Kunsthandwerkerinnenmarkt: Zehntausende in Jülich erwartet

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Von Kopf bis Fuß reichen die Angebote, die von Kunsthandwerkerinnen auf dem Schloßplatz in Jülich präsentiert werden. Foto: Stadt Jülich

Jülich. Fest in Frauenhand wird die „grüne Stube“ Jülichs beim 21. Kunsthandwerkerinnenmarkt sein – einem der erfolgreichsten Märkte in Deutschland. Doch das Grün der imposanten Kastanienbäume in Nachbarschaft zur Jülicher Zitadelle ist nur eine Nuance der bunten Vielfalt, die auch in diesem Jahr die über 30.000 erwarteten Besucher verwöhnen wird – und das sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinne.

Knallig rote Hüte, strahlend blaue Klangobjekte, leuchtend gelbe Seifen, zart lila Lavendel sprechen sowohl Auge, Haut, Nase und Ohren an. Exklusive Kunst, von Frauenhand gefertigt, darf hier mit allen Sinnen genossen werden: Bildhauerinnen, Schreinerinnen, Malerinnen, Hutmacherinnen, Töpferinnen und Goldschmiedinnen stellen sich, ihre Arbeit und Produkte vor.

Je individueller das Gewerk und je älter und verloren geglaubter das Handwerk ist, desto mehr Aufsehen erregen die Künstlerinnen. Wo sondt sind heute noch Besenbinderinnen, Seifenmacherinnen oder Kerzengießerinnen bei der Arbeit zu sehen und ihre zu Kunstwerken gewordenen Alltagsgegenstände zu erwerben?

Ob Keramik, Holz, Papier, Emaille, Filz, Glas, Leder oder Metall – die beim jeweiligen Kunsthandwerk verwendeten Materialien sind ebenso vielfältig wie die Verwendungsmöglichkeiten – für Haus und Garten, zum Anziehen und Angucken, zum Anhören und Aufessen, zum Draufsitzen und Darunterliegen, zum Unter-den Arm-Klemmen und Um-den-Hals-Wickeln – fast alles sind Unikate. Das gilt auch für die Ausstellerinnen, von denen alljährlich einige hier ihren ersten Versuch in die Öffentlichkeit wagen und andere den Jülicher Markt als Sprungbrett für eine kreative Karriere und Geschäftsidee genutzt haben.

Was 1994 als Idee der Gleichstellungsbeauftragten Katarina Esser und der Galeristin Brigitte Habig ins Leben gerufen wurde, hat sich zu einer Großveranstaltung entwickelt, die Besucher und ausstellende Künstlerinnen nicht nur aus der Region, sondern auch weit darüber hinaus anlockt. „Mein Interesse als Leiterin der Gleichstellungsstelle war es, Frauenförderung in Kunst und Kultur mit Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zu verbinden“, beschreibt Katarina Esser das Konzept des Marktes.

Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der Bewerberinnen um einen der begehrten rund 250 Standplätze gestiegen. Das Ergebnis ist Programm: eine Mischung aus traditionellen und neuen Angeboten macht den Reiz aus – für Besucher und Ausstellerinnen. Neu in diesem Jahr ist etwa eine Puppenmacherin, die den Puppen aus Porzellan nach eigenen Entwürfen Lebendigkeit verleiht.

Die Besucher dürfen sich darauf verlassen, eine Melange aus traditionellem und modernem Kunsthandwerk zu finden. Das Besondere: die Frauen präsentieren nicht nur ihre Kunstwerke, sondern – soweit möglich – auch die Herstellung. Natürlich werden auf dem Kunsthandwerkerinnenmarkt viele Exponate verkauft, doch das Besondere des Marktkonzeptes ist, dass die Künstlerinnen, die den Verkaufsgegenstand mit eigener Hand fertigten, vor den Besuchern stehen. Gerne geben sie Auskunft zu allen Fragen rund um die Herstellung. Die Begeisterung ist stets auf beiden Seiten spürbar – ehrliches Interesse an ehrlicher Kunst.

Die Ausstellerinnen finden sich in Jülich unter vielen Gleichgesinnter wieder und vor allem ein Publikum, das ihre Kunst zu schätzen weiß und weite Wege auf sich nimmt, um in diese Kreativ-Oase ein-, und mit kunstgewerblichen Exponaten bepackt wieder aufzutauchen. Für sie ist der Kunsthandwerkerinnenmarkt längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein Höhepunkt im Jahreslauf.

Von Anfang an war der Kunsthandwerkerinnenmarkt jedoch nicht nur kreativer Schmelztiegel, sondern auch Begegnungsstätte – mit musikalischer und kulinarischer Verköstigung. Ob afrikanische gebackene Bananen, portugiesische Gambas oder am reich gedeckten Kuchenbuffet des Sozialdienstes katholischer Frauen: Mitten im Getümmel findet sich eine gastronomische Insel, die zum Verweilen und Genuss zahlreicher kulinarischer Köstlichkeiten – natürlich auch aus Frauenhand – einladen. Mit allen Sinnen.

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