Kunstrasen gesperrt: Viktoria Koslar in Not

Von: hfs.
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So sollte es sein: Feinkörniges Granulat auf einem Kunstrasenplatz. Das Material auf dem Spielfeld von Viktoria Koslar verklumpt aber. Die Platzsperre bringt den Verein in arge Nöte. Foto: imago/Ulmer

Koslar. Wann darf die Viktoria aus Koslar wieder auf ihrem Kunstrasenplatz spielen? Diese Frage beschäftigt seit September nicht nur die Verantwortlichen der Stadt, sondern natürlich vor allem den Verein. Denn der steht laut Vorsitzendem Ralf Coenen vor einem „existenziellen“ Problem: „Sollte der jetzige Zustand noch lange andauern, gibt es die Viktoria nicht mehr.“

Als mit Beginn der laufenden Saison der Kunstrasenplatz in Koslar von der Stadt Jülich gesperrt wurde, war der Schock bei den Koslarer Sportlern groß. Wie auch auf einigen anderen Plätzen in der Bundesrepublik hatte sich das eingebrachte Granulat aus synthetischem Kautschuk verklumpt und blieb an den Fußballschuhen hängen, so dass ein Spielbetrieb unmöglich war.

Von heute auf morgen standen 15 Mannschaften, darunter laut Viktoria allein 240 fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche, auf der Straße. „Wenn uns die Jülicher Zwölfer und Frankonia Broich nicht geholfen hätten, wäre unser Spielbetrieb schon eingestellt“, sagt Coenen und dankt ausdrücklich den beiden Nachbarklubs.

Keine Hilfe vom SCJ

Die stellen ihre Sportstätten samt Umkleiden zur Verfügung und leihen Gerätschaften aus. Nicht gut zu sprechen sind die Koslarer auf den Nachbarn SC Jülich 1910/97. „Von denen kam nichts“, berichtet Coenen und ist wie alle anderen Koslarer Verantwortlichen von den „Zehnern“ enttäuscht.

Dabei hätte der SCJ in der vergangenen Saison von einer Koslarer Entscheidung stark profitiert, bemerkt der Viktoriachef mit Bitterkeit. Bekanntlich zog die Viktoria ihre zweite Mannschaft als Spitzenreiter am letzten Spieltag zurück, so dass der SC Jülich 1910/97 in den Genuss des Aufstiegs in die Kreisliga B kam.

Was aber ist mit Blick auf den gesperrten Platz der aktuelle Sachstand? Coenen verweist auf ein kürzlich stattgefundenes Gespräch mit Bürgermeister Heinrich Stommel und Gerd Marx als Leiter des Sportamts, das auf Drängen der Viktoria stattgefunden habe. „Wir haben den Eindruck, dass diese Angelegenheit nicht so angegangen wird, wie es sein müsste.“ Konkret gemeint ist die Untersuchung, wer für den jetzigen Zustand des Kunstrasenplatzes verantwortlich ist und gegebenenfalls haftet.

Auch wenn die Stadt Jülich im Sinne der Haftungsfrage und des Beweissicherungsverfahrens jetzt einen Gutachter eingeschaltet hat, zeichnet sich nicht ab, wann der denn seine Arbeit aufnimmt beziehungsweise wann das eingeforderte Gutachten vorliegt. „Ob der Gutachter jetzt noch tätig wird oder erst irgendwann im kommenden Jahr, darauf hätte die Stadt keinen Einfluss“, gibt Coenen die Aussage des Jülicher Bürgermeisters wieder.

Fakt ist: Der Austausch des Granulats ist mit rund 50.000 Euro angesetzt. Über die Hälfte des Betrages entfällt auf die Lagerung des Kautschuks, hat Ralf Coenen errechnet. „Den könnte man doch ohne Weiteres auf dem nur wenige Meter entfernten Bauhofgelände zwischenlagern, bis sich eine endgültige Lösung abzeichnet“, schlägt er vor.

Dass die damals beauftragte Firma haftbar gemacht werden kann, scheint mehr als zweifelhaft. Die Gewährleistung beträgt vier Jahre, in Betrieb ist der Koslarer Sportplatz bereits aber seit sechs Jahren. Wie Coenen in Erfahrung gebracht haben will, seien drei Prozesse, die gegen die Firma in gleicher Angelegenheit geführt wurden, zugunsten des Unternehmens ausgegangen. Bliebe deshalb nur der Weg einer gütlichen Einigung, die vielleicht erfolgen könnte.

Der Verein sieht sich nun gleich doppelt in der Klemme. „Wir haben keinerlei Einnahmen aus dem Verkauf in unserem Vereinsheim. Inwieweit Sponsoren, die auf unserem Platz Reklame betreiben, gewillt sind, weiterzuzahlen für einen Vereinsplatz, auf dem nichts mehr läuft, ist eine weitere Frage.“

Der Viktoria-Vorsitzende nennt noch einen dritten Aspekt. Per Vertrag wurde dem Jugendgästehaus-Betreiber Jufa zugesichert, die Koslarer Platzanlage nutzen zu können. Ralf ­Coenen: „Zudem wollten wir im kommenden Juni ein großes Jufa-Turnier ausrichten. Wenn das nicht stattfinden kann, gibt es den Verein nicht mehr, dann stehen allein 240 Kids auf der Straße.“

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