Kunstrasen-Granulat in Jülich wird untersucht

Von: hfs.
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Viktoria Koslars Vorsitzender Ralf Coenen kann nicht ausschließen, „dass auch unser schwarzes Granulat aus Altreifen gewonnen wurde“. Foto: hfs.
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Mit Spezialmaschinen wird das Granulat in den Kunstrasen eingearbeitet – wie hier in Koslar. Es soll möglicherweise krebserregend sein. Foto: hfs

Jülich. Jeder Fußball-Verein reißt sich förmlich darum, einen Kunstrasenplatz zu bekommen. Jederzeit nutzbar, ist er schlechthin die große Alternative zum Rasengeläuf. Doch nun sind die Sportflächen in die Schlagzeilen geraten.

Holländische Wissenschaftler wollen in dem Gummi-Granulat, das in den Kunstrasen eingebracht werden muss und im Nachbarland vorwiegend aus Altreifen gewonnen wird, krebserregende Stoffe entdeckt haben. Deutsche Hersteller, so erste Umfragen, geben allerdings Entwarnung.

„Wir haben ein Zertifikat bekommen, das eindeutig besagt, dass das bei uns verwendete Granulat unbedenklich ist“, erklärt Karl-Heinz Albersmeier, erster Vorsitzender des SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten, auf Anfrage der Redaktion. Vor zwei Jahren nahm der Verein einen nagelneuen Kunstrasenplatz in Betrieb, investierte viel Eigenleistung, damit das Projekt, das sich im Besitz der Stadt Jülich befindet, überhaupt realisiert werden konnte. Dass sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zu gewissen Teilen krebserregend sind, ist bekannt. Dass sie sich aber auch in dem Gummi-Granulat, das in jeden Kunstrasenplatz eingebaut wird, befindet, diese Nachricht schockte Vereine, Fußballer und Eltern gleichermaßen.

„Bei mir haben sich schon besorgte Eltern gemeldet. Aber ich kann keine Auskunft geben. Ich weiß nur, dass unser Granulat schwarz war“, sagt Ralf Coenen, Vorsitzender von Viktoria Koslar. Die schwarze Farbe, mutmaßt er, könne ja daher stammen, dass das im Jahre 2014 neu eingebrachte Granulat – die Erstmischung musste ausgetauscht werden, da sie sich durch den damaligen heißen Sommer verklumpt hatte – aus dem Re­cycling von Altreifen gewonnen wurde. Coenen hat natürlich die Nachrichten aus Holland mit Sorge vernommen und wird in der nächsten Woche gleich das Gespräch mit der Stadt Jülich suchen.

„Natürlich wissen wir, welche Sorgfaltspflicht wir für unsere Sportler und Kinder haben.“ Das stellt auch Karl-Heinz Albersmeier in den Vordergrund. „Zuerst einmal vertraue ich dem Zertifikat. Ob es das Papier wert ist, auf dem die Unbedenklichkeit bescheinigt wird, werden wir sehen, wenn wir sozusagen gezwungen werden, ein Gutachten erstellen zu lassen. Notfalls auf eigene Kosten.“ Albersmeier legt Wert auf die Feststellung, dass dies seine persönliche Meinung sei. „In der nächsten Woche setzt sich unser Vorstand zusammen. Dann werden wir beraten, was passiert“, sagt der Vorsitzende, der auch „auf jeden Fall das Gespräch mit der Stadt Jülich suchen“ wird.

Erst mal Ruhe bewahren

Gert Marx, Leiter des Jülicher Sportamtes, erklärte auf Anfrage, dass er erst aus der Zeitung von den möglichen Gefahren des Gummi-Granulats erfahren habe. „Natürlich ist das bedenklich, aber wenn ich lese, dass für die Plätze in NRW sozusagen Entwarnung gegeben wird, sollten wir zuerst einmal Ruhe bewahren und weitere Untersuchungen abwarten.“ Marx setzt, wie auch die Vereinschefs aus Welldorf-Güsten und Koslar, auf übergeordnete Stellen. Dass es zu Spielabsagen kommt, davon geht keiner der Genannten aus.

Unabhängig davon steht fest, dass es auch in NRW ein Unternehmen gibt, dass aus Altreifen Granulat für Kunstrasenplätze herstellt. Die Prüfungen laufen bereits.

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