Kunst mit den Fingerspitzen ertasten

Von: Kr.
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Anfassen erlaubt, aber nur für die sehbehinderten Menschen, die von Michael Scheu durch die Thierry Boissel- Ausstellung geführt wurden. Foto: Kròl

Linnich. „Anfassen erlaubt“, heißt es viel zu selten in Museen und bei Kunstausstellungen, sehr zum Bedauern der vielen sehbehinderten Mitmenschen, denen die Fingerspitzen die Augen ersetzen. Umso mehr freut es sie dann, wenn ihnen einmal die Gelegenheit geboten wird, Kunstwerke zu ertasten, wie es jetzt im Deutschen Glasmalerei-Museum in Linnich möglich war.

Sechs erblindete oder sehbehinderte Gäste mit ihren Begleiterinnen waren auf Einladung des Hauses gekommen, um die aktuelle Thierry Boissel-Ausstellung zu erleben und auch zu erfassen. Ausdrücklich hatte der Künstler die Erlaubnis gegeben, dass sie seine Kunstwerke ertasten. Dies ist gerade bei ihnen angebracht, da Boissel besonders mit reliefartigen Strukturen arbeitet, durch die auch blinde Menschen die Darstellungen auf den großformatigen Glasbildern erfassen können.

Material und Werkzeug

Der Glasmaler Michael Scheu, der für seine Examensarbeit Fenster mit Brailleschrift entwarf und auch musemspädagogische Arbeit leistet, hat schon häufiger solche Gruppen durch eine Ausstellung oder auch durch den Aachener Dom geführt. Er bereitet sich auf solche Führungen besonders vor und begann seinen Ausflug in die Glasmalkunst in der Werkstatt des Museums. Anhand von Materialproben und Werkzeug stellte er die Glasmalerei sehr anschaulich dar und seine Gäste zeigten sich äußerst interessiert und hatten eine Menge Fragen. Glas und Werkzeug wurden ertastet, einige verfügten noch über etwas Sehkraft und besahen sich die einzelnen Stücke ganz genau.

Premiere

In der Boissel-Ausstellung dann angekommen ertasteten sie vorsichtig mit den Fingerspitzen die Exponate und stellten ihren ganz persönlichen Bezug zu den Kunstwerken her. Groß war ihre Freude, auf diese Weise auch in den Genuss von Kunst zu kommen, zumal es für sie alle die erste Kunstausstellung war, die sie besuchten. Das Deutsche Glasmalerei-Museum bietet diese spezielle Führung für Blinde und Sehbehinderte noch einmal an, und zwar am Dienstag, 18. August.

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