Kultursommer: Vier Hände entlocken Flügel Orchesterklang

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Xin Wang und Florian Koltun am Flügel glänzten durch ihr ausgereiftes Zusammenspiel beim Hauskonzert zu vier Händen in Linnich. Foto: Wolfgang Emde

Linnich. Familie Herzogenrath aus Linnich reihte sich erstmals ein in den Reigen der Gastgeber, die dem Verein „Kultur ohne Grenzen“ ihr Heim für ein Hauskonzert öffneten. In diesem intimen Rahmen ist das Publikum den Künstlern sehr nahe und hat auch in der gesellig gestalteten Pause bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit, persönlich mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

In Linnich wurde im Rahmen des Kultursommers ein hochkarätiges Programm geboten. Xin Wang (China) gehört zu den führenden Pianistinnen in der Inneren Mongolei. Ihre Konzerttätigkeit wie auch die ihres Partners Florian Koltun erstreckt sich über Europa und Asien. Erfreulicherweise sind sie jedoch auch in unserer Region rege tätig.

Florian Koltun führte durch das Programm und erläuterte Werke und wies Zusammenhänge der Komponisten der verschiedenen Epochen auf.

Die Gattung der Kompositionen für vier Hände ist erst ab der Spätklassik bekannt und fand ihre Blüte in der romantischen Periode. Quasi für den Hausgebrauch entstanden jedoch etliche Transkriptionen, die auch heute noch gerne konzertant aufgeführt werden.

Zwei Mozart-Sonaten

Mit zwei Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart aus der frühen Salzburger Zeit eröffneten die Solisten jeweils das Programm und begeisterten direkt das Publikum für die beeindruckende Vielfalt der instrumentalen Möglichkeiten des Flügels, die orchestralen Klangcharakter entfalteten ließen.

Mozart pflegte in jungen Jahren besonders die gesellige Hausmusik und konzertierte gemeinsam mit seiner Schwester. Bei seinen Werken für vier Hände gelang es ihm besonders, den Klangraum des Instrumentes auszunutzen. Vor allem in der Verteilung der Stimmen schöpfte er die musikalischen und manuellen Möglichkeiten voll aus. Unbelastet fröhlich ließen Xin Wang und Florian Koltun die C-Dur Sonate erklingen, die beide Pianisten als gleichberechtigte Partner fungieren ließ.

Die Mozart Sonate in D-Dur, die den zweiten Konzertteil einleitete, ist ein Werk des 16-jährigen Mozart, das frisch erfunden und in knapper Form gefasst ist. Im Mittelsatz bestachen die Pianisten durch das Herausarbeiten der innigen, ruhigen Melodik und arbeiteten die eigentümlich orchestral wirkende Melodik liebevoll heraus.

Zuhörer mitgerissen

Volle Klavierromantik entfaltete sich bei den Ungarischen Tänzen Nr. 1, 2 und 5 von Johannes Brahms. Schnelle Rhythmen, folkloristische Melodien, graziöse Themen, rasante Tempi-Wechsel rissen den Zuhörer mit und machten den besonderen Charme dieser Komposition aus.

Die Fantasie in f-Moll von Franz Schubert ist eine tragisch gestimmte Komposition, die von Todesahnungen durchdrungen ist: F-Moll Harmonien, kantable Perioden, zaghaftes Pianissimo, Passagen, die an ein Liebesduett in der Oper erinnern, Polyphonie als Mittel, übermächtige Gewalten darzustellen. Sehr emotional gestalteten die Pianisten dieses Werk und ließen den Schlussakkord wie einen Schicksalsspruch nachhallen.

Technisch perfektes Spiel

Xin Wang und Florian Koltun bescherten den beeindruckten Zuhörern ein interessantes, gehaltvolles Programm und begeisterten durch ihr technisch perfektes und musikalisch ausgereiftes Zusammenspiel.

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