischen Künstlerin Denis Lach, präsentierte der Kunstverein Jülich verschiedene Techniken der zeitgemäßen Kalligrafie.

Sigrid Goldschmidt aus Aachen, Rosemarie Richter aus Roetgen, Christel Kreuzer aus Düren und Rosemarie Küpper aus Jülich zeigten den faszinierten Besuchern das breite Spektrum der Kalligrafie und nahmen sich für die vielen Fragen gerne Zeit.

Alte Abschriften

„Die Kalligrafie bringt Ruhe und Schönheit in so etwas Alltägliches wie die Schrift”, brachte es der 2. Vorsitzende des Kunstvereins Jülich, Jens Dummer, in seiner Begrüßung auf den Punkt. Ursprünglich stammt das Wort Kalligrafie aus dem Griechischen und lässt sich aus dem Adjektiv „kalós” (schön) und dem Verb „gráphein” (schreiben) herleiten.

Im Mittelalter stellte die Kalligrafie die einzig bekannte Form der schriftlichen Überlieferung dar: Auf diese Weise entstanden in den Scriptorien der Klöster Abschriften der Bibel von unschätzbaren Wert, die auf Pergament geschrieben und zum Teil mit Gold verziert bzw. bebildert wurden.

Und bei dem berühmten Codex Manesse, der Großen Heidelberger Liederhandschrift, geraten nicht nur Mediävisten ins Schwärmen. Die berühmteste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters, seit 1888 in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt, überliefert in gotischer Buchschrift die mittelhochdeutsche Lyrik in ihrer gesamten Gattungs- und Formenvielfalt.

Der Kodex enthält 140 Dichtersammlungen, die jeweils durch ganzseitige Autorbilder (oft mit Wappen und Helmzier) eingeleitet werden und insgesamt rund 6000 Strophen umfassen. Der Codex besteht aus 426 beidseitig beschriebenen Pergamentblättern, beschrieben von mehreren Autoren in mittelhochdeutscher Sprache.

Aber nicht nur die Schreiber des Mittelalters waren Künstler, auch die vier Frauen begeisterten an diesem Tag die Jülicher mit ihrer ruhigen Hand, die wahre Kunstwerke entstehen ließen.

Mit der Feder geschrieben

Mit Schreibwerkzeugen wie der Feder oder Pipette wurde sowohl die reine Schrift vorgeführt als auch die bildnerische Kalligrafie mit Drucken oder Kollagen. Christel Kreuzer stellte zudem ein Fotoalbum „Wiedersehen mit Berlin” aus, in dem sie eigene Fotografien der Hauptstadt mit Zitaten aus den Werken der Schriftstellerin Mascha Kalko kalligrafisch untermalt hatte.

„Ich beschäftige mich erst seit rund einem halben Jahr mit der Kalligrafie und besuche regelmäßig Kurse”, erzählte Kreuzer, und man mag es angesichts ihrer Kunstwerke kaum glauben.

Vernissage am 12. März

Vielleicht entdeckte der eine oder andere Besucher bei der Präsentation seine Liebe zur Kalligrafie und fühlt e sich ermutigt, das altehrwürdige Handwerk selbst einmal zu erlernen.

Die Vernissage zur Ausstellung von Kalligrafien der Künstlerin Denise Lach findet am Freitag, 12. März, um 19.30 Uhr im Hexenturm in Jülich statt. Die Ausstellung ist bis zum 4. April zu sehen.

Die renommierte Schriftkünstlerin Denise Lach setzt auf faszinierende Weise fotografische Sujets aus der Natur in Schriftbilder um. Die Natur ist für sie eine überaus reiche, nie versiegende Quelle der Inspiration. Sie lädt den Betrachter ein, genau hinzusehen, um das Auge zu schulen und die Beobachtungsgabe zu vertiefen. Beim Gestalten mit Schrift vereinen sich wie bei der Naturbetrachtung das Meditative und das sinnliche Erleben. Wichtiger als die Lesbarkeit der Schrift ist der Künstlerin dabei die freie schöpferische Umsetzung der Motive in ein eigenes Schriftbild.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert